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Startseite»Nachrichten»Vorläufige Sterbefallstatistik: Hitzewoche im Juni war die tödlichste der letzten 26 Jahre
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Vorläufige Sterbefallstatistik: Hitzewoche im Juni war die tödlichste der letzten 26 Jahre

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 8, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Vorläufige SterbefallstatistikHitzewoche im Juni war die tödlichste der letzten 26 Jahre

08.07.2026, 16:36 Uhr Von Laura Stresing
Waehrend-der-Juni-Hitzewelle-2026-richtete-die-Feuerwehr-in-Koeln-ein-Notfallversorgungszentrum-fuer-Hitzeopfer-ein
Während der Juni-Hitzewelle 2026 richtete die Feuerwehr in Köln ein Notfallversorgungszentrum für Hitzeopfer ein. (Foto: picture alliance/dpa)

Extreme Hitzewellen führen regelmäßig zu einer erhöhten Sterblichkeit. So schlimm wie an dem historischen Hitzewochenende im Juni war es aber offenbar noch nie seit der Jahrtausendwende, legen Zahlen des Statistischen Bundesamtes nahe.

Um das Offensichtliche vorweg zu nehmen: Gestorben wird immer und nur ein Teil der Menschen, die während einer Hitzewelle sterben, sind Opfer der extremen Temperaturen. Dennoch geht aus vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, dass in den vergangenen 26 Jahren noch nie so viele Menschen innerhalb einer einzigen Sommerwoche gestorben sind wie in diesem Jahr.

Die Daten basieren auf unvollständigen Sterbefallmeldungen der Standesämter und werden durch Hochrechnungen ergänzt. Demnach sind in der Kalenderwoche 26, also zwischen dem 22. und 28. Juni 2026, schätzungsweise 23.665 Menschen in Deutschland verstorben. Im Vergleich zur Vorwoche ist das ein Anstieg um gut 28 Prozent. Die Zahl der Todesfälle liegt damit außerdem 47 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen 25 Jahre. Selbst die Todesfallzahlen während früherer Hitzewellen mit einer erhöhten Sterblichkeit – zum Beispiel in den Jahren 2022, 2018 und 2015 – werden von der letzten Juni-Woche 2026 deutlich übertroffen.

Die Meldungen der Standesämter umfassen alle möglichen Arten von Todesfällen. In den meisten Fällen besteht vermutlich kein direkter Zusammenhang mit der Hitze, die zwischen dem 18. und 29. Juni in Deutschland herrschte. Doch der Verdacht liegt nahe, dass die Rekordtemperaturen von bis zu 40 Grad und mehr in Kombination mit einer Reihe von tropischen Nächten gerade in den vulnerablen Gruppen zu einer hohen Übersterblichkeit geführt haben. Wie hoch diese ausfällt – also wie viele zusätzliche Todesfälle direkt auf die Hitze zurückzuführen sind – wird unter anderem vom Robert-Koch-Institut (RKI) untersucht. Die Auswertung für die letzte Juni-Woche steht allerdings noch aus.

RKI ermittelt Zahl der Hitzetoten

Laut dem RKI steigt die Zahl der Todesfälle ab einer wöchentlichen Durchschnittstemperatur von 20 Grad signifikant an. „In einigen Fällen, zum Beispiel beim Hitzeschlag, führt die Hitzeeinwirkung unmittelbar zum Tod, während in den meisten Fällen die Kombination aus Hitzeexposition und bereits bestehenden Vorerkrankungen zum Tod führt“, heißt es im aktuellsten „Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität“ vom 2. Juli 2026. Auf dem Totenschein wird dementsprechend in der Regel nicht die Hitze, sondern eine andere Todesursache aufgeführt. Am Ende lässt sich das ganze Ausmaß hitzebedingter Sterbefälle deshalb nicht genau beziffern, sondern nur mit Hilfe statistischer Methoden abschätzen.

Fest steht: Vor allem Personen über 75 Jahre sind von einer hitzebedingten Übersterblichkeit betroffen. Allein für den Zeitraum vom 15. April bis zum 21. Juni geht das RKI von etwa 810 Hitzetoten aus. Davon entfallen 690 auf die Altersgruppe 75 plus. Der Höhepunkt der Juni-Hitzewelle ist in diesen Schätzungen noch gar nicht enthalten.

Doch schon in der Vorwoche (Kalenderwoche 25) herrschten laut der RKI-Auswertung mit 21,1 Grad im Wochenmittel Temperaturen, die mit einer erhöhten Sterblichkeit in Verbindung gebracht werden. In der Folgewoche dürfte sich die Lage mit Temperaturen von teilweise weit über 30 Grad deutlich zugespitzt haben. An der Station Berlin-Tempelhof wurden in der Woche beispielsweise durchschnittlich 26,8 Grad gemessen, im bayerischen Kitzingen sogar 29,2 Grad. Auch nachts gab es kaum Abkühlung.

Durch den Klimawandel steigt die Wahrscheinlichkeit von extremen Wetterereignissen, auch Hitzewellen treten immer häufiger auf. Dieser Juni-Ausklang war dennoch außergewöhnlich: Nie zuvor in der Klimageschichte Deutschlands war es so früh im Jahr für so lange Zeit so extrem heiß wie in diesem Jahr.

Hohe Sterbefallzahlen haben sich abgezeichnet

Die Ereignisse im Juni zeigen auch, worauf sich Deutschland in Zukunft vorbereiten muss. In zahlreichen, zum Teil dramatischen Berichten aus dem ganzen Bundesgebiet und dem europäischen Ausland, wurden die gesundheitlichen Auswirkungen der Extremhitze thematisiert. Demnach waren fast überall in Deutschland die Rettungsdienste am letzten Juni-Wochenende im Dauereinsatz, um hitzebedingte Notfälle zu behandeln. Hinzu kamen zahlreiche Badeunfälle mit 26 Toten innerhalb von nur zwei Tagen. In Köln wurde angesichts der überlasteten Krankenhäuser ein Notfallversorgungszentrum und eine „Kälteinsel“ für Hitzeopfer eingerichtet. Innerhalb von nur 24 Stunden mussten sieben bewusstlose, überhitzte Menschen aus ihren Wohnungen gerettet werden.

Allein aus Paris wurden mehr als 1000 zusätzliche Todesfälle gemeldet. Leichenhallen gerieten an ihre Kapazitätsgrenzen. Auch in Nordrhein-Westfalen hatten Bestatter im Nachgang der Hitzewelle deutlich mehr zu tun. Im Raum Köln habe es Hinweise gegeben, dass es am Wochenende vorübergehend zu Engpässen beim Abtransport von Leichen gekommen sei, sagte der Gruppenleiter im NRW-Gesundheitsministerium, Professor Frank Stollmann, im zuständigen Ausschuss des Landtags.

Anhand solcher anekdotischen Berichte konnte man bereits erahnen, dass die Sterbefallstatistik in dieser Woche Auffälligkeiten aufweisen könnte. Jetzt liegen die ersten vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes vor. Doch die Debatte, ob und inwiefern diese Todesfälle etwas mit dem Klimawandel zu tun haben oder ob und wie man Hitzetote künftig verhindern kann, hat damit wahrscheinlich gerade erst begonnen.

Quelle: ntv.de

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