Der Chefposten in der Unionsfraktion muss neu besetzt werden. Kanzler Merz will offenbar keine Zeit verlieren – und die Personalie Medienberichten zufolge noch vor Beginn der Urlaubszeit klären. Es gibt mehrere potenzielle Kandidaten.
Nach der Maskenaffäre hatte sich Jens Spahn noch einmal gefangen, jetzt brachte ihn eine private Entscheidung zu Fall. Er und sein Mann hatten sich entschieden mit Hilfe einer Leihmutter aus den USA Eltern zu werden. In Deutschland ist Leihmutterschaft nicht erlaubt – und Spahns Partei strikt gegen eine Legalisierung. Auch er selbst hatte sich in der Vergangenheit dagegen ausgesprochen.
Der Druck auf den 46-jährigen CDU-Politiker war in den vergangenen Tagen immer weiter gewachsen, auch in der eigenen Partei. Jetzt hat er seinen Rücktritt erklärt. Die Union steht also erstmal ohne Fraktionschef da und muss sich um eine Nachfolge kümmern. Wer kommt für den Posten in Frage?
Thorsten Frei, Kanzleramtschef (CDU)
Er gilt als ein Top-Kandidat für die Fraktionsspitze. Frei war in der vergangenen Legislaturperiode Parlamentarischer Geschäftsführer an der Seite des damaligen Fraktionschefs Friedrich Merz. Nach der gewonnenen Bundestagswahl nahm der ihn mit ins Kanzleramt.
Frei ließ aber damals schon durchblicken, dass er gerne Unionsfraktionschef geworden wäre. Sollte er das Amt übernehmen, müsste sich Merz einen neuen Kanzleramtschef suchen.
Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister (CSU)
Dobrindt hat bereits Erfahrung in der Führung einer Fraktion. Er war acht Jahre lang Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag, unter anderem in der Zeit der schwarz-roten Koalition von Angela Merkel. Er war bereits CSU-Generalsekretär, Bundesverkehrsminister und ist seit Mai 2025 Innenminister in der aktuellen Bundesregierung und würde mit einem Wechsel auch eine große Lücke reißen.
Carsten Linnemann, Generalsekretär (CDU)
Von 2022 bis 2024 war er stellvertretender Parteivorsitzender der CDU. Seit Juli 2023 ist er Generalsekretär der Partei. Merz hatte ihm nach eigener Aussage angeboten, Mitglied im Kabinett zu werden, Linnemann habe sich aber dagegen entschieden. In einer Mitteilung nennt ihn die Partei einen „Antreiber, Erklärer und Impulsgeber“.
Nina Warken, Bundesgesundheitsministerin (CDU)
Warken ist Mitglieder der Frauen Union und seit Mai 2025 Bundesgesundheitsministerin. Davor war sie Generalsekretärin der CDU in Baden-Württemberg. Aktuell ist sie vor allem wegen der Reformen und Kürzungen im Gesundheitswesen im Fokus.
Kanzler Merz bescheinigte ihr in dem Zusammenhang Mut, Augenmaß und Empathie. Auch bei Warken müsste ein Ministerposten neu besetzt werden, würde sie an die Fraktionsspitze wechseln.
Michael Brand, Parlamentarischer Staatssekretär im Familienministerium (CDU)
Laut Bild-Zeitung ist auch er im Rennen um den Posten des Fraktionsvorsitzes. Derzeit ist er Parlamentarischer Staatssekretär im Familienministerium. Auf seiner Internetseite schreibt Brand, er sei von Merz damals gefragt worden, den Posten im Ministerium zu übernehmen. Vor dem Rücktritt hatte er Spahn einen „moralisch klaren Rechtsbruch“ vorgeworfen und von einer „echten Zumutung“ gesprochen.
Günter Krings, stellvertretender Unionsfraktionschef (CDU)
Nach einem Bericht des Spiegel könnte Krings möglicher Nachfolger von Frei im Kanzleramt werden. Offenbar wird er aber auch als möglicher Fraktionschef gehandelt. Derzeit ist er stellvertretender Unionsfraktionschef. Im Dezember 2025 kandidierte er als Wunschkandidat von Kanzler Merz für den Vorsitz der Konrad-Adenauer-Stiftung. Er scheiterte aber in einer Kampfabstimmung an Annegret Kramp-Karrenbauer.
