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Politik

Wie der Lehrermangel Schulen in Brandenburg zusetzt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 15, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 15.06.2026 • 18:56 Uhr

Brandenburgs Bildungsminister schlägt Alarm: Zu viele Lehrer fehlen. Einige Fächer können nach den Sommerferien möglicherweise nicht mehr unterrichtet werden. Könnte das Folgen für die bundesweite Anerkennung von Abschlüssen haben?

Markus Reher

Auf Brandenburgs Schüler kommt ein schwieriges Schuljahr zu. Deutschunterricht in der zehnten Klasse im Gottfried-Arnold-Gymnasium in Perleberg: Goethes Faust, Teil 1. Die etwa zwei Dutzend Jugendlichen analysieren die Gretchentragödie, die verhängnisvolle Liaison zwischen der jungen Margarete und dem Gelehrten Dr. Faust.

Ein paar Räume weiter sitzt Schulleiter Felix Mundt in seinem Büro am Computer vor einem ganz anderen „Drama“: Wie soll er nach den Sommerferien den Stundenplan voll bekommen? So sehr er auch Fächer und Lehrkräfte in seiner Excel-Tabelle hin- und herschiebt, es bleiben Felder rot.

Eng wird es vor allem bei Biologie und Chemie. „Hier gehen zwei verdiente Kolleginnen jetzt in den Ruhestand, beziehungsweise die eine ist schon zum Halbjahr in den Ruhestand gegangen. Diese Lücke, diese beiden Stellen Biologie, Chemie, haben wir Stand jetzt noch nicht wiederbesetzen können.“ Nachwuchs ist rar in Perleberg und der ländlich geprägten Prignitz im äußersten Nordwesten Brandenburgs.

Abschlüsse in Gefahr?

Auch Brandenburgs Bildungsminister schlägt nun Alarm. Gordon Hoffmann von der CDU warnt, man könne nicht mehr garantieren, dass man die Stundentafel im ganzen Land komplett abdecken könne. Es werde immer schwieriger, Lehrer zu finden. Je weiter weg von großen Städten wie Berlin oder Potsdam, desto schwieriger. Man habe „wahrscheinlich den historisch höchsten Lehrermangel, den wir jemals hatten in der Geschichte des Landes“.

Hoffmanns Sorge: Brandenburger Schulabschlüsse könnten nicht mehr bundesweit anerkannt werden. „Wir werden uns darauf fokussieren, dass wir mit schulorganisatorischen Maßnahmen dafür sorgen, dass die Fächer, die wichtig sind für Prüfungen, die Fächer, die wichtig sind für die Anerkennung der Abschlüsse, dass wir die unterrichtet kriegen“, sagt er.

Die Kultusministerkonferenz ordnet die aktuelle Lage in Brandenburg auf Nachfrage so ein: „Entscheidend für die Anerkennung von Schulabschlüssen ist, dass die Länder im Ergebnis die vereinbarten Standards einhalten und die Gleichwertigkeit der Abschlüsse gewährleistet ist.“ Aus einer angespannten Unterrichtsversorgung in einzelnen Regionen lasse sich nicht unmittelbar eine Gefährdung der Anerkennung von Schulabschlüssen ableiten.

Keine Denkverbote bei Maßnahmen

Brandenburg will nun 250 neue Stellen zusätzlich schaffen, mehr Lehrkräfte ausbilden und mit einem Stipendium angehende Lehrer aus der ganzen Republik nach Brandenburg aufs Land locken. Außerdem will man Lehrkräfte umsetzen – aus Gegenden, wo es nicht ganz so dramatisch ist, erstmal freiwillig, so Hoffmann.

Doch: „Letzten Endes sind wir ja sehr stolz darauf, dass wir unsere Lehrkräfte verbeamten. Und so ein Beamtenverhältnis, das begründet aber nicht nur besondere Rechte für die Beamten, sondern auch besondere Pflichten gegenüber dem Dienstherrn, und eine solche Pflicht ist eben, dass ein Beamter dann auch dahin geht, wo das Land ihn dringend braucht.“ Es gebe keine Denkverbote.

Problem lange bekannt

Es gebe aber kaum noch Landesteile, wo man keinen Bedarf habe, kontert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Umsetzungen auf Anweisung würden da auch nicht helfen, so der Vorsitzende Günther Fuchs: „In den 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre ist schon mal versucht worden, Lehrkräfte gegen den Willen umzusetzen. Das hat nicht funktioniert, deswegen appellieren wir daran, dass es attraktive freiwillige Angebote geben muss.“

Zu wenige ausgebildet, zu wenige eingestellt, Seiteneinsteiger nicht übernommen – das Problem Lehrermangel begleite Brandenburg seit Jahren. Der Landeselternverband kritisiert vor allem die Kürzungen des vergangenen Jahres, als Brandenburgs SPD noch mit dem BSW das Land regierte: „Man hätte da schon vor vielen Jahren entsprechend eingreifen müssen, und nicht wie zum Schuljahresbeginn 345 Stellen abschaffen, dann 200 Stellen jetzt wieder neu bringen“, sagt Landeselternsprecher Matthias Knoll. Dass die Anerkennung von Abschlüssen überhaupt zum Thema werde, sei ein „alarmierendes Signal“.

Schulleiter Mundt am Gymnasium in Perleberg im Nordwesten Brandenburgs hätte durchaus etwas zu bieten, um junge Lehrkräfte anzulocken: „Ich kann eine wunderschöne Schule, ein nettes Kollegium, wirklich freundliche Schülerinnen und Schüler anbieten, immer noch bezahlbaren Wohnraum.“ Und doch hat Mundt Probleme, seinen Stundenplan mit Lehrkräften zu füllen. Auf Brandenburg kommt ein schwieriges Schuljahr zu, nicht nur am Gymnasium in Perleberg.

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