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Startseite»Politik»Das Kreuz mit den Kreuzfahrtschiffen in Barcelona
Politik

Das Kreuz mit den Kreuzfahrtschiffen in Barcelona

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 19, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 19.05.2026 • 15:07 Uhr

Für die einen sind sie der Inbegriff luxuriöser Ferien, für die anderen Ausdruck des Phänomens Overtourism: Kreuzfahrtschiffe. Barcelona schränkt den Verkehr zunehmend ein – mit mäßigem Erfolg.

Von Julia Macher, ARD Madrid

Kaum ein Thema spaltet Barcelona so sehr wie der Kreuzfahrttourismus. Regelmäßig rufen Bürgerinitiativen zu Demonstrationen gegen die schwimmenden Hotels auf. Knapp 850 Kreuzfahrtschiffe steuerten die Mittelmeermetropole im letzten Jahr an. Schätzungen zufolge pusteten sie dabei etwa doppelt so viel Schadstoffe in die Luft wie die 220.000-Einwohner-Stadt Sabadell.

Ein Skandal, sagt Joan Manel de Llanos vom Bündnis Zeroport: „Wenn es nach uns ginge, würden wir die Aktivität abschaffen: Das sind Monster, die da am Hafen liegen. Sie verschmutzen die Luft und das Meer, bringen Müll in die Stadt und sorgen für soziale Spannungen.“

Begrenzung auf 31.000 Passagiere pro Tag

Um die Schadstoffbelastung zu verringern, hat Barcelona bereits 2018 die Schiffe aus den innerstädtischen Häfen an den Stadtrand verbannt und die maximale Zahl der Passagiere pro Tag beschränkt – auf derzeit 31.000. Mitte Mai kündigte Bürgermeister Jaume Collboni weitere Restriktionen an: An den derzeit sieben Terminals sollen nur noch Schiffe anlegen dürfen, die Barcelona als Start- oder Zielhafen haben.

Collboni erklärt: „Mein Ziel ist es, in den nächsten Jahren die Zahl der Kreuzfahrtschiffe, die in Barcelona nur Zwischenstation machen, auf Null zu reduzieren.“ Zudem solle die Kurtaxe bereits ab nächstem Jahr von vier auf acht Euro pro Tag erhöht werden.

„Wer hier nur Station macht, soll noch mehr zahlen. So wollen wir das Geschäft mit den Kreuzfahrtschiffen, die hier nur kurz sind, unattraktiv machen. Denn dieser Tourismus nutzt die Stadt intensiv, aber lässt kaum Geld zurück“, so Collboni.

Kreuzfahrttouristen sorgen für Umsätze

Während Tagesbesucher lediglich 60 bis 70 Euro ausgeben, lassen Passagiere, die zu Beginn oder Ende des Urlaubs auf See ein Hotelzimmer buchen, 230 Euro in der Stadt. Die Stadt präsentiert die Maßnahmen als Förderung des Qualitätstourismus – und Kampfansage an den Massentourismus.

Das Hafenkonsortium Port de Barcelona kontert: Die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe machten ohnehin nur fünf Prozent des Besuchervolumens aus, trügen aber doppelt so viel zu den touristischen Einnahmen bei, nämlich gut 2,3 Millionen Euro täglich. Darauf will auch der Einzelhandel nicht verzichten.

„An den zwei Tagen, an denen keine Kreuzfahrtschiffe am Hafen liegen, gehen unsere Umsätze um 60 Prozent zurück“, erzählt ein Souvenirhändler an den Ramblas im spanischen Fernsehen.

Zweifel an Umsetzung der Restriktionen

Auch Zeroport kritisiert den Vorstoß aus dem Rathaus. De Llanos spricht von einem scheinheiligen Manöver: „Die angeblichen Restriktionen sind eine urbane Legende. Barcelona hat weder die Aufnahme von Passagieren beschränkt, noch sonst etwas für den Rückbau unternommen.“ Die maximale Passagierzahl von zunächst 36.000 und jetzt 31.000 Menschen liege deutlich über der aktuellen Kapazität von 24.000.

Kreuzfahrten, die von Barcelona aus starten, seien auch nicht besser, so de Llanos. „Die Schiffe sind größer und die Passagiere reisen per Flugzeug an, vor allem aus den USA und Asien. Diese Märkte will man erobern. Das ist die Strategie dahinter.“

Im Frühsommer will die Initiative erneut gegen die Riesenschiffe demonstrieren.

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