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Geschäft mit der Sucht?: Forscher: Fußball-WM ist für Wettbranche wie 13. Gehalt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 27, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Geschäft mit der Sucht?Forscher: Fußball-WM ist für Wettbranche wie 13. Gehalt

Laut des Jahresberichts der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder hatten 32 Veranstalter im Jahr 2024 eine Erlaubnis für die Veranstaltung und Vermittlung von Sportwetten (Symbolbild). (Foto: picture alliance/dpa)

Wer gewinnt, wer wird Torschützenkönig? Die Sportwettenbranche schätzt, dass in Deutschland knapp eine Milliarde Euro auf die WM gesetzt werden. Die Wettprogramme sind hierzulande streng limitiert. Doch der Suchtbeauftragte der Bundesregierung warnt.

Bei den Buchmachern gibt es keinen Zweifel: Deutschland ist zum WM-Auftakt gegen Curacao klarer Favorit. Einige Wettanbieter zahlen bei einem Einsatz von 10 Euro bis zu 500 Euro aus, falls der krasse Außenseiter die Sensation schafft und gewinnt. Spanien und Frankreich haben den Quoten zufolge die besten Chancen, am Ende des XXL-Turniers den Pokal in die Luft zu stemmen. Und wer Kylian Mbappé und Harry Kane als Torschützenkönig tippt, muss mit einem vergleichsweise geringen Gewinn rechnen.

Rund zwei Wochen vor WM-Start locken die Portale mit Wettangeboten. „Die Fußball-WM 2026 ist für die Sportwettenbranche das wichtigste Ereignis des Jahres. Die Vielzahl an Spielen, die internationale Aufmerksamkeit und das gesteigerte Interesse der Fans führen zu deutlich höherer Aktivität als im regulären Ligabetrieb. Große Turniere wirken für die Branche häufig wie ein zusätzlicher Umsatzmonat“, sagte Präsident Mathias Dahms vom Deutschen Sportwettenverband (DSWV) der dpa.

Rund 1,2 Millionen Menschen in Deutschland zwischen 18 und 70 Jahren leiden an einer glücksspielbezogenen Störung, wie der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Hendrik Streeck, der dpa mitteilte. Eine genaue Zahl nur für Sportwetten gebe es nicht.

Der DSWV schätzt, dass in Deutschland knapp eine Milliarde Euro auf die WM gesetzt werden. „Davon dürften etwa 600 bis 700 Millionen Euro im regulierten Markt platziert werden, weitere 300 bis 400 Millionen Euro hingegen im Schwarzmarkt. Das zeigt: Wir haben weiterhin ein erhebliches Problem mit illegalen Angeboten“, sagte Dahms.

Als Grund nannte der DSWV-Präsident, dass das legale Angebot in Deutschland im internationalen Vergleich sehr restriktiv sei. „Etwa durch Einschränkungen bei beliebten Wettarten: So ist zum Beispiel die Live-Wette ‚Schießt Spieler X noch ein Tor?‘ in Deutschland durch die staatliche Regulierung verboten.“

Fast zwei Milliarden Euro Verlust

Laut des Jahresberichts der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder hatten 32 Veranstalter im Jahr 2024 eine Erlaubnis für die Veranstaltung und Vermittlung von Sportwetten. Die Bruttospielerträge beliefen sich auf knapp zwei Milliarden Euro. „Diese Kennzahl entspricht den Gesamtverlusten aller Wettenden. Das macht unter den Bruttospielerträgen auf dem regulierten Glücksspielmarkt in Deutschland einen Anteil von 14 Prozent aus“, erklärte Glücksspielforscher Tobias Hayer von der Uni Bremen. Eine Fußball-WM sei wie ein 13. Monatsgehalt für die Wettbranche.

Zu den führenden Anbietern in Deutschland gehört neben Bwin oder Bet365 auch Tipico. Bei der WM seien Ergebniswetten oder Torwetten (Anzahl) besonders beliebt. „Darüber hinaus tippen viele in Langzeitwetten auch schon früh auf den möglichen Weltmeister, den Torschützenkönig oder das Abschneiden einzelner Nationalteams“, teilte ein Sprecher mit. Der Wettanbieter will alle WM-Spiele im kostenlosen Livestream zeigen und lockt damit weitere Kunden an.

Im Gegensatz zu anderen Ländern sind Wettprogramme in Deutschland streng limitiert. „Hierzulande sind ausschließlich Wetten auf sportliche Ereignisse erlaubt“, hieß es weiter. Auf die Frisur von Cristiano Ronaldo können Nutzer also beispielsweise kein Geld setzen. Anders ist es in den USA, wie ein Blick auf die NFL-Spiele zeigt. Dort wurden etwa schon Wetten zum Lippenstift von Taylor Swift oder dem Getränk von Travis Kelce platziert.

Sportwettanbieter im Fußball sind omnipräsent. So ist das „Tipico Topspiel der Woche“ der offizielle Sponsoring-Name für das Bundesliga-Spiel am Samstag beim Pay-TV-Sender Sky. Borussia Dortmund hat eine Partnerschaft mit Bwin. Der Anbieter Betano ist offizieller WM-Partner der FIFA.

„Problematisch ist, wenn Fußball, Emotion und Wetteinsatz so eng miteinander verbunden werden, dass gerade junge Menschen den Eindruck bekommen, Wetten gehörten selbstverständlich zum Spiel dazu. Sportwetten sind kein harmloser Nervenkitzel“, warnte Streeck. Sie könnten süchtig machen und aus einem Impuls könne ein Kontrollverlust werden.

Quelle: ntv.de, Jordan Raza, dpa

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