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900 Punkte: Was bringt der perfekte Abi-Schnitt?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 18, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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900 PunkteWas bringt der perfekte Abi-Schnitt?

Alexander Jorias ist direkt nach der Zeugnisübergabe auf Asien-Reise gegangen. (Foto: picture alliance/dpa/Alexander Jorias)

KI als Nachhilfe, Tipps für bessere Noten und die Frage: Wie viel zählt ein perfektes Abitur wirklich? Alexander Jorias nutzt die Aufmerksamkeit durch sein Super-Abitur als Chance für die Zukunft.

900 von 900 Punkten – das perfekte Abitur. Doch Alexander Jorias sieht seinen Rekorderfolg nüchtern. „Das perfekte Abi selbst weiß ich auch nicht, wie viel das jetzt wirklich fürs Leben ausmacht“, sagt der 19-Jährige. Wertvoller sei für ihn die Aufmerksamkeit, die das Rekordergebnis ausgelöst habe. Seit seinem Abschluss ist das Interesse an seiner Person deutlich gestiegen. Medien berichteten über den Hessen mit dem perfekten Abitur.

Die Aufmerksamkeit sieht er als Chance. „Ich glaube, dass es quasi keine Situation im Leben gibt, wo das nicht irgendwie hilfreich sein kann.“ Es sei vorteilhaft, dass, wenn man ihn jetzt googele, man die Berichterstattung über ihn sehe.

Parallel zum Abitur hat sich Jorias auf Tiktok eine wachsende Community aufgebaut. Dort berichtet er über seinen Schulalltag, erklärt Lernmethoden und gibt Tipps für gute Noten. „Ich sehe TikTok eher so als Sprungbrett und ich finde es sehr cool, sich quasi eine Community aufzubauen, auch Tipps zu teilen. Aber ob man das jetzt als Vollzeitjob macht, weiß ich nicht“, sagt er. Nach seiner Asienreise, die er nach dem Abitur mit Freunden angetreten hat, zieht es den 19-Jährigen nach München. Dort will er Management and Technology studieren. Wie es danach weitergeht, möchte er bewusst offenlassen.

Besser geht’s nicht

Von Anfang an sei klar gewesen, dass das Abitur von Jorias so gut werde. „Ich habe immer im Hinterkopf den Gedanken gehabt, eigentlich, ich weiß irgendwie, dass es möglich ist“, sagt der 19-Jährige. Jorias hat im hessischen Abitur die maximale Punktzahl von 900 Punkten erreicht. Offiziell entspricht das der Abschlussnote 1,0 – besser kann ein Abiturzeugnis in Deutschland nicht ausfallen.

Rechnerisch liegt seine Leistung jedoch sogar über einer glatten 1,0. Die Erklärung: In der Oberstufe werden die klassischen Schulnoten durch ein Punktesystem von 0 bis 15 ersetzt. Dabei stehen 15 Punkte für die Bestnote 1+, 14 Punkte entsprechen einer 1,0, 13 Punkte einer 1- und so weiter. Wer in allen Kursen und Prüfungen die Höchstwertung von 15 Punkten erreicht, erzielt damit rechnerisch einen Durchschnitt von 0,6. Rechtlich existiert diese Note allerdings nicht. Die Abiturdurchschnittsnote endet bei 1,0. Deshalb wird auch ein perfektes Ergebnis von 900 Punkten auf dem Zeugnis stets als 1,0 ausgewiesen – auch bei Jorias.

Traurig ist er deswegen aber nicht. „Auf dem Zeugnis selbst stehen ja die 900 Punkte schon drauf, das ist okay“, sagt er. Es wäre aber schön gewesen, wenn man bei Bewerbungen die 0,6 angeben könnte. 2025 hatten 1118 von insgesamt 23.045 Abiturienten die 1,0 auf dem Abiturzeugnis stehen, wie das Hessische Bildungsministerium mitteilte. Wie viele Schülerinnen und Schüler die inoffizielle Bestnote 0,6 erreicht haben, ist nicht klar – davon gibt es keine Auswertung. Wie die Hessen in diesem Jahr abgeschnitten haben, wird vom Bildungsministerium erst im Laufe der aktuellen Sommerferien bekanntgegeben.

„Da hängt auch Glück dran“

Die Diskussion über unterschiedlich schwere Abiturprüfungen in den Bundesländern sieht Jorias gelassen. Auf seinem Account in den sozialen Medien kam es wohl schon öfter zu Kommentaren wie: „Das würde ich jetzt gerne mal in Bayern sehen“. Ob er dieselben 900 Punkte auch in Bayern erreicht hätte, lasse sich nicht einfach beantworten, er wüsste nicht einmal, ob er das gleiche Ergebnis nochmal in Hessen schaffen würde. „Da hängt auch Glück dran“, sagt er. Aber: „Ich glaube, auch in Bayern hätte ich ein sehr, sehr gutes Abi gemacht“.

Sein wichtigster Rat an Schülerinnen und Schüler hat wenig mit stundenlangem Pauken zu tun. Entscheidend sei die mündliche Mitarbeit gewesen. „Die mündlichen Noten sind eigentlich in den meisten Fächern 50 Prozent der Endnote.“ Wer sich regelmäßig beteilige, verstehe den Stoff besser und müsse vor Klausuren deutlich weniger lernen. Ganz ohne Glück gehe es trotzdem nicht. „Wenn die Lehrer keine 15 geben wollen, dann hat man die halt nicht.“

Bereits seit Beginn der Oberstufe nutzte der Abiturient Künstliche Intelligenz (KI) regelmäßig als persönlichen Nachhilfelehrer. Sie stelle Aufgaben, kontrolliere Lösungswege und simuliere mündliche Prüfungen. Trotzdem warnt er davor, sich zu sehr auf die Technik zu verlassen. „Manchmal kommt da auch Quatsch raus“, sagt er. „KI kann wie ein Nachhilfelehrer sein, kann dich wirklich kontrollieren, kann dich auch stärker fordern und auch individueller auf dich eingehen, als es ein Lehrer kann, weil der hat halt 20 Schüler oder so und KI ist ja nur one-on-one“, sagt Jorias. „Aber auf der anderen Seite hat man halt auch diese Gefahr, dass man wirklich ein bisschen verdummt.“

Quelle: ntv.de, Lea Winkler, dpa

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