JVA fällt EnscheidungNeonazi Liebich soll Haftstrafe in Männergefängnis verbüßen
Rechtsextremist Marla Svenja Liebich wird von Tschechien an Deutschland ausgeliefert und zunächst in ein Frauengefängnis gebracht. Jetzt entscheidet die Anstaltsleitung, dass er dort nicht bleiben wird.
Neonazi Marla Svenja Liebich soll seine Haftstrafe in einem Gefängnis für Männer absitzen. Das habe die Anstaltsleitung im Frauengefängnis Chemnitz entschieden, teilte das sächsische Justizministerium mit. 2025 war bekanntgeworden, dass Liebich den Geschlechtseintrag von männlich zu weiblich hatte ändern lassen, was Kritiker für eine Provokation halten.
Nach seiner Auslieferung von Tschechien nach Deutschland am Mittwoch war Liebich zunächst in das Frauengefängnis in Chemnitz gebracht worden. Noch am selben Tag sei er in die Justizvollzugsanstalt Zeithain im Landkreis Meißen verlegt worden, hieß es nun.
„Gut, dass die JVA schnell Klarheit geschaffen und sich nicht auf Inszenierungen eingelassen hat“, sagte Sachsens Justizministerin Constanze Geiert von der CDU. Die Entscheidung der Anstaltsleitung wurde demnach unter anderem nach einem Gespräch mit Liebich und einer Untersuchung von ihm getroffen. In der Abwägung maßgeblicher Aspekte sei es auch um die Sicherheit der Frauen im Justizvollzug in Chemnitz gegangen, hieß es.
Im Juli 2023 war der Rechtsextremist – damals noch als Mann mit dem Vornamen Sven – vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Ursprünglich sollte Liebich die Haft schon Ende August 2025 antreten.
In der Zwischenzeit hatte Sven Liebich seinen Geschlechtseintrag von männlich auf weiblich und den Vornamen in Marla Svenja ändern lassen. Kritiker sprachen von einem Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes. Vor dem Amtsgericht in Halle steht derzeit noch eine Entscheidung darüber aus, ob die Änderungen rückgängig gemacht werden können. Der Saalekreis hatte nach eigenen Angaben im Dezember 2025 rechtliche Schritte für eine Berichtigung des Eintrags eingeleitet.
Angst vor Haft in Männergefängnis
Weil Liebich dennoch seit der Änderung offiziell als Frau gilt, war er zum Haftantritt in das Frauengefängnis Chemnitz geladen worden. Es ist das nächstgelegene Gefängnis von Liebichs Meldeadresse. Allerdings trat der Rechtsextremist seine Haft im vergangenen Jahr nicht an, floh stattdessen und wurde erst im April dieses Jahres in Tschechien gefasst.
Daraufhin wurde er nach Pilsen (Plzen) gebracht. Vor dem Gericht in der Stadt im Westen Tschechiens gab Liebich an, nicht nach Deutschland gebracht werden zu wollen, weil er Angst habe, in einem deutschen Männergefängnis ums Leben zu kommen. Schließlich gab die tschechische Justiz aber grünes Licht für die Auslieferung.
Liebich hatte seit 2014 regelmäßig Demonstrationen organisiert, oft auf dem Marktplatz in Halle in Sachsen-Anhalt. Immer wieder kam es dabei auch zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten. Mehrfach mussten sich Gerichte mit Beschuldigungen gegen Liebich auseinandersetzen.
In dem Prozess gegen Liebich, der mit dem rechtskräftigen Urteil zur Freiheitsstrafe endete, hatte die Staatsanwaltschaft Halle in sechs Anklagen unterschiedliche Vorwürfe gegen den 1970 in Merseburg im Saalekreis geborenen Rechtsextremisten erhoben. Einige Vorfälle lagen zu Beginn des Prozesses bereits mehrere Jahre zurück.
