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Startseite»Politik»50 Jahre Soweto-Aufstand: Der Anfang vom Ende der Apartheid
Politik

50 Jahre Soweto-Aufstand: Der Anfang vom Ende der Apartheid

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 16, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 16.06.2026 • 19:44 Uhr

Vor genau 50 Jahren gingen im südafrikanischen Township Soweto Tausende Schüler auf die Straße. Der Aufstand markierte einen Wendepunkt im Kampf der schwarzen Bevölkerungsmehrheit gegen das rassistische Apartheid-System.

Stephan Ueberbach

Soweto, südwestlich von Johannesburg gelegen, ist eines der größten Wohngebiete, die vor allem von Schwarzen bewohnt sind. Vor genau 50 Jahren, am 16. Juni 1976, protestieren hier Tausende Schülerinnen und Schüler gegen die Bildungspolitik des Apartheidregimes, gegen das rassistische Schulsystem, das schwarze Kinder bewusst benachteiligt.

Sie demonstrieren gegen eine Entscheidung der Regierung, wonach zentrale Schulfächer künftig auf Afrikaans unterrichtet werden müssen – der Sprache der weißen Minderheit und der Unterdrücker.

„Plötzlich eröffnete der Polizist das Feuer“

Polizei und Sicherheitskräfte versuchen, sie zu stoppen und gehen mit äußerster Brutalität gegen den Schulstreik vor. Tsietsi Mashinini war damals dabei.

„Ganz plötzlich stiegen sie aus ihren Fahrzeugen und kamen auf uns zu. Der erste weiße Polizist warf eine Tränengasgranate. Als wir sahen, dass Rauch aufstieg, liefen wir auseinander“, erinnerte sich der mittlerweile verstorbene Aktivist, einer der Anführer der Schüler.

„Danach kamen wir wieder zurück, weil wir dachten, sie würden vielleicht über einen Lautsprecher mit uns sprechen oder so etwas. Doch plötzlich eröffnete derselbe Polizist, der die Tränengasgranate geworfen hatte, das Feuer auf die Schüler“, so Mashinini.

„Das zentrale Ereignis im Kampf gegen Apartheid“

Die Sicherheitskräfte setzen Hunde ein, schießen in die Menge. Die Demonstranten werfen Steine, errichten Barrikaden. Die Lage eskaliert innerhalb kürzester Zeit.

Der 13-jährige Hector Pieterson wird als einer der ersten von einer Polizeikugel getroffen. Das Foto des sterbenden Schülers in den Armen eines jungen Mannes, daneben seine verzweifelte Schwester, geht um die Welt. In den Wochen und Monaten danach kommen bei Auseinandersetzungen Hunderte Menschen ums Leben.

Im Stadtviertel Orlando West erinnern eine Gedenkstätte für Hector Pieterson und ein Museum an die Ereignisse von damals. „Der Schüleraufstand von 1976 war das zentrale Ereignis im Kampf gegen die Apartheid“, erklärt Prince Dube, Chefkurator des Museums.

Diese Kinder brachen dem Apartheidstaat das Rückgrat. Erst dadurch entstand der internationale Druck auf die damalige südafrikanische Regierung, die Apartheid zu beenden.

Südafrika weiter tief gespalten

50 Jahre nach den Schülerprotesten ist Südafrika ein anderes, ein demokratisches Land. Aber haben sich die Hoffnungen der jungen Generation von damals erfüllt?

Höchstens zum Teil, sagt Pius Kashimba, der Touristen durch Johannesburg führt: „Der Traum ist nicht wahr geworden, weil wir gleichzeitig immer noch in einer, ich nenne es, ‚Apartheid in wirtschaftlicher Form‘ leben. Das bedeutet, dass die meisten Menschen weiter arbeitslos sind, dass viele junge Leute keine Jobs haben. Korruption und all die Dinge, die gerade passieren, haben dafür gesorgt, dass der Traum nicht Wirklichkeit geworden ist.“

Südafrika zählt bis heute zu den Ländern mit der tiefsten sozialen Spaltung weltweit. Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Ein Drittel der Menschen hat keinen Job, die Jugendarbeitslosigkeit ist fast doppelt so hoch.

Von gleichen Chancen im Bildungssystem des Landes kann keine Rede sein. Herkunft und Wohnort entscheiden über die Unterrichtsqualität. Öffentliche Schulen in meist von Schwarzen bewohnten Armenvierteln, Townships oder ländlichen Gegenden sind oft überfüllt und schlecht ausgestattet. In den teuren Privatschulen sieht das ganz anders aus – aber die kann sich längst nicht jeder leisten.

Von Unrechtsregime zu stabiler Demokratie

Zwar wächst am Kap inzwischen eine schwarze Mittelschicht heran, allerdings ist der Wohlstand mehr als 30 Jahre nach dem Ende der Apartheid ungleich verteilt. Das Gefühl, dass es auch im demokratischen Südafrika mit der Gerechtigkeit, mit der Chance auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe für alle nicht sonderlich weit her ist, wird von vielen Menschen im Land geteilt.

Wahr ist aber auch: Das Land hat gewaltige Veränderungen erlebt. Weg von einem rassistischen Unrechtsregime hin zu einer stabilen Demokratie.

Der Schüleraufstand von Soweto gilt heute als Anfang vom Ende der Apartheid. Peter Magubane, der als Fotojournalist den jahrzehntelangen Freiheitskampf bekannt gemacht hat, nennt den 16. Juni 1976 deshalb einen historischen Meilenstein: „Weil die Mauern der Apartheid zu bröckeln begannen.“ Seitdem sei Südafrika ein anderes Land.

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