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„Mit eigenen Augen“: Was Krieg mit ukrainischen Künstlern macht

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 3, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Mit eigenen Augen“Was Krieg mit ukrainischen Künstlern macht

03.07.2026, 17:52 Uhr Von Sabine Oelmann
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Dieses poppige Bild von Sergey Anufriev macht, trotz allem, gute Laune. Der Künstler lebt und arbeitet in Odessa. Seine Werke sind auf der Biennale Venezia, in Europa und den USA vertreten. („Glas, Zitrone“, 84x60cm, 250 Euro, Auflage: 20) (Foto: Serpen Gallery)

Manche machen weiter, für andere bedeutet der Krieg einen radikalen Umbruch in ihrer Art, sich künstlerisch auszudrücken. Die Serpen Gallery zeigt 28 Arbeiten von 14 ukrainischen Künstlerinnen und Künstlern – jeweils ein Werk vor und eines während des russischen Angriffskrieges.

Es gibt Ereignisse, die das Leben eines Menschen unwiderruflich in ein „Davor“ und ein „Danach“ teilen. Für die Ukraine ist es sicher der 24. Februar 2022 – an dem Tag änderte sich alles. Die meisten Menschen wissen von einem solchen Tag noch Jahre später, was sie gerade gemacht haben oder wo sie waren, als sie diese „News“ erfuhren; ähnlich wie bei Nine Eleven oder dem Tag, an dem Lady Di in einem Pariser Tunnel einen tödlichen Autounfall hatte.

Die meisten Menschen können jedoch, trotz einer solchen Nachricht, mit ihrem Leben weitermachen. Dass ein Krieg wie der, den Russland in der Ukraine angezettelt hat, Städte, Länder und Menschen verändert, ist logisch. Aber Kriege verändern auch den Blick auf die Welt.

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Die Werke von Igor Gusev befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen. (Aus der Serie „Cherson-Dateien“, 29,7x42cm, 320 Euro, Auflage: 15) (Foto: Serpen Gallery)

In der Galerie von Natalka Yakymovych, die selbst als Geflüchtete nach Berlin kam, wird aktuelle Kunst aus der Ukraine gezeigt. Yakymovych war in der Ukraine mehr als 20 Jahre Journalistin und Fernsehproduzentin, sie sammelte privat Kunst in ihrer Kiewer Wohnung. Und bei einer Ausstellung in Berlin vor zweieinhalb Jahren sagte sie beiläufig, dass sie über einen eigenen kulturellen Raum nachdenke – ihre Galerie besteht nun seit zwei Jahren.

Perspektiven – trotz allem

Und nicht nur das, sie ist mitten im Herzen der Kunst- und Galerieszene Berlins erfolgreich, was wohl einzig und allein auf dem Herzblut (und dem anfänglichen Eigenkapital), das die Galeristin investierte, beruht. Und dem Nerv, den sie mit ihren Künstlern bei Sammlern und Kunstliebhabern trifft.

Die Ausstellung versteht sich nicht als Dokumentation des Krieges, sondern als Einladung, individuelle Perspektiven zu entdecken und Kunst als Raum der Erinnerung, des Widerstands und der Hoffnung zu erleben. Momentan hängen unter anderem Mitya Fenechkin, Igor Gusev und Anton Logov an den weißen Wänden – drei Künstler, die auf ganz unterschiedliche Weise die ukrainische Kunst der letzten Jahrzehnte geprägt haben: Mitya Fenechkin verbindet in seinen Zeichnungen Ironie, Erinnerung und präzise Alltagsbeobachtungen zu poetischen Bildwelten. Igor Gusev zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten der ukrainischen Gegenwartskunst. Seine Werke verbinden konzeptuelle Schärfe, Humor und gesellschaftliche Reflexion. Und Anton Logov entwickelt eine kraftvolle Bildsprache zwischen Malerei, Objekt und Installation und gehört zu den international bekanntesten Künstlern seiner Generation.

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„Wer sind wir in dieser geordneten Matrix der Erde unter dem wachsamen Blick der Ewigkeit?“, fragt Oleksandr Dremov. („Life“, 40x50cm, 300 Euro, Auflage: 5) (Foto: Serpen Gallery)

Bezahlbare Hilfe

Im Rahmen von „Mit eigenen Augen“ präsentiert jede Künstlerin und jeder Künstler zwei limitierte – und tatsächlich unglaublich bezahlbare – Editionen. Ein Werk stammt aus der Zeit vor der russischen Vollinvasion, eines aus dem Werk danach. „Mit dem Erwerb einer Edition unterstützen Sie die Evakuierung und den Schutz von Familien in der Region Cherson. 50 Prozent jedes Verkaufserlöses gehen direkt an die Künstler und Künstlerinnen. Die anderen 50 Prozent finanzieren die humanitäre Arbeit von Be an Angel in den Frontgebieten der Ukraine. Kunst wird so zu Unterstützung – für diejenigen, die trotz allem weiter schaffen, und für diejenigen, deren Leben von schneller Hilfe abhängt“, so Andreas Tölke, Mit-Initiator der Ausstellung. Die limitierten Editionen beginnen bei 120 Euro, gedruckt auf hochwertigem Fine-Art-Papier von Hahnemühle.

„Kunst kann sichtbar machen, was Worte oft nicht mehr können“, sagt Tölke, und hebt hervor, wie der unmittelbare Blick auf den Krieg Farben, Motive, Materialität und Perspektiven verändert. „Ich kenne Künstler und Künstlerinnen, die heute in Luftschutzkellern arbeiten. Ich kenne Menschen, die ihre Ateliers verloren haben, deren Galerien schließen mussten oder die von 500 Euro im Monat leben. Ich stand in verbarrikadierten Museen, deren Sammlungen vor Bomben und Raketen versteckt oder außer Landes gebracht werden mussten. Aus diesen Begegnungen ist diese Ausstellung entstanden.“

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„Diese Arbeit entstand 2020, zwei Jahre vor der russischen Vollinvasion, als der Krieg im Osten der Ukraine schon das Leben vieler Menschen prägte.“ Das Pendant von Anton Logov mitten aus dem Krieg hängt in der Galerie direkt daneben. („Ein Engel über der Ukraine“, 30x40cm, 110 Euro, Auflage: 15) (Foto: Serpen Gallery)

„Mit eigenen Augen“ erzählt nicht vom Krieg. Die Ausstellung zeigt, was Krieg mit Menschen macht.

Quelle: ntv.de

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