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Startseite»Politik»Spahn als Vater – Diskussion über Leihmutterschaft
Politik

Spahn als Vater – Diskussion über Leihmutterschaft

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 16, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 16.07.2026 • 14:30 Uhr

Früher selbst Gegner der Leihmutterschaft, hat CDU-Politiker Spahn nun die Geburt seines Sohnes durch eine Leihmutter in den USA bekanntgegeben. Die Bundesregierung stellt aber klar: In Deutschland bleibt die Praxis verboten.

Laut Statistischem Bundesamt gab es 2024 insgesamt 31.000 gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern, darunter 9.000 Männerpaare. Nun ist mit Unionsfraktionschef Jens Spahn und seinem Mann Daniel Funke ein weiteres Paar dazugekommen. Auf Instagram machten sie öffentlich, dass sie nun einen Sohn haben. „Mein Mann ist Papa geworden, und ich mit ihm“, sagte Spahn der Bild-Zeitung. „Georg ist unser ganzes Glück. Dieses Gefühl lässt sich kaum in Worte fassen.“ Das Kind kam laut der Zeitung mit Hilfe einer Leihmutter in den USA zur Welt.

Der Fall des CDU-Spitzenpolitikers sorgt auch für eine Diskussion in Deutschland. Hier ist Leihmutterschaft verboten. Laut Bundesfamilienministerium bleibt es dabei auch. „Der Koalitionsvertrag sieht keine Änderung der aktuellen Rechtslage vor“, sagte ein Ministeriumssprecher den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Auch die Partei bleibt beim Nein zur Leihmutterschaft. „Die CDU Deutschlands hat einen klaren Parteitagsbeschluss“, erklärte eine Parteisprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. „Die geltende Rechtslage in Deutschland soll aus Sicht der Partei bleiben, wie sie ist.“

Viele reisen in die USA

Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Ärztinnen und Ärzte machen sich strafbar, wenn sie bei einer Leihmutterschaft behilflich sind. Auch die Vermittlung von Leihmutterschaften ist verboten.

Es ist allerdings nicht verboten, ein im Ausland per Leihmutterschaft geborenes Kind in Deutschland großzuziehen – wie im Falle Spahn. Die Mutter des Kindes bleibt nach deutschem Recht aber immer die Leihmutter und nicht die Wunschmutter.

Viele Deutsche reisen ins Ausland, um mit Hilfe einer Leihmutter Eltern zu werden. Die Gesamtkosten pro Kind liegen zwischen 100.000 und 250.000 US-Dollar, wobei der Großteil auf die Vermittlung, Anwaltskosten und Versicherung entfällt. Leihmutterschaft in den USA ist also ein Geschäft und wird deshalb immer wieder auch als ethisch fragwürdig kritisiert.

Auch in Kanada, der Ukraine, Russland und Georgien tragen Leihmütter Kinder aus.

Was ist Leihmutterschaft?

Als Leihmütter werden Frauen bezeichnet, die für eine andere Personen ein Kind gebären. Etwa für Paare, die ungewollt kinderlos bleiben oder homosexuelle Paare, die einen Kinderwunsch haben. Die künftigen Eltern des Babys werden in der Regel Wunscheltern genannt.

Es gibt unterschiedliche Varianten einer Leihmutterschaft: Wenn die Eizellen der Leihmutter selber verwandt werden, ist sie die genetische Mutter des Kindes. Die Schwangerschaft kommt entweder durch Insemination mit den Samenzellen des Wunschvaters oder durch Geschlechtsverkehr mit dem Wunschvater zustande.

Eine andere Form der Leihmutterschaft liegt vor, wenn die Leihmutter lediglich ihre Gebärmutter „zur Verfügung stellt“, um einen durch Reagenzglasbefruchtung entstandenen Embryo der bestellenden Eltern zu versorgen. Die Leihmutter ist dann nicht die genetische Mutter; sie trägt das Kind lediglich aus.

Kritiker befürchten Kommerzialisierung

Die CDU beschloss auf ihrem Parteitag im Februar: „Angesichts ethischer, rechtlicher und praktischer Bedenken gegenüber Leihmutterschaft bekräftigt die CDU Deutschlands ihre Forderung, Leihmutterschaft – auch in altruistischen Modellen – in Deutschland weiterhin zu verbieten, um Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern.“

Bei einer altruistischen Leihmutterschaft erhält die Leihmutter kein Honorar oder wird nur für die Ausgaben im Zusammenhang mit der Leihmutterschaft vergütet.

Mit diesen Bedenken ist die CDU in Deutschland nicht allein: Der Freiburger Medizinethiker Giovanni Maio sieht die Praxis der Leihmutterschaft generell kritisch. Sie berge die Tendenz, die Mutter „auf ihre austragende Funktion zu reduzieren, sie selbst zu einem Objekt zu machen“, sagte Maio der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Spahn früher Gegner der Leihmutterschaft

Eine von der damaligen Ampel-Regierung im März 2023 eingesetzte Kommission kam zu dem Ergebnis, dass eine Legalisierung der Eizellenspende verfassungsrechtlich möglich wäre.

Das Bild von Funke und Spahn mit Kinderwagen zog auf Instagram etliche kritische Kommentare auf sich, unter anderem, weil Spahn sich in der Vergangenheit gegen Leihmutterschaft positioniert hatte.

Mit Informationen von Maximilian Ullrich, ARD-Hauptstadtstudio

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