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    Einbruch am Krypto-Markt: Ist der Bitcoin entzaubert?

    Juli 6, 2026
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Startseite»Politik»Einbruch am Krypto-Markt: Ist der Bitcoin entzaubert?
Politik

Einbruch am Krypto-Markt: Ist der Bitcoin entzaubert?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 6, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 06.07.2026 • 09:09 Uhr

Vom Allzeithoch ist noch die Hälfte übrig: Der Bitcoin hat in den vergangenen Monaten erheblich an Wert verloren. Was sind die Gründe? Und wie könnte es für die Kryptowährungen weitergehen?

Von Paula Protzen, ARD-Finanzredaktion

Für Donald Trump zumindest sind Kryptowährungen ein gutes Investment: Der US-Präsident hat im vergangenen Jahr über eine Milliarde Dollar mit Krypto-Geschäften eingenommen. Das zeigt seine Einkommenserklärung. Für viele Anleger stehen jedoch Verluste im Depot, aus börsennotierten Krypto-Fonds (ETF) fließen Milliarden ab.

Binnen zwei Monaten sind rund 8,5 Milliarden Dollar aus Bitcoin-ETFs in den USA abgeflossen, ermittelte der Daten-Anbieter Glassnode. Bereits seit September lässt die Nachfrage nach diesen Produkten in den USA nach.

Seitdem dreht sich die Stimmung am Krypto-Markt. Die Folge: Der Kurs der ältesten und bekanntesten Digitalwährung Bitcoin hat sich seit dem letzten Oktober halbiert.

Druck von innen und außen

Für Experten kommen dabei mehrere Faktoren zusammen. Zum einen werfe auch hier – wie in so vielen Lebensbereichen – der Krieg zwischen Iran und den USA seine Schatten. „Natürlich hat die Straße von Hormus auch Einfluss auf den Bitcoin-Preis“, sagt Adrian Fritz von 21Shares im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.

Die Sperrung der wichtigen Seestraße und die schleppenden Verhandlungen trieben die Inflation und erstickten die Hoffnung auf Zinssenkungen. Die wären aber tendenziell positiv für Krypto-Währungen, da dann risikoreichere Vermögenswerte gefragter sind.

Zudem lasse sich beobachten, dass die Krypto-Kurse in letzter Zeit stärker an die Aktienmärkte angebunden seien, insbesondere an die beiden großen US-Indizes Nasdaq und S&P 500, so Stijn Vander Straeten von der Deutsche-Börse-Tochter Crypto Finance. Für institutionelle Anleger sei es inzwischen einfacher, in Kryptowährungen zu investieren, beispielsweise über Spot-ETFs auf Bitcoin.

Derweil beobachten Experten, dass Investoren Kapital aus Kryptowerten zugunsten von Tech-Unternehmen und KI-Unternehmen umschichten – beispielsweise anlässlich des Rekord-Börsengang von SpaceX im Juni.

Zudem habe einer der verlässlichsten Krypto-Investoren zum ersten Mal in zehn Jahren Bestände verkauft, erklärt Co-Pierre Georg, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management. Das Bitcoin-Treasury-Unternehmen Strategy (ehemals MicroStrategy), das knapp fünf Prozent aller Bitcoins weltweit hält, habe sich von einem Netto-Käufer zu einem Netto-Verkäufer entwickelt.

„Bitcoin sind die Narrative ausgegangen“

Für Georg ist aber noch etwas anderes das Problem. „Bitcoin kämpft im Moment damit, dass die Narrative ausgegangen sind.“ Sein von manchen propagierter Einsatz als weltweites Zahlungsinstrument habe sich bis dato nicht bewahrheitet.“ Für viel Aufsehen sorgte 2021 die Entscheidung El Salvadors, Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel einzuführen – als erstes Land weltweit. 2025 machte der südamerikanische Staat das rückgängig.

Auch weitere Versprechungen, etwa, dass Bitcoin „digitales Gold“ sei – also als Sicherheit im Portfolio dienen könne – oder Kryptowährungen als strategische Anlage für Staatsreserven relevant würden, seien bisher nicht eingetroffen. „Jetzt ist die Frage, was das nächste Narrativ sein könnte.“

Aktuell jedenfalls bleibt der Bitcoin weit hinter den zum Teil sehr hohen Erwartungen zurück. So rechnete die Investmentbank Goldman Sachs Ende 2025 noch damit, dass der Bitcoin in diesem Jahr einen Stand von bis zu 150.000 Dollar erreichen könnte.

Aktuell ist er nur gut ein Drittel davon wert. Experten rechnen für die Zukunft indes mit einer Erholung. Dafür könnte sprechen, dass der Bitcoin-Kurs oft einem Vierjahresrhythmus folge, beschreibt Fritz, orientiert am sogenannten Halving. Halving bedeutet, dass sich die Belohnung für diejenigen, die Bitcoins schürfen, alle vier Jahre halbiert, so dass immer weniger Coins auf den Markt kommen. Gerade befinde man sich vor einer Phase, die in der Vergangenheit häufig den Tiefpunkt gebildet habe – bevor es wieder aufwärts ging.

EU verlangt von Händlern Lizenz

Hier setzt das Regulierungsvorhaben MiCA („Markets in Crypto-Assets“) der EU an, das ab diesem Halbjahr final greift. Es schafft einen gemeinsamen Rechtsrahmen für Krypto-Dienstleister in der Europäischen Union – mit Transparenzpflichten, aufsichtsrechtlichen Sicherheiten und Vorgaben zur Unternehmensführung.

Die Verordnung ist schon seit rund anderthalb Jahren in Kraft, am 1. Juli ist auch eine letzte Übergangsfrist ausgelaufen. Das bedeutet: Künftig brauchen Händler eine Lizenz, um in Europa Kryptohandel anbieten zu können.

Von mehr als 1.200 Anbietern, die zuvor aktiv waren, haben nur 244 eine solche Lizenz in der EU. Ob der eigene Anbieter dabei ist, kann im Register der Aufsichtsbehörde ESMA eingesehen werden, oder in der Übersicht CASP-Tracker.

Bislang ohne Lizenz sind die Anbieter Binance und Upbit, zwei der größten Kryptobörsen weltweit. Für Georg zeigt das, dass die neue Regulierung kein „zahnloser Papiertiger“ sei.

Wie reagieren die Kunden?

Binance hat bereits angekündigt, sich weiter um eine Lizenz zu bemühen. Das könne dauern – sechs bis zwölf Monate im Fall von Binance, schätzt Vander Straeten von Crypto Finance.

Derweil müssen Plattformen ohne Lizenz den Handel in Europa einstellen. Der Verkauf oder Transfer zu anderen Anbietern oder in die eigene Wallet bleibt dabei zwar möglich. Vander Straeten schätzt, dass es viele Kunden zu anderen Plattformen ziehen wird. Für Händler wie Binance dürfe es aufwändig werden, ihre europäischen Nutzer wieder für sich zu gewinnen.

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Dr. Heinrich Krämer
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