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    Ursache im Funksystem: Was über die Bahn-Störung bekannt ist

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Politik

Ursache im Funksystem: Was über die Bahn-Störung bekannt ist

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 24, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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FAQ

Stand: 24.06.2026 • 17:43 Uhr

Ein Funk-Ausfall hat deutschlandweit Züge lahmgelegt, die Deutsche Bahn spricht von einem beispiellosen Vorfall und sucht nach Antworten. Was genau passiert ist und wie sich die Störung weiter auswirkt.

Bei der Deutschen Bahn kam es am späten Dienstagabend zu einer deutschlandweiten Störung – etwa zwei Stunden lang ging fast gar nichts mehr auf den Gleisen. Die Ursache war offenbar ein Problem mit dem digitalen Bahnfunksystem GSM-R. Inzwischen rollen die meisten Züge wieder, doch es gibt noch viele offene Fragen.

Warum kam es zur Bahn-Panne?

Für die Störung ist offenbar ein technisches Problem die Ursache. Der Chef der Bahn-Infrastrukturtochter DB InfraGO, Philipp Nagl, sagte, planmäßige Arbeiten am digitalen Funksystem GSM-R (Global System for Mobile Communications for Railways), dem zentralen Kommunikationsmittel zwischen Lokführern und Leitstellen, hätten für die Probleme gesorgt. Nach Angaben von SWR-Bahnexperte Frieder Kümmerer haben Bahn-Mitarbeitende von einem Fehler bei einem Software-Update berichtet. Eine Cyber-Attacke schließt die Bahn aus.

„Eine solche Störung ist durch die hohen Sicherheitsvorkehrungen im Eisenbahnbetrieb bisher nie vorgekommen“, teilte die DB mit. Man werde die Hintergründe genau analysieren und auch sicherstellen, dass in dieser Form die Ursache nicht mehr vorkommen kann, so Nagl.

Wer war und ist betroffen?

Die Bahn kann die Zahl der betroffenen Fahrgäste derzeit nicht beziffern. Es dürften allerdings Tausende Passagiere im Regional-, Fern- und S-Bahn-Verkehr gewesen sein, die nach dem Stopp erst mit großer Verspätung weiterreisen konnten. Viele Menschen dürften außerdem nachts gestrandet sein, weil sie ihre Anschlusszüge verpasst haben. Die Personenzüge wurden vorübergehend an Bahnhöfen geparkt. Am Mittwochmorgen lief der Personenverkehr dann laut Bahn wieder weitgehend normal.

Anders sieht das bei den Güterzügen aus. Die Vorsitzende des Verbands „Die Güterbahnen“, Neele Wesseln, sagte, etwa die Hälfte der Güterzüge stehe weiterhin verteilt im Land und an Grenzen still, die Lage sei extrem angespannt. Der Verband geht davon aus, dass die Logistikketten noch mehrere Tage beeinträchtigt sein werden. InfraGO-Chef Nagl hatte dagegen in Aussicht gestellt, dass sich der Rückstau im Laufe des Nachmittags auflösen dürfte.

Wie reagieren die Verantwortlichen?

Die Bahn selbst betont, dass „die kurzzeitige Störung am Zugfunk bereits nach rund zwei Stunden“ behoben worden sei. Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte, die Lage sei mit Hilfe eines Notfallsystems stabilisiert worden. Laut Bahn gibt es Rückfallebenen. Bevor auf das funktionierende redundante Funksystem umgeschaltet werden konnte, habe zunächst die Ursache eingegrenzt und ein IT-Angriff ausgeschlossen werden müssen.

Doch der komplette Stillstand auf den Schienen zieht Kritik nach sich. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder forderte eine umfassende Aufklärung. Sollte es sich um Probleme mit Hardware-Komponenten oder um ein Update-Problem eines Servers handeln, müsse die Bahn ihre Systeme so aufstellen, dass sich das nicht wiederhole, mahnte der CDU-Politiker. Auch andere Politiker wie Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Verbände wie Pro Bahn kritisierten die veralteten Systeme und forderten Modernisierungen sowie mehr Resilienz, insbesondere beim Zugfunk.

Der SPD-Wirtschaftspolitiker Armand Zorn sagte, der Vorfall zeige einmal mehr, wie verwundbar Teile der kritischen Infrastruktur seien. Der Bahnverkehr sei auch eine Frage der nationalen Sicherheit. „Wenn eine technische Störung den Bahnverkehr in großen Teilen Deutschlands beeinträchtigen kann, dann muss schnell und umfassend gehandelt werden.“ Der Ausfall der Funktechnik beschäftigt auch den Bahn-Aufsichtsrat. „Dies wird ein Thema sein in der heutigen Strategiesitzung“, sagte Chefkontrolleur Werner Gatzer dem Handelsblatt.

Wozu wird das Funksystem GSM-R benutzt?

Das „Global System for Mobile Communications – Railway“ dient vereinfacht gesagt der Kommunikation, etwa zwischen Lokpersonal, Fahrdienstleitung und Betriebsstellen. So können über das System auch Notrufe und Warnungen erfolgen, wenn eine Gefahr vorliegt – zum Beispiel, wenn sich Personen auf Gleisen bewegen.

Auch in Fällen von technischen Störungen, etwa bei Signalanlagen, dient das GSM-R-System als Backup, um im Notfall miteinander kommunizieren zu können, wie der SWR-Bahnexperte Frieder Kümmerer berichtet. Fällt das System aus, können auch keine Notrufe mehr abgesetzt werden und darum könne der Betrieb dann aus Sicherheitsgründen nicht fortgesetzt werden.

Das System ist mehr als 20 Jahre alt und beruht auf dem älteren Mobilfunkstandard 2G. Es ist nicht mit öffentlichen Mobilfunknetzen gekoppelt, was es weniger anfällig für Sabotage macht. Wie der Spiegel berichtet, bedeutet das allerdings auch, dass das Netz auf relativ begrenzten Ressourcen aufbaut.

Warum arbeitet die Bahn mit einem alten Funksystem?

Nach Angaben der Bahn ist die Umstellung auf ein moderneres Kommunikationssystem geplant. Das Future Railway Mobile Communication System (FRMCS), das auf dem Mobilfunkstandard 5G beruht, soll das GSM-R bis Mitte der 2030er-Jahre ablösen. Doch noch gibt es dafür keine Zulassung von der EU. Ausgerollt werden soll es erst in den kommenden Jahren.

Für die Umstellung des Systems in Deutschland werden hohe Investitionen, unter anderem für neue Mobilfunkmasten und die Umrüstung der Züge, erwartet.

Andere EU-Länder sind offenbar einen Schritt voraus: Der Verband Allianz pro Schiene erklärte zum Beispiel, dass Finnland GSM-R im Bahnverkehr bereits abgeschaltet habe und die Einführung von FRMCS vorbereite.

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Dr. Heinrich Krämer
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