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Startseite»Politik»Putin reist nach China: Ein Besuch unter Freunden
Politik

Putin reist nach China: Ein Besuch unter Freunden

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 19, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 19.05.2026 • 07:41 Uhr

Russlands Präsident Putin wird zu einem zweitägigen Staatsbesuch in China erwartet. Beim Treffen mit Staatspräsident Xi dürfte erneut die „grenzenlose Freundschaft“ bekräftigt werden. Beide Seiten brauchen einander.

Von Maximilian Seib, ARD-Studio Peking

Zu Besuch im ältesten russischen Restaurant in der chinesischen Hauptstadt Peking. Zwei Russinnen in traditionellen Gewändern spielen auf. Der Raum sieht aus wie ein Salon im Zarenreich: opulente Kronleuchter, schwere rot-goldene Vorhänge, große Bilder in Goldrahmen an den Wänden. Seit mehr als 60 Jahren gibt es das Restaurant Moskau. Besitzer ist allerdings das staatliche chinesische Tourismusbüro. Und auch die Gäste hier: ausschließlich Chinesen, die sich an russischem Essen oder russischer Stimmung erfreuen.

Unter ihnen eine Gruppe junger Filmstudenten. Einer von ihn erzählt, die Beziehung zwischen China und Russland würde immer besser werden. Die beiden Staatschefs Xi Jinping und Wladimir Putin würden bei ihren regelmäßigen Treffen nicht nur politische Fragen diskutieren. Er erinnere sich auch an Szenen aus den Nachrichten, als beide zusammen kochten und Ideen über Essen und Kultur der beiden Länder miteinander teilten. Als er das sah, wollte er auch russisches Essen probieren, so der Student.

Zwei, die voneinander profitieren

Russland – das ist für viele Chinesinnen und Chinesen längst ein wichtiger Partner. Vorgelebt wird das von den beiden Staatschefs. Die Beziehung zwischen Xi und Putin trägt seit mehr als vier Jahren das Label „grenzenlose Freundschaft“. Verkündet wenige Wochen, bevor Russland die Ukraine überfiel. Eine Invasion, die China bis heute nicht verurteilt hat.

Die beiden Seiten sind seither noch enger zusammengewachsen, gerade wirtschaftlich. China kauft große Mengen an Öl und Gas, die Russland nicht mehr an den Westen liefern kann. Und das zu stark vergünstigten Preisen. Dazu liefert China vieles, was Russland durch die Sanktionen des Westens aktuell nur schwer bekommt: Autos, Maschinen, Elektronik, Computerchips.

„Die russische Wirtschaft, die so sehr unter Druck ist gegenüber dem Westen, profitiert enorm davon“, sagt Bernhard Bartsch von der Forschungseinrichtung Mercator Institute for China Studies (MERICS) in Berlin. Gerade sogenannte Dual Use Güter, die sowohl zivil als auch militärisch wichtig sind, beziehe Russland in den vergangenen Jahren zunehmend von China.

Peking betont zwar immer wieder, es liefere keine Waffen an Russland, nur zivile Produkte. In der Praxis verschwimmen die Grenzen: Ein Chip, der in einem Laptop steckt, kann auch in einer Drohne verbaut werden.

„China möchte nicht, dass Russland als Verlierer aus Ukraine-Krieg hervorgeht“

Der Ukraine-Krieg wird Thema sein zwischen Xi und Putin. Auf Schützenhilfe aus Peking bräuchten die Ukraine und der Westen aber nicht zu hoffen, so Bartsch vom MERICS: „China möchte nicht, dass Russland als Verlierer aus diesem Krieg hervorgeht. Insofern habe ich keinerlei Erwartung, dass China irgendwie seine Unterstützung für Russland zurückfährt oder das groß zu einem Thema machen wird.“

Aus Peking heißt es vor dem Treffen, die Zusammenarbeit zwischen China und Russland solle weiter ausgebaut werden. Guo Jiakun, Sprecher des chinesischen Außenministeriums, erklärte, beide Seiten würden dies als Gelegenheit nutzen, die chinesisch-russischen Beziehungen kontinuierlich auf eine tiefere Ebene und auf ein höheres Niveau zu heben.

Viel Pomp wohl nicht nötig

Der Besuch von US-Präsident Donald Trump wird ebenfalls Thema zwischen Xi und dem russischen Staatschef sein. Beobachter sind sich sicher: Putin wird deutlich weniger Pomp bekommen als Trump. Doch für Bartsch sagt das wenig aus.

Putin hat von China in der Vergangenheit viel größere Vertrauensbeweise bekommen. Beide haben wechselseitig an ihren großen Paraden im letzten Jahr teilgenommen. Im Vergleich dazu sind ein paar Blumenkinder, die Trump jetzt bekommen hat, eigentlich relativ billiges Fernsehen. Wo, so würde ich es mir vorstellen, Putin und Xi ein bisschen belustigt darüber sein werden, dass man Trump mit solchen einfachen Tricks eingefangen bekommt.

China hat geopolitisch vor allem ein langfristiges Ziel: Die bisher von den USA dominierte Weltordnung ein Stück weit neu zu ordnen. Russland ist auf diesem Weg als wichtiger Partner vorgesehen.

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