In Marl prallen in der NRW-AfD das moderate Lager und der völkische Flügel bei der Listenaufstellung zur Landtagswahl aufeinander. Der Bundesvorstand hatte den Abbruch verlangt. Jetzt ist der Parteitag zu Ende gegangen.
„Martin, Martin“, skandierten die rund 350 Delegierten zum Abschluss. Es ist das unspektakuläre Ende einer spektakulären Listenaufstellung. Was eigentlich Parteiroutine ist, geriet in der AfD in Marl zum öffentlichen Flügelkampf. Der Versuch des völkischen Lagers um den Dortmunder Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich, die Listenaufstellung zu blockieren, ist abgewendet.
Der Vorsitzende der AfD-NRW Martin Vincentz auf dem Parteitag in Marl.
Am Samstagnachmittag hat der NRW-Landesverband die Wahl zu den Plätzen abgeschlossen, ohne weitere Störfeuer. 82 Plätze umfasst die Kandidatenliste für die Landtagswahl, Landeschef Martin Vincentz führt sie als Spitzenkandidat an. Die Partei rechnet sich bei der Landtagswahl im April nächstes Jahr Chancen aus, ihre bisherige Fraktion deutlich zu vergrößern.
Die Landesliste, die überwiegend von Leuten aus dem gemäßigten Lager besetzt ist, will der Landesvorstand dann so schnell wie möglich an die Landeswahlleitung übergeben. Im NRW-Innenministerium wird man dann prüfen, ob sie tatsächlich Bestand hat und die Partei zur Landtagswahl im April 2027 zugelassen wird.
Turbulente AfD-Listenaufstellung in Marl
Der Bundesvorstand der AfD um die Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla hatte in einem Brief den Abbruch der Aufstellung verlangt, weil angeblich Parteimitglieder bedroht worden seien.
Am Samstag, so ist es aus Parteikreisen zu hören, schweigt die Parteispitze bislang. Es gibt bisher keine Anzeichen, dass sie den Landesvorstand um NRW-Chef Vincentz des Amtes entheben könnte. Die Parteiführung hat womöglich erkannt, dass im Falle einer weiteren Eskalation der Totalschaden droht.
Die AfD, die eigentlich derzeit auf einer Erfolgswelle der Zustimmung reitet, könnte vor einem Scherbenhaufen stehen, falls sie wegen der Querelen bei der Landtagswahl im größten Bundesland nicht antreten kann.
Gesucht wird ein gesichtswahrender Ausgang
Hintergrund der ungewöhnlich scharfen Konfrontation auf öffentlicher Bühne ist ein schon lange währender Richtungskampf zwischen dem moderaten Lager um Parteichef Vincentz und dem völkischen Flügel, mit dem auch Mitglieder der Landtagsfraktion sympathisieren.
Bislang hat das Vincentz-Lager aber die Mehrheit. Wie der Streit ausgeht, dürfte auch darüber entscheiden, wie der Verfassungsschutz in NRW auf die AfD blickt. Bislang wird sie an Rhein und Ruhr nicht von der Behörde beobachtet, sollte das extreme Lager die Oberhand gewinnen, dürfte sich das nach Einschätzung von Beobachtern ändern.
Bundesvorstand tagt am Montag
Der Machtkampf zwischen dem NRW-Landesvorsitzenden Martin Vincentz auf der einen und Alice Weidel und weiteren Mitgliedern des Bundesvorstands auf der anderen Seite schwelt weiter. Am Montag tagt der Bundesvorstand der AfD, er wird sich erneut mit dem Thema befassen.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter beim Parteitag der NRW-AfD
- Eigene Berichterstattung
Sendung: WDR.de, Die AfD setzt ihren Listenparteitag in Marl fort, 18.07.2026, 13:13 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 17.07.2026, 16 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 17.07.2026, 18:45 Uhr
