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„Zu besoffen zum Trainieren“: Als die „Weltmeister im Daneben-Benehmen“ das Finale vergeigten

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 18, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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18.07.2026 | 08:28 Uhr

Die Weltmeisterschaft 1982 in Spanien bekleckerte sich auf vielerlei Ebenen nicht mit Ruhm. Als schließlich ausgerechnet die Italiener gegen die deutsche Elf im Finale standen, waren hinterher alle nur froh, dass es endlich vorbei war.

Nach dem Spiel konnte sich Uli Stielike nicht mehr beherrschen. Der angestaute Frust musste raus. Noch in der Halbzeitpause hatte er mit Engelszungen auf Karl-Heinz Rummenigge eingeredet. Mit sorgsam ausgewählten Worten hatte er den Stürmer des FC Bayern gebeten, doch bitte freiwillig rauszugehen. Rummenigges Verletzung machte sich an diesem 11. Juli 1982 im Madrider Estadio Santiago Bernabéu einfach zu sehr bemerkbar. Doch Rummenigge dachte nicht daran, sich auswechseln zu lassen – und spielte durch.

Nach dem verlorenen Finale gegen Italien war Stielike nun einfach nicht mehr zu beruhigen. Rummenigges egoistische Weigerungshaltung konnte er nicht akzeptieren. Auch jetzt nicht – als alles ohnehin zu spät war. Der Streit zwischen den beiden Mitspielern ist am nächsten Tag ein gefundenes Fressen und ein Beleg für die Medien, dass es in dieser Mannschaft zu keinem Zeitpunkt stimmte. Der Grund für die klare 1:3-Endspielniederlage war so schnell gefunden.

Viel Ärger bei den Italienern

Auch beim neuen Weltmeister Italien herrschte nach dem Spiel nicht nur eitel Sonnenschein. Ganz im Gegenteil. Trainer Enzo Bearzot hatte nicht die Absicht, einfach so zur gewohnten Tagesordnung überzugehen. Zu viel war passiert. Bereits in der Vorrunde war die Kritik an seinem Team und an seiner Leistung als Trainer so sehr ausgeufert, dass sich die Mannschaft zu einem Presseboykott entschloss. Doch anders als erwartet begann nun erst das große Gemetzel mit Worten und Schlagzeilen. Trauriger Höhepunkt dieser einseitigen Schlammschlacht: Italienische Zeitungen verbreiteten das Gerücht, dass Paolo Rossi, der spätere WM-Torschützenkönig, eine Liebesaffäre mit seinem Mitspieler Antonio Cabrini habe.

Und obwohl einer der besten Spieler der italienischen Mannschaft, Giancarlo Antognoni, nur ein Jahr zuvor nach einem Schädelbasisbruch um sein Leben gekämpft hatte, wählte die Presse ihn als zweites Opfer ihrer reißerischen Geschichten aus. Nacktfotos, die die Medien seit längerer Zeit von seiner Frau hatten, wurden nun in großer Aufmachung im Blatt gedruckt. Antognoni musste wehrlos in Spanien mit ansehen, wie täglich Kübel voll Dreck über ihn und seine Kollegen ausgeschüttet wurden.

Trainer Enzo Bearzot vergaß auch in der Stunde des größten Triumphs nicht, wie schäbig die Medien das Team über Wochen behandelt hatten. Nach dem Sieg im Finale über Deutschland setzte sich Bearzot bei der Pressekonferenz auf seinen Stuhl, schaute in die Runde und sagte: „Meine Herren, ich erwarte Ihre Fragen. Bitte. Als unsere Leistungen in der ersten Runde nicht Ihren Erwartungen entsprachen, da waren Sie doch immerzu so eloquent. Bitte. Was ist nun mit Ihnen?“

Erst langsam näherten sich die italienischen Pressevertreter und die Mannschaft nach der gewonnenen Weltmeisterschaft einander wieder an. Besonders Paolo Rossi gegenüber taten die Reporter Abbitte. Rossi wurde schließlich nicht nur Torschützenkönig der WM 1982, sondern auch Europas Fußballer des Jahres. Von den spanischen Ausrichtern des Turniers bekam der Italiener zusätzlich noch ein Gemälde des Malers Salvador Dalí.

Und die deutsche Elf? Was machte die nach dem verlorenen Finale? Sie machte eigentlich da weiter, wo sie am Tag zuvor aufgehört hatte. Berti Vogts hatte schon während des Turniers verraten: „Breitner war es doch, der zu besoffen war zum Trainieren.“ Nach der WM veröffentlichte der Münchener ein Buch über die Tage in Spanien und schrieb: „Ich habe an dem Abend noch richtig nett mit meiner Frau und mehreren Freunden im Hotel gefeiert. Ich habe meine große Zigarre geraucht und einen herrlichen spanischen Rotwein getrunken. Und ich war froh, dass es endlich vorbei war.“ Und das ging – nach diesem Turnier, in dem sich so viele Protagonisten um den Titel „Weltmeister im Daneben-Benehmen“ („dpa“) stritten – wahrscheinlich nicht nur ihm so.

Verwendete Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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