Konflikte mit dem Armeechef, Probleme bei der Wehrpflicht: Der ukrainische Verteidigungsminister Fedorow hat seinen Rücktritt erklärt. Präsident Selenskyj hatte zuvor eine Regierungsumbildung angekündigt.
Im ukrainischen Verteidigungsministerium steht ein Wechsel bevor: Mychailo Fedorow hat seinen Rücktritt vom Amt des Verteidigunsministers erklärt. „Es war eine große Ehre, dem ukrainischen Volk als Verteidigungsminister zu dienen“, erklärte Fedorow am Mittwochabend im Onlinedienst Telegram.
In seiner Stellungnahme zählte Fedorow die Erfolge seines Ministeriums auf, dessen Leitung er erst im Januar übernommen hatte. In einer zweiten, kürzeren Nachricht legte er seine Misserfolge dar.
Am Sonntag hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Regierungsumbildung angekündigt, die unter anderem den Rücktritt der ukrainischen Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko beinhaltete.
Nachfolger bereits im Gespräch
Vor der Veröffentlichung seines Beitrags hatte Fedorow ein Gespräch mit Selenskyj. Dem Präsidenten obliegt laut Verfassung das Vorschlagsrecht für den Chef des Verteidigungsressorts.
Medienberichten zufolge will Selenskyj den bisherigen Innenminister Ihor Klymenko für den Posten vorschlagen. Als neuer Ministerpräsident ist der bisherige Chef des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz, Serhij Korezkyj, im Gespräch.
Ursächlich für den Wechsel in dem Ressort soll den Berichten nach ein Konflikt Fedorows mit Armeechef Olexander Syrskyj sein. Zudem habe der Minister die Probleme um die Zwangsmobilisierung von Wehrpflichtigen nicht lösen können. Vor knapp einer Woche hatten im westukrainischen Lwiw rund 200 Menschen ein Rekrutierungskommando angegriffen und dabei das Dienstfahrzeug demoliert.
Proteste gegen Rücktritt Fedorows
Unmittelbar nach dem Rücktritt des bei vielen beliebten Verteidigungsministers regte sich in Teilen der Bevölkerung Protest. In mehreren ukrainischen Städten gingen zahlreiche Menschen auf die Straße. Allein in der Hauptstadt Kiew versammelten sich hunderte Demonstranten auf einem zentralen Platz. Sie skandierten Rufe wie „Schande“ und „Bring Fedorow zurück“. Viele der Protestteilnehmer in der ukrainischen Hauptstadt schwenkten die Flaggen der EU und der Ukraine. Auch in anderen Orten des Landes gingen örtlichen Medien zufolge die Menschen auf die Straße.
2019 leitete Fedorow die Medienkampagne Selenskyjs in dessen Wahlkampf geleitet und übernahm danach das neu geschaffene Digitalministerium. Der 35-Jährige galt lange Zeit als ein Favorit Selenskyjs. Zuletzt wurden ihm jedoch auch eigene politische Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt.
Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 gegen eine russische Invasion. Seitdem wurde der Verteidigungsminister bereits dreimal gewechselt – zuletzt vor rund sechs Monaten
