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Startseite»Nachrichten»Tief im Regensteinmassiv: Bundeswehr betreibt einzigartige unterirdische Apotheke
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Tief im Regensteinmassiv: Bundeswehr betreibt einzigartige unterirdische Apotheke

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 31, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Tief im RegensteinmassivBundeswehr betreibt einzigartige unterirdische Apotheke

In der weltweit größten unterirdischen Apotheke lagern Medikamente so weit das Auge reicht. (Foto: Matthias Bein/dpa)

Einst fingen KZ-Häftlinge aus Mittelbau-Dora an, die heute insgesamt acht Kilometer langen Gänge unter dem Harzer Regensteinmassiv zu bauen. Diese werden nun von der Bundeswehr genutzt. Es ist eine ganz eigene Welt.

Mitten im Harz – unter meterhohen Felsen und verschlossen durch schwere, getarnte Tore – befindet sich eine Apotheke, die als die größte unterirdische der Welt bezeichnet wird. Zwischen beliebten Wanderwegen in Blankenburg gelegen, wird dort alles gelagert, verpackt und verschickt, was Soldatinnen und Soldaten brauchen: von der Wundheilsalbe und den Magnesiumtabletten über Operationslampen und Röntgengeräten bis hin zu in Kriegsgebieten benötigtem Verbandsmaterial.

Unter dem Harzer Regensteinmassiv befindet sich das Versorgungs- und Instandsetzungszentrum für Sanitätsmaterial (VersInstZ SanMat), eine Spezialeinrichtung der Bundeswehr. Wer dort arbeitet, braucht einen sogenannten Sauerstoffselbstretter. „Das hat im Fall der Fälle die Funktion, das Atmen auch in stark verrauchter Umgebung noch für eine Zeit von circa einer halben Stunde zu ermöglichen, damit man genug Zeit hat, die Anlage zu verlassen im Falle einer Evakuierung“, erklärt Hauptmann Dominik Dorn während eines Besuchs der Anlage. Denn unter Tage muss jederzeit mit einem Notfall gerechnet werden. Fluchtwege gibt es nicht.

Dafür Pakete. Soweit das Auge reicht. Gestapelt, in Regalen verstaut. Kleine, große, offene und verschlossene Pakete. „Alle fünf Minuten verlässt hier am Tag ein Paket mit Medikamenten oder medizinischen Geräten diese Anlage“, berichtet Dorn. In der Apotheke können Medikamente auch individuell hergestellt werden. Auf Anfrage könnten auch zivile Stellen versorgt werden.

Versorgung für mehrere Bundesländer

Gearbeitet wird an diesem außergewöhnlichen Ort ähnlich wie im Großhandel: Truppenärzte geben eine Bestellung auf, in der Bundeswehrapotheke wird dann auf den kilometerlangen Gängen alles Gewünschte zusammengesucht, verpackt und in Laster geladen. 60.000 Soldatinnen und Soldaten in den neuen Bundesländern und Bayern werden so versorgt. Denn im Gegensatz zum Otto Normalverbraucher bekommen sie ihre Medikamente direkt vom zuständigen Truppenarzt. Damit das funktioniert, haben die Ärztinnen und Ärzte einen Vorrat, den sie in sogenannten Sanitätsversorgungszentren bereithalten.

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Alle fünf Minuten wird ein Paket versandt. (Foto: Matthias Bein/dpa)

Neben der Bundeswehrapotheke in Blankenburg gibt es noch zwei Schwesterdienststellen: im niedersächsischen Quakenbrück und im hessischen Pfungstadt. Dort werden die Medikamente allerdings nicht unter meterhohem Stein gelagert, sondern in Hallen. Auch das macht die Apotheke in Blankenburg zu einer ganz besonderen.

Nationalsozialisten, NVA, Bundeswehr

Die ersten dieser unterirdischen Gänge wurden von KZ-Häftlingen des in Thüringen gelegenen Konzentrationslagers Mittelbau-Dora geschaffen – zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Nationalsozialisten hatten geplant, in Blankenburg eine Außenstelle des Lagers zu errichten. Dazu kam es nie. Der Krieg endete vorher.

Zu DDR-Zeiten baute die Nationale Volksarmee den Standort dann so aus, wie er heute ist. Nun war der Plan, unter Tage ein Lager für militärisches Gut zu schaffen. Im Notfall sollte dort autark gearbeitet und zeitweise auch gelebt werden können. Dafür wurden auch eine Truppenküche und Sanitäranlagen eingerichtet.

Danach übernahm die Bundeswehr den Standort. „Man hat dort nach der Wende ziemlich gleich ein Sanitätsdepot installiert“, erzählt Presse-Offizier Dorn. Dass die Gänge unter dem Felsen liegen, bringe Herausforderungen in Sachen Brand- und Arbeitsschutz sowie Logistik mit sich, hat mit Blick auf die Einlagerung von Medikamenten aber auch Vorteile: „Ich brauche in so einer Untertageanlage nur bestimmte Ein- und Ausgänge zu verriegeln und dann ist da erst mal ein relativ geringer Überwachungsaufwand.“ Durch konstante Temperaturen zwischen 16 und 18 Grad herrschten außerdem sehr gute Lagerbedingungen.

Spezialisten verschiedenster Art

Derzeit seien etwa 200 Frauen und Männer in Blankenburg stationiert. Etwa ein Drittel von ihnen arbeitet im Berg. In der Kaserne gibt es aber unter anderem auch eine eigene Feuerwehr, die reagieren kann, wenn unter Tage ein Notfall eintritt.

Neben den Soldatinnen und Soldaten, die Bestellungen zusammensuchen und verpacken, gibt es in der Feldwebel-Anton-Schmid-Kaserne unterirdisch auch jene, die hoch spezialisiert arbeiten. „Wir betreiben hier auch Medizintechnik“, sagt Dorn. „Wir in Blankenburg haben das Los gezogen, dass wir den Schwerpunkt Durchleuchtung, bildgebende Verfahren machen.“ Deshalb gebe es einen gesonderten Bereich – ausgestattet mit Werkzeug, Kran und verstärktem Boden – in dem zum Beispiel Röntgengeräte gewartet und geprüft werden.

In einem anderen Areal der Anlage werden Geräte zur Sterilisation von medizinischen Instrumenten so aufbereitet, dass sie auch unter extremen Bedingungen, wie Höhe oder Hitze, funktionieren. Dort kommen zudem Geräte hin, die vorher unter Extrembedingungen eingesetzt wurden. Die Spezialisten prüfen dann, ob und wie sie weiter genutzt werden können.

Apotheke zieht Besucher nach Blankenburg

„Ich denke, wir spielen hier eine ziemlich große Rolle“, sagt Dorn, kurz bevor der Rundgang wieder am Drucktor endet. „Man kann sagen, jeder Truppenarzt in Deutschland hat irgendwo in seinem Sanitätsversorgungszentrum Medikamente, die er auch tagtäglich an die Soldatinnen und Soldaten ausgibt, die aus einem dieser drei Standorte kommen.“

Die Apotheke wird aber auch regelmäßig besucht: Neben Schulklassen und anderen Interessenten kämen immer wieder auch Soldatinnen und Soldaten aus anderen Kasernen nach Blankenburg, um sie zu sehen. Dorn sagt ihnen dann häufig: „Bei Ihrem letzten Arztbesuch, wenn Sie dann Schnupfenspray oder eine Kopfschmerztablette bekommen haben, stammt die mit hoher Wahrscheinlichkeit hier aus der Untertageanlage.“ Sein Arbeitsplatz fasziniere viele, sagt der Hauptmann. Auch das mache ihn besonders.

Quelle: ntv.de, Inga Jahn, dpa

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