Debakel bei KurskBei seiner übereilten Feuertaufe versagte Hitlers Panther

Im Juli 1943 wird der Panther erstmals an der Ostfront eingesetzt – und erlebt ein Debakel. Trotz gravierender Mängel zu Beginn entwickelt sich der deutsche Panzer im weiteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs zu einer gefürchteten Waffe. Sein ursprüngliches Ziel erreicht er jedoch nie.
Noch während die Schlacht von Kursk tobt, zieht Oberstleutnant Georg Ernst von Grundherr Mitte Juli 1943 eine ernüchternde Bilanz. In seinem Bericht über den ersten Fronteinsatz des Panthers im Zweiten Weltkrieg schreibt der Offizier beim Generalstab des Heeres von einem „anfänglich vollkommenen Versagen“ des neuen Kampfpanzers. Das Urteil wiegt schwer, schließlich ist der Panther ein Hoffnungsträger im Kampf gegen die Rote Armee.
Was von Grundherr nicht weiß: Der Panther wird seine missratene Feuertaufe überwinden. In den folgenden zwei Kriegsjahren wächst das Kettenfahrzeug mit dem Raubtiernamen zu einer gefürchteten Waffe an Ost- und Westfront heran. Manche Experten sehen in ihm sogar den besten Panzer des Zweiten Weltkriegs.
Auch der Historiker Roman Töppel bescheinigt dem Panther außergewöhnliche Qualitäten, verweist aber zugleich auf gravierende Schwächen. „Die größten Stärken des Panthers waren seine enorme Feuerkraft, die starke Frontpanzerung und die überragende Beweglichkeit“, sagt Töppel im Gespräch mit ntv.de. „Allerdings war er technisch auch sehr unausgereift und konnte sein Potenzial deshalb nur selten entfalten.“
Hitler greift in die Entwicklung ein
Die Entwicklung des Panthers geht zurück auf den „Panzerschock“ des Sommers 1941. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion trifft die Wehrmacht auf den robusten T-34, dem sie kaum etwas entgegenzusetzen hat. Die Rufe der Truppe nach einem neuen Standardpanzer werden immer lauter. Schließlich erhält MAN den Auftrag. Im Herbst 1942 liefert der Konzern die ersten beiden Prototypen aus. Adolf Hitler setzt große Hoffnungen in den Panther. Immer wieder greift der Diktator in die Entwicklung ein und drängt auf eine schnelle Einführung. Der Zeitdruck wird sich später rächen.
Anfang 1943 geht der Panzerkampfwagen V Panther in Serie. Auf dem Papier scheint er nahezu perfekt: Wie der T-34 besitzt der Panther schräg geneigte Panzerplatten, an denen feindliche Geschosse leichter abprallen. Das Fahrwerk mit seinen überlappend angeordneten Laufrädern sorgt für eine hohe Geländegängigkeit und ruhige Fahreigenschaften. Die 7,5-Zentimeter-Kanone kann feindliche Panzer noch auf Entfernungen von mehr als 2500 Metern wirksam bekämpfen. Im Gegensatz zur Vorderseite fällt die Panzerung an den Seiten allerdings deutlich schwächer aus.
Kaum laufen die ersten Exemplare vom Band, beginnt die Ernüchterung. Es kommt zu Motorbränden, Kraftstoffpumpen versagen, Antriebsräder brechen. Bereits fertige Exemplare müssen aufwendig umgebaut werden. Dadurch verzögert sich die Auslieferung an die Truppe. Erst wenige Tage vor Beginn der letzten deutschen Großoffensive im Osten erreichen die ersten 200 Panther die Front bei Kursk. Schon auf dem Anmarsch fallen 45 Fahrzeuge wegen Defekten aus, im Gefecht werden viele durch Treffer in die schwache Flanke ausgeschaltet. Nach gut einem Monat erbitterter Kämpfe sind am 11. August nur noch neun Panther voll einsatzfähig.
Panther bleibt reparaturanfällig
„Das Debüt des Panthers bei Kursk war ein Fehlschlag: Der Panzer war technisch unausgereift, weil er nicht ausreichend erprobt wurde“, betont Töppel. „Die Besatzungen waren unzureichend mit ihm vertraut. Zudem wurde er taktisch falsch eingesetzt, weil man seine Fähigkeiten überschätzte.“
Nach dem Debakel arbeiten die Ingenieure fieberhaft daran, die Mängel zu beseitigen. Allerdings bleibt das Fahrzeug reparaturanfällig, vor allem der Motor ist ein ständiger Schwachpunkt. „Von den Panthern einer Fronteinheit standen meistens drei Viertel in der Werkstatt, nur ein Viertel war einsatzbereit“, so Töppel. Doch langsam beginnen die Verbesserungen zu wirken. Monate nach seiner Feuertaufe hat der Panzer seine gröbsten Kinderkrankheiten überwunden.
Funktioniert der Panther wie vorgesehen, spielt er seine Stärken aus. Bei Feuerkraft und Frontpanzerung ist er allen feindlichen Modellen überlegen. Erst der sowjetische IS-2 und der US-amerikanische M36 Jackson können ihm ab der zweiten Jahreshälfte 1944 im direkten Duell gefährlich werden.
Gut 6000 Fahrzeuge werden produziert
Insgesamt verlassen etwa 6000 Panther die Werkhallen. Damit ist er nach dem Sturmgeschütz III und dem Panzer IV das drittmeistgebaute deutsche Panzerfahrzeug. Trotz der Produktionszahlen bleibt das ursprüngliche Ziel unerreicht. Der Wunsch, den Panther als neuen Standardpanzer zu etablieren, erfüllt sich nicht – alliierte Bombenangriffe, technische Mängel und Materialknappheit beeinträchtigen die Fertigung.
Ganz vorbei ist die Geschichte des Panthers mit Kriegsende jedoch nicht. Frankreich, Bulgarien und Rumänien stellen Dutzende erbeutete Fahrzeuge in Dienst. Paris rüstet sogar ein ganzes Panzerregiment aus, das bis etwa 1950 aktiv ist. So bleibt ausgerechnet jener Panzer über 1945 hinaus im Einsatz, dessen erster Fronteinsatz als „Versagen“ in die Akten eingeht.
