Spionage-Spiel im Test„007 First Light“ bringt Bond-Feeling pur – verpasst aber eine große Chance
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James Bond macht eine Pause im Kino. Perfektes Timing, dem Geheimagenten mal wieder ein Videospiel zu schenken. Und was für eins. Nach rund 20 Stunden voll von Ballereien, Explosionen, Verfolgungsjagden, Infiltrationen und cleveren Sprüchen bleibt jedoch ein kleiner Wermutstropfen.
James Bond, das weiß man ja, taucht immer im Anzug auf und ist respektierter Topagent im britischen Geheimdienst MI6. Außerdem, das ist weithin bekannt, agiert er unter der Codenummer 007 und … Moment mal, wer ist denn dieser Typ, der da an dem brennenden Helikopter vorbei den Strand entlangtorkelt? Das soll James Bond sein?
Ja, der dänische Entwickler IO Interactive hat sich nach 14 Jahren ohne Bond-Videospiel für einen Neuanfang entschieden. Der Geheimagent, den wir zu Beginn von „007 First Light“ kennenlernen, erfüllt noch keine der oben genannten Eigenschaften. Er ist in Ausbildung bei der britischen Luftwaffe und steckt in einem gehörigen Schlamassel. Er überlebt als einziger einen Angriff auf sein Team und wird nach dem Absturz seines Helikopters von feindlichen Truppen über eine Insel verfolgt.
Doch dann schaltet sich das MI6 ein und lotst Bond durch das brenzlige Szenario. Beeindruckt von seinen Fähigkeiten, lädt Geheimdienstchefin M den jungen Charmebolzen ins Agenten-Training ein. Während Bond noch in der Ausbildung ist, taucht der lange verschwunden geglaubte Ex-Agent 009 wieder auf. Bond und seine Mitrekruten heften sich an seine Fährte – ohne zu wissen, was sie erwartet.
Was der dänische Entwickler IOI mit „First Light“ storytechnisch liefert, ist wirklich ein Bond-Blockbuster par excellence. Die Charaktere sind allesamt toll geschrieben und gerade wegen ihrer Ecken und Kanten liebenswert. Die Story lebt von ihren Wendungen, die zwar nicht immer unvorhersehbar sind, aber dennoch Spaß machen. Und diese Inszenierung! Von Anfang an ist „First Light“, wie es sich für James Bond gehört, einfach wunderbar übertriebene Agenten-Unterhaltung: Explosionen, schnelle Autos, absurde Stunts und schlagfertige Kommentare.
Doch immer wieder findet IOI auch das richtige Maß an Bodenständigkeit und Menschlichkeit, was die Geschichte erdet. Ein kleines bisschen mehr emotionale Tiefe hätte IOIs Bond allerdings gutgetan. Darsteller Patrick Gibson gibt 007 mit seiner tollen Performance dennoch die volle Tube Charisma, weshalb wir darüber hinwegsehen können. Der Cast ist generell super, und sogar Lenny Kravitz spielt mit. Auf dem PC sieht „First Light“ übrigens fantastisch aus und klingt großartig. Lana Del Reys Bond-Titelsong „First Light“ ist da nur die inszenatorische Kirsche auf dem Sahneberg.
Bond muss ganz schön viel leisten
Das Gameplay von „First Light“ ist so variabel wie die Trickkiste eines Superspions. Die vier wichtigsten Aspekte:
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Brot und Butter eines jeden Agenten: Schleichen. Wir infiltrieren Hotels, geheime Basen, Büros, Schiffe und, und, und. Dabei stehen uns jede Menge Wachen im Weg, die sofort den Alarm auslösen, sobald sie uns entdecken. Immer wieder müssen wir uns in linearen Abschnitten des Spiels durch Schlauchlevel schleichen. Das Stealth-Gameplay macht Spaß, besonders wegen der vielfältigen Gadgets, die Bond von Obertüftler Q bereitgestellt bekommt. Wir haben beispielsweise eine Rauchbombe, eine Kamera, die Gegner blendet, und Giftpfeile, die Unwohlsein auslösen und wachsame Wachen weniger wachsam machen.
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Wenn wir entdeckt werden, bleibt oft nur eines: den Weg freiprügeln. Solange Gegner keine Waffen zücken, hat Bond nämlich auch nicht die Lizenz zum Töten. Da gilt es dann, Gegner auszuknocken. Die Kämpfe sind auch nicht anspruchslos. Wir können blocken, ausweichen, Gegner packen und natürlich zuschlagen. Bei großen Gruppen wird das schnell unübersichtlich, aber solange wir denen geschickt aus dem Weg gehen, sind 007s Fäuste potente Waffen.
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Noch potenter sind natürlich Bonds richtige Waffen. Sobald Gegner das Feuer eröffnen, dürfen wir auch zurückschießen. Das Gunplay ist spaßig und wuchtig. Wir können beim Zielen mithilfe unserer Fokus-Punkte kurz die Zeit verlangsamen und Gegnern so gezielte Treffer verpassen. Spannend dabei: Schießen wir beispielsweise auf die Hände, lassen unsere Feinde ihre Waffen fallen. Wir sind auch darauf angewiesen, alle paar Sekunden eine neue Waffe aufzuheben, denn Bond geht schnell die Munition aus. Im Regelfall sprinten wir von Deckung zu Deckung und warten auf unsere Möglichkeiten. So spielen sich die Schießereien kurzweilig und launig.
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Immer wieder wirft uns IOI in ein spannendes Setting und lässt uns selbst herausfinden, wie Bond sein Ziel erreichen sollte. Hier erinnert „First Light“ an die „Hitman“-Spiele, für die IOI bekannt ist. Geben wir uns als Fotograf aus, um unsere Zielperson auf der Spendengala zu erreichen, oder schleichen wir uns lieber durchs Lüftungssystem? Oder sollen wir uns doch als Sicherheitsmann verkleiden? Die Wahl liegt beim Spieler. Dazu sind die großen Kulissen, in denen wir uns als Spion ausleben dürfen, wie schon in „Hitman“ detailreich und unglaublich liebevoll designt.
„007 First Light“ hätte noch mutiger sein können
Ein paar Makel gibt es doch. Vor allem für viele deutsche Fans dürfte die fehlende Synchro ein großer Kritikpunkt sein. Hin und wieder hat außerdem ein schlecht gesetzter Checkpoint etwas genervt. Besonders im Mittelteil zieht sich das Spiel dazu hin und wieder etwas. Eine gute halbe Stunde durch Bürogebäude schleichen und verschlossene Türen umgehen? Das fühlt sich irgendwann doch so an, als hätten die Entwickler die Spielzeit ein wenig strecken wollen. Ein bisschen weniger Fett und etwas mehr Fokus auf die exzellenten Schießereien hätten dem Pacing gutgetan.
Es ist, das muss man so sagen, Meckern auf ganz hohem Niveau. Aber dennoch: Es bleibt das Gefühl, dass die so erfolgreiche „Hitman“-Formel in den Sandbox-Leveln meistens maximal in einer Light-Variante angewandt worden ist. Wir haben mit Bond jede Menge Möglichkeiten, wie wir Missionen angehen wollen, aber an die absolute Freiheit der „Hitman“-Teile kommt „First Light“ lange nicht ran. Das ist schade, denn ein James Bond, der zwischen den großartigen Story-Segmenten auch mal vollkommene Freiheit in einem riesigen Level bekommt, wäre eine große Chance gewesen.
Agent 47 kann sich gerade in den neueren „Hitman“-Teilen völlig frei durch Level bewegen, Verkleidungen nach Belieben wechseln und Gegner auf zig verschiedene Weisen ausschalten. Unser Bond hingegen kriegt dann doch oft einfach einen blauen leuchtenden Punkt, den er verfolgt, bis wir ans Ziel gelangen. In den Sandbox-Leveln sind es dann eben oft fünf Punkte, von denen wir uns einen aussuchen können. Das ist mehr, als die allermeisten Konkurrenten liefern – aber eben weniger, als IOI liefern kann. Abstriche, die nötig waren, um eine effektive und massentaugliche Story zu erzählen. Doch es bleibt das Gefühl: „007 First Light“ hätte das Zeug zu einem noch mutigeren Spiel gehabt, hätten uns die Entwickler weniger an die Hand genommen.
Am Ende des Tages liefert „007 First Light“ eine ganze Menge: eine tolle Story, dazu abwechslungsreiches Gameplay und Bond-Feeling pur. Das lohnt sich für jeden Fan von guten Videospiel-Geschichten und für Bond-Fanatiker gleich doppelt. Doch was ganz leise bei allem davon mitschwingt, ist die Frage: Was wäre, wenn …?
