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Slow-Food-Gründer Petrini gestorben | tagesschau.de

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 22, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.05.2026 • 15:57 Uhr

1986 hatte Carlo Petrini seine Bewegung aus Protest gegen eine Fast-Food-Kette gegründet. Heute ist sein Ansatz, beim Essen auf Nachhaltigkeit und Tradition zu achten, weltweit populär. Nun starb der Erfinder des Slow Food mit 76 Jahren.

Anna Giordano

Alles begann hier, an einem der heute touristischsten Orte Roms: Im Jahr 1986 organisierte Carlo Petrini einen Protest gegen die Eröffnung der ersten McDonald’s-Filiale an der Spanischen Treppe. An die Anwesenden wurden Makkaroni verteilt, um ein Zeichen gegen die Burger der Fast-Food-Kette zu setzen. Entsprechend nannte Carlo Petrini seine Bewegung, die heute weltweit aktiv ist, Slow Food. Im Jahr 2013 erklärte er dazu rückblickend:

Die Bewegung ist entstanden mit dem Ziel, das kulinarische Erbe zu verteidigen, das Ausdruck der Regionen und der verschiedenen Kulturen ist.

Essen war für Petrini auch politisch

Slow Food bedeutet nicht nur, dass Essen in Ruhe und mit Genuss am Tisch stattfinden soll, statt hektisch und unterwegs. Sondern auch, dass man Lebensmittel nicht losgelöst von ihrer Herkunft betrachten kann. Dass Essen auch politisch ist. Immer wieder hat Carlo Petrini das betont.

„Das Essen, das mir am meisten schmeckt, ist die Neugier. Also erkennen, verstehen, dass hinter dem Essen eine Gemeinschaft steckt, Menschen, Landschaften, Geschichte“, sagte er 2015 in einem Interview. Das sei das Leckerste am Essen.

Gut, sauber, fair – Petrinis Leitmotiv

„Buono, pulito e giusto“, also gut, sauber und fair – das war das Leitmotiv seiner Slow-Food-Bewegung, die mittlerweile in über 160 Ländern weltweit aktiv ist: Das bedeutet: Lebensmittel müssen gut schmecken, sie müssen ökologisch und sauber produziert sein, die Erzeuger müssen fair dafür bezahlt werden.

Was Petrini am meisten kritisierte, war nicht das schlechte Essen an sich, sondern dass es meist die Folge der wirtschaftlichen Systeme dahinter sei: „Das Ziel unserer Bemühungen darf nicht unendliches wirtschaftliches Wachstum sein“, sagte er. „Sondern es muss dahin führen, dass wir mehr in Harmonie mit der Natur leben, dass wir die Ökosysteme nicht zerstören, die Mutter Erde – das ist die logischste Wirtschaft, die der Mensch anwenden sollte.“

Kritik am Greenwashing

Carlo Petrini war ein Vorreiter der Nachhaltigkeit. Er kritisierte zugleich aber auch den Missbrauch dieses Wortes und verurteilte Tendenzen wie Greenwashing. Seine Visionen machte er konkret: 2004 gründete er in seiner Heimatregion Piemont die erste Universität für gastronomische Wissenschaften – eine Einrichtung, auf die er rückblickend besonders stolz sei, wie er in seinem letzten Interview mit der Tageszeitung Corriere della Sera vor sechs Monaten verriet.

Ebenfalls im Jahr 2004 rief Petrini „Terra Madre“ ins Leben, ein globales Netzwerk, das Erzeuger, Bauern, Fischer und Köche zusammenbringt, um den großen Lebensmittelkonzernen eine Stimme entgegenzusetzen. „Wir haben den Sinn dafür verloren, dass die Biodiversität sich erhält, wenn man die vielen kleinen Bauern und Produzenten schützt“, sagte er.

Verbindungen auch zum Papst

Petrini hatte großen Einfluss darauf, dass heute in vielen Ländern auf eine bessere Ernährung geachtet wird. Sein Buch, ebenfalls mit dem Titel „Terra Madre“, aus dem Jahr 2011 verkaufte sich gut, auch Papst Franziskus bekam es in die Hände, und er bat Carlo Petrini daraufhin, ein Vorwort für die Buch-Ausgabe seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“ zu schreiben. Als gläubig hat sich Petrini aber selbst nie bezeichnet.

In seinem letzten Interview mit dem Corriere della Sera wurde er gefragt ob er manchmal an sein Ende denke. Darauf sagte er, ja, das tue er. Und er hoffe, dass er die Basis dafür gelegt habe, dass die Arbeit weitergehe.

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Dr. Heinrich Krämer
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