Mode an der Börse ist wieder in Mode. Die britische Frasers Group will den Modehersteller Hugo Boss aus Metzingen übernehmen. Analysten bezeichnen das Angebot als nicht besonders attraktiv. Die Aktie steigt.
Bisher gehörten der britischen Frasers-Gruppe rund ein Viertel der Boss-Aktien. Jetzt will das Unternehmen die volle Kontrolle über den schwäbischen Modehersteller erlangen. Frasers will 38 Euro je Boss-Aktie bieten. Das entspricht einem Aufschlag von 4,3 Prozent auf den Schlusskurs vom Mittwoch. Experten bezeichneten das als relativ wenig. Es sei ein Übernahmeangebot mit angezogener Handbremse.
An der Börse sorgt der Vorstoß am Donnerstag für ein kräftiges Kursplus der Hugo-Boss-Aktien. Die im MDax gelisteten Titel sprangen zeitweise um fast zehn Prozent auf über 40,00 Euro und damit über den Angebotspreis.
Kein Unbekannter in der Branche
Die Frasers Group ist ein großer britischer Handelskonzern, der vor allem für Sportartikel, Bekleidung, Luxusmarken und Elektronik bekannt ist. Das Unternehmen ist an der Londoner Börse gelistet. Gründer ist der britische Milliardär Mike Ashley, der bereits mehrere Mode-Engagements unter seinen Fittichen hat.
Zwischen dem Großaktionär und der Führungsspitze von Hugo Boss war es in jüngster Zeit immer wieder zu Unstimmigkeiten gekommen. So hatte Frasers dem Aufsichtsratschef Stephan Sturm im Dezember das Vertrauen entzogen. Streit gab es unter anderem um die Dividendenzahlung. Frasers ruderte jedoch am Dienstag dieser Woche zurück und drückte Unterstützung für Sturm und die Dividendenpolitik aus.
Schwierige Zeiten für Mode
Hugo Boss machte zuletzt eine verhaltene Konsumstimmung zu schaffen. Für das laufende Jahr erwartet das Management einen Umsatzrückgang auf währungsbereinigter Basis im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll 300 bis 350 Millionen Euro erreichen. 2025 wurde ein Umsatz von rund 4,3 Milliarden Euro bei einem operativen Ergebnis von 391 Millionen Euro verbucht.
Auch die Konkurrenz hat mit Problemen zu kämpfen. Und das hängt nicht nur mit der steigenden Inflation zusammen. Hohe Lebenshaltungskosten verringern das verfügbare Einkommen. Viele Verbraucher geben weniger Geld für Kleidung aus. Lieferkettenprobleme kommen noch hinzu. Das macht für Unternehmen die Beschaffung von Waren teurer und vor allem unberechenbarer.
Viele müssen aufgeben
Unternehmen wie Gerry Weber oder Hallhuber mussten bereits aufgeben. Der Hemden- und Blusenhersteller Eterna hat nach der Insolvenz Ende 2025 keinen neuen Investor gefunden. Auch der Herrenausstatter Wormland ist pleite.
Mode wird schnelllebiger. Zugleich belastet billige Konkurrenz aus Asien durch Plattformen wie Temu das Geschäft, begründen Experten die Pleitewelle in der Modebranche. Für manch einen Händler oder Modehersteller kann eine Insolvenz eine Chance sein. Peek & Cloppenburg oder das Hamburger Modeunternehmen Closed etwa haben ein Insolvenzverfahren durchlaufen und konnten sich neu aufstellen.
DAX ohne klaren Trend
Im Gesamtmarkt hatte die sich wieder zuspitzende Lage im Iran-Krieg verunsichert. Mit der Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank und erhöhten Inflationsprognose drehte der DAX am Mittag ins Minus.
Zu den Verlierern im DAX gehören Aktien von SAP. Konkurrent Oracle hatte am Abend Geschäftszahlen vorgelegt und mit seinen Finanzierungsplänen Anleger enttäuscht. Experten bemängeln die hohen Kosten für Rechenzentren und entsprechend starke Geldabflüsse.
Bedeutend für Firmensoftware-Anbieter wie SAP sei, dass sich das Erlöswachstum der Amerikaner im Cloud-Softwarebereich verlangsamt habe, sagte ein Händler. Aktien von SAP geben zu Mittag deutlich nach.
