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Startseite»Politik»Mehr als 15.000 Verstöße gegen Jugendschutz im Netz gemeldet
Politik

Mehr als 15.000 Verstöße gegen Jugendschutz im Netz gemeldet

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 19, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 19.05.2026 • 15:50 Uhr

Missbrauchsdarstellungen, Cybermobbing oder politischer Extremismus – Kinder und Jugendliche sind im Netz besonders gefährdet. Und Künstliche Intelligenz verschärft die Risiken massiv, so der Jahresbericht von jugendschutz.net.

Die von Bund und Ländern finanzierte Plattform jugendschutz.net hat allein im vergangenen Jahr 15.099 Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen im Internet registriert.

In den meisten Fällen ging es dabei um Missbrauchsdarstellungen von Kindern (12.334 Fälle) und Jugendpornografie (1.091 Fälle), wie aus dem Jahresbericht der Stelle hervorgeht, der in Berlin vorgestellt wurde. Andere Bereiche wie politischer Extremismus, Cybermobbing, Pornografie oder Gewalt machten einen vergleichsweise geringen Anteil der entdeckten Verstöße aus.

In 96 Prozent der Fälle (14.520) konnte den Angaben zufolge bei den Anbietern die Entfernung der Verstöße erreicht werden. In fast 6.500 Fällen seien unmittelbar die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet worden.

Gesamtzahl geht zurück – Aussagekraft gering

Im Vergleich zum Vorjahr (17.630 Fälle) ging die Gesamtzahl zwar zurück. Es wird aber darauf hingewiesen, dass die Zahl unter anderem von der Meldebereitschaft abhängt. So gibt es auf jugendschutz.net ein Online-Formular, über das Nutzerinnen und Nutzer Missbrauchsdarstellungen oder andere Verstöße auf Webseiten oder auf Social Media melden können. „Auf Basis der jährlichen Zahlen lassen sich daher nur bedingt Aussagen zur Verschärfung oder Verbesserung von Gefahrenlagen treffen“, heißt es in dem Bericht.

Das Kompetenzzentrum von Bund, Ländern und Landesmedienanstalten durchsucht Internet und Social-Media-Plattformen nach Gefahren für junge Nutzende. Dabei helfen Hinweise über sein Beschwerdeportal und auch von Partnerorganisationen aus dem Ausland. In den Blick genommen werden auch Online-Angebote mit Kostenfallen, ungeeigneter Werbung oder möglichen Verletzungen von Persönlichkeitsrechten von Minderjährigen.

„Anbieter schaffen immer neue Einfallstore“

Die Stelle schaut sich zudem an, welche Schutzvorkehrungen Anbieter von Online-Spielen oder Dienste wie Instagram, YouTube und TikTok treffen. Hier geht es etwa um Einstellungen, mit denen eine ungefragte Kontaktaufnahme durch Fremde verhindert wird oder um die Anbieter-eigenen Meldesysteme.

Der Leiter von jugendschutz.net, Stefan Glaser, kritisierte: „Statt wirksame Schutzvorkehrungen zu treffen, schaffen die Anbieter immer neue Einfallstore und bauen ihre manipulativen Geschäftsmodelle weiter aus.“ Auch Karin Prien, Bundesministerin für Bildung und Jugend, sagte, viele Anbieter täten noch immer zu wenig für Kinder- und Jugendschutz. Es sei nicht Schuld des einzelnen Kindes mit sexueller Gewalt oder politischem Extremismus online in Kontakt zu kommen – das sei die Verantwortung der Plattformen, betonte die CDU-Politikerin.

Da digitale Angebote und KI-Programme für junge Menschen immer bedeutsamer würden, müssten „Sicherheit, Schutz und klare Regeln endlich mit der technologischen Entwicklung Schritt halten“, so Prien. „Die erneut alarmierenden Zahlen zeigen, wie weit wir noch davon entfernt sind, Kindern und Jugendlichen eine sichere und unbeschwerte Teilhabe an der digitalen Welt zu ermöglichen.“

Besondere Gefahren durch Künstliche Intelligenz

Besonders im Bereich Künstlicher Intelligenz rase die Entwicklung. Glaser nannte Chat-Roboter, die inzwischen die Funktion emotionaler Sparringspartner erfüllten. „Damit verbundene parasoziale Beziehungen verzerren die Realität und erschweren die Einordnung, was künstlich und was echt ist.“ In seinem Jahresbericht lenkt jugendschutz.net den Blick insbesondere auf folgende Gefahren:

Sogenannte Charakter-Bots sind frei gestaltbaren KI-Gesprächspartner, die zunehmend echt wirkten. „Sie beraten, coachen oder simulieren Beziehungen“, so der Bericht. Durch lückenhafte Filter und unzureichende Sicherheitseinstellungen besteht demnach die Gefahr, dass solche Roboter auch sexuelle Handlungen mit Minderjährigen beschreiben oder die Rolle von Minderjährigen einnehmen, „die sexualisiert agieren“.

KI-Profile auf Social-Media-Plattformen werden als „Einfallstor für Risiken“ bezeichnet. Schon in einer früheren Veröffentlichung von jugendschutz.net hieß es: Verschiedene Anbieter trainierten KI darauf, menschliches Verhalten in den Sozialen Medien zu imitieren. Das solle die Angebote interessanter machen und Nutzende dazu verleiten, mehr Zeit in den Diensten zu verbringen.

Hinzu kommen „KI-Influencer“, die Perfektion als Maßstab setzten, mit negativen Folgen für das Selbstbild von Minderjährigen. Oder „KI-Models“, die „übernatürlich schöne Körper“ zeigten und „die vor allem in der Masse negativen Einfluss auf die eigene Körperwahrnehmung von Kindern und Jugendlichen ausüben“.

Jugendschutz.net warnt darüber hinaus vor einer Verherrlichung von Essstörungen und vor Verharmlosung von Magersucht und Bulimie durch Videos unter dem Hashtag „Skinnytok“ bei TikTok, in denen dünn sein idealisiert wird.

Die Jugendschützer nehmen auch die Plattform Discord ins Visier, wo sich Leute in Chaträumen zu den unterschiedlichsten Themen austauschen. Es handele sich um einen „Umschlagplatz für viele rechtsextreme, menschenfeindliche und gewaltverherrlichende Inhalte“. Dazu gehörten NS-Propaganda, Hass gegen Minderheiten sowie drastische Gewaltvideos. Bestimmte Chaträume konfrontierten junge Menschen „humoristisch oder strategisch verschleiert“, beiläufig mit entsprechenden Inhalten und beeinflussten ihre Weltsicht. Die Moderation sei oft unzureichend, Meldungen führten nicht zeitnah zur Löschung.

Mit Informationen von Birthe Sönnichsen, ARD-Hauptstadtstudio

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