Kein Sportfest, kein Amateurfußball: Wegen der hohen Temperaturen sagen Vereine und Verbände teils ihre Veranstaltungen ab. Doch nicht jeder Veranstalter reagiert gleich.
Eigentlich sollte es ein ganz besonderes Fest für die jüngsten Leichtathletinnen und Leichtathleten im Kreis Heinsberg werden. Mehr als 200 Kinder der Altersklassen U8 bis U11 hatten sich angemeldet für die großen Kreismeisterschaften beim TuS Jahn. „Mit Sprint, Weitsprung und Schlagball wollten die Kids in die Einzelwertung der klassischen Dreikampf-Disziplinen gehen“, sagt Steffi Schmitz-Görres vom Verein. „Am Ende hätte es noch einen 800-Meter-Lauf gegeben.“
Die Einladungen waren verschickt, Siegerpräsente bestellt, Wasser organisiert und Helfer eingeteilt. Doch als für das Wochenende Temperaturen von bis zu 38 Grad angekündigt wurden, musste das Organisationsteam die Reißleine ziehen. „Das sollte für die Kinder ein schönes Erlebnis werden“, sagt Schmitz-Görres. „Bei diesen Temperaturen hätte es weder Spaß gemacht noch wäre es verantwortungsvoll gewesen.“ Die Helfer, die Sportler und auch die Geschwisterkinder wollten sie vor der Hitze schützen.
„Der Schutz der Gesundheit hat oberste Priorität“
Angesichts der drohenden Hitze am Wochenende haben die regionalen Fußballverbände in Deutschland unterschiedlich reagiert. Der Württembergische Fußballverband hat beispielsweise sämtliche Fußballspiele für das Wochenende abgesagt. Betroffen seien verbandsweit alle Meisterschafts- und Freundschaftsspiele sämtlicher Spielklassen und Altersstufen.
„Der Schutz der Gesundheit hat für uns oberste Priorität. Wir haben eine Fürsorgepflicht“, sagt Christoph Kern, Präsident vom Bayerischen Fußball-Verband. Sie haben sich in Bayern für die Absage von 4.400 Spiele entschieden. Während bei Frauen und Herren in Bayern bereits die Sommerpause eingeläutet ist, sind von der Absage die Partien im Saisonendspurt bei den Juniorinnen und Junioren betroffen.
„Kinder und Jugendliche möchten wir nicht unnötig gesundheitlichen Risiken durch hohe Temperaturen und körperliche Belastung aussetzen. Fußball soll Freude bereiten – aber nicht auf Kosten der Gesundheit“, sagt Kern.
Ab 40 Grad sollte kein Spiel mehr stattfinden
Die DFB-Kommission Sportmedizin spricht Empfehlungen für die Spiele im Amateurfußball aus: Ab 30 Grad sollten Präventionsmaßnahmen wie lange Trink- und Kühlpause aktiv genutzt werden. Bei mehr als 35 Grad sollten Spiele verlegt werden in die Abendstunden oder auf einen anderen Termin. Ab 40 Grad sollte zwingend kein Spiel und kein Training mehr stattfinden.
„Die Absagen sind unter den aktuellen Bedingungen die richtige Entscheidung“, so Christoph Kern. „Bei Freundschaftsspielen am Wochenende entscheiden die Vereine eigenverantwortlich. Wir appellieren jedoch ausdrücklich an die Vernunft der Verantwortlichen und empfehlen, Spiele abzusagen oder – wenn überhaupt – dann in die kühleren Morgen- bzw. Abendstunden zu verlegen.“
Auch der Berliner Fußball-Verband hat Maßnahmen für den Spielbetrieb getroffen. Demnach werden nur Spiele ausgetragen, die noch eine Relevanz bei Aufstiegs-, Abstiegs- und Meisterschaftsentscheidungen haben. Diese Spiele werden in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegt.
Mehr Eiswasser, Schwämme und Duschen
Der Ironman in Frankfurt findet allerdings statt. Die Veranstalter kündigten an, Teile der Laufstrecke zu verändern, um schattige Abschnitte zu integrieren. Auch mehr Eiswürfel, Eiswasser, Schwämme und Duschen sollen zur Verfügung stehen für die Athleten in Frankfurt.
Deborah Schöneborn ist erfolgreiche Langstreckenläuferin und Medizinerin. Sie warnt generell vor zu viel Ehrgeiz bei der Hitze. „Wir verlieren ab 25 Grad an Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit, weil die Durchblutung einfach in die Haut reingeht, die wir zur Abkühlung brauchen. Dann sollte man auf den Körper hören und das Tempo anpassen.“
Tipps wie mehr Pausen einplanen, in den Morgen- oder Abendstunden trainieren und viel trinken seien den meisten bekannt, sagt sie. „Man kann die Sportmodalität auch anpassen. Ich als Läuferin gehe relativ regelmäßig Aquajoggen im Sommer. Man sollte sich schattige Plätze suchen. Und man kann auch Kühlstrategien wahrnehmen. Zum Beispiel ein nasses Handtuch mitnehmen und drüberlegen“, sagt Schöneborn. So könnte man den Körper vor dem Sport runterkühlen. „Auch bei Tempoeinheiten könnte man zum Beispiel einen Kopfschutz tragen, vielleicht sogar eine nasse Käppi.“
„Wir holen das Sportfest nach“
Die Entscheidung zur Absage ihres Wettkampfes im Kreis Heinsberg sei dem Verein nicht leicht gefallen, sagt Organisatorin Schmitz-Görres. Verbindliche Vorgaben habe es für ihre Veranstaltung nicht gegeben. Ausschlaggebend sei am Ende der „gesunde Menschenverstand“ gewesen.
„Wir holen das Sportfest im September nach und dann möglichst in den kühleren Morgenstunden“, sagt sie. Die Hoffnung des Vereins: Dass die Kinder dann das erleben können, worum es eigentlich geht – einen Tag voller Bewegung, Wettkampf und Freude am Sport.

