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Startseite»Nachrichten»13 Milliarden für Delivery Hero: Uber greift nach dem globalen Lieferthron
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13 Milliarden für Delivery Hero: Uber greift nach dem globalen Lieferthron

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 16, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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13 Milliarden für Delivery HeroUber greift nach dem globalen Lieferthron

16.07.2026, 16:17 Uhr Von Juliane Kipper
PHOTOPQR-VOIX-DU-NORD-PIERRE-ROUANET-15-07-2026-LILLE-15-07-2026-Temoignages-sur-les-conditions-de-travail-des-livreurs-de-plateformes-Internet-de-livraisons-de-repas-et-courses-a-domicile-comme-Uber-Eats-a-Lille-avec-entre-autres-des-courses-sous-payees-a-velo-malgre-la-canicule
Uber beschleunigt mit der Übernahme den Ausleseprozess in der Branche. (Foto: picture alliance / PHOTOPQR/VOIX DU NORD/MAXPPP)

Trotz jahrelanger roter Zahlen bläst Uber zur globalen Attacke: Für 13 Milliarden Euro schluckt der US-Gigant den Dax-Absteiger Delivery Hero. Tech-Investor Florian Heinemann ordnet das strategische Kalkül hinter der Übernahme ein.

Die Konsolidierung auf dem hart umkämpften Markt der Essens-Lieferdienste geht in die nächste Runde: Mit der Übernahme von Delivery Hero steigt Uber zum größten Essenslieferdienst weltweit außerhalb von China auf. Der US-amerikanische Fahrdienstvermittler und Lieferriese legt den Aktionären des Berliner MDax-Unternehmens ein Angebot über 41,50 Euro je Aktie vor. Uber sichert sich damit bereits mehr als die Hälfte der Anteile.

„Bei einer Bewertung von 13 Milliarden Euro – was zwar über dem Allzeittief, aber natürlich weit unter den Pandemie-Höchstständen liegt – hat Uber ein echtes Schnäppchen gemacht“, sagt Florian Heinemann, Gründungspartner beim Venture-Capital-Fonds Project A, auf Anfrage von ntv.de. Insgesamt sei zu beobachten, dass der Food-Delivery-Markt in einem „eingeschwungenen Zustand“ angekommen sei. „Die ganz große Wachstumsfantasie aus der Corona-Zeit ist verflogen“, erklärt der Tech-Investor. Zwar wachsen die Märkte weiterhin und können extrem profitabel sein, sofern man eine starke lokale Marktposition besitzt. „Doch es ist völlig klar, dass die astronomischen Unternehmensbewertungen aus dem Jahr 2021 nicht mehr zurückkommen. Aus dieser Perspektive ist der aktuelle Deal absolut realistisch“, sagt Heinemann.

Zuletzt hielt Uber bereits knapp 25 Prozent an dem Berliner Konzern, hinzu kamen Finanzinstrumente über knapp 12 Prozent. Zudem gibt der Delivery-Hero-Großaktionär Prosus nun seinen Anteil von knapp 17 Prozent an Uber ab. Dazu hatte sich die niederländische Beteiligungsgesellschaft im Zuge früherer wettbewerbsrechtlicher Auflagen rund um den Konkurrenten Just Eat Takeaway (Lieferando) bereit erklärt.

Dass Uber die vollständige Kontrolle anstrebt, ist Heinemann zufolge nur der nächste logische Schritt. „Als börsennotiertes Unternehmen will Uber seinen Anlegern eine überzeugende, vollständig konsolidierte Wachstumsstory präsentieren. Das geht mit einer Minderheitsbeteiligung von 37 Prozent schlichtweg nicht.“ Da Delivery Hero operativ zuletzt etwas unter Druck gestanden habe und Uber über die nötige Liquidität verfüge, sei das Timing für den Vorstoß über die Mehrheitsschwelle jetzt ideal gewesen.

Dass die Luft für Anbieter in Europa dünn geworden ist, macht auch die Führungsebene von Delivery Hero deutlich. „Das Liefergeschäft ist hochkompetitiv und in hohem Maße von Skaleneffekten abhängig“, begründete die Aufsichtsratschefin von Delivery Hero, Kristin Skogen Lund, den Verkauf. „Der Zusammenschluss mit einem starken Partner ist jetzt der richtige Schritt, um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und die Fähigkeit zur Wertschöpfung bestmöglich zu sichern.“ 

Das 2011 gegründete Berliner Unternehmen hat jahrelang unter dem Strich fast ausschließlich rote Zahlen geschrieben. Einen Überschuss wurde nur im Jahr 2019 eingefahren. Damals verkaufte das Unternehmen sein deutsches Heimatgeschäft mit den Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de an den Rivalen Takeaway.com (heute Just Eat Takeaway) und strich so einen hohen Sondergewinn ein. Ein neuer Anlauf auf dem deutschen Markt mit Foodpanda wurde 2021 schnell wieder verworfen. Nach dem Bestellboom in der Corona-Pandemie war zudem der Aktienkurs deutlich gesunken und der Druck der Anleger gewachsen. 2022 stieg die Delivery Hero SE aus dem deutschen Börsenleitindex Dax in den MDax der mittelgroßen Unternehmen ab.

Dass Uber dennoch bereit ist, viele Miliarden auf den Tisch zu legen, hat einen einfachen Grund: Das große Interesse erklärt Christoph Schalast, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management, im Gespräch mit ntv mit der globalen Stärke der Berliner. Delivery Hero sei stets „unglaublich gut“ darin gewesen, starke Marken aufzukaufen. Vor allem in den rasant wachsenden Märkten Asiens und auf der arabischen Halbinsel. Hierzu gehören vor allem die asiatische Plattform Foodpanda sowie die im Nahen Osten und Nordafrika dominierenden Marken Talabat und HungerStation. „Genau das ist im Kern die eigentliche Erfolgsstory von Delivery Hero“, so Schalast.

Um den Deal sowohl politisch als auch kartellrechtlich abzusichern, haben sich die beiden Giganten auf bemerkenswerte Bedingungen geeinigt: Uber verpflichtet sich im Zuge des Kaufs dazu, den Hauptsitz von Delivery Hero in Berlin beizubehalten und bis mindestens 2029 keine Änderungen an der Belegschaft in der deutschen Hauptstadt vorzunehmen. Gleichzeitig trennt sich Delivery Hero von seinem Geschäft in 14 Ländern, in denen das Unternehmen bisher mit dem Lieferdienst Uber Eats konkurriert.

Heinemann geht davon aus, dass sich Uber vorerst an die Zusagen halten wird, um schon allein regulatorischen Gegenwind in Deutschland zu vermeiden. „Zudem fallen die Kosten für diese Standortsicherung auf Konzernebene für einen Riesen wie Uber kaum ins Gewicht.“ Langfristig stellt der Investor die Berliner Struktur jedoch infrage: „Es wird unweigerlich erhebliche Synergieeffekte geben, insbesondere bei den Zentralfunktionen, die sich problemlos konsolidieren lassen. Sobald die Frist im Jahr 2029 abläuft, dürfte diese Schonfrist enden.“

An der Börse wurden die Neuigkeiten mit leichten Kursverlusten quittiert. Die Delivery-Hero-Aktie verlor kurz nach Handelsbeginn rund 0,7 Prozent auf 37,90 Euro und bewegte sich damit leicht unter dem Uber-Gebot von 41,50 Euro. Schalast sieht darin jedoch keinen Anlass zur Sorge. „Das ist der übliche Verlauf, denn die Story ist an der Börse jetzt im Grunde ausgereizt. Die Karten liegen offen auf dem Tisch.“ Zwar könnten vereinzelte Hedgefonds nun noch versuchen, taktische Spielchen zu spielen oder den Preis minimal zu treiben, aber das große Bild stehe. „Die entscheidenden Ankerinvestoren haben ihre Vereinbarungen längst getroffen und die Verträge unterschrieben. Da kommt keine große Überraschung mehr.“

Ohnehin sei der Preis von 41,50 Euro für die Aktionäre eine hervorragende Nachricht. Auch wenn Uber damit deutlich tiefer in die Tasche greifen muss als geplant. Noch im Mai war von 33 Euro je Aktie die Rede. „Man darf schließlich nicht vergessen, dass die Aktie zeitweise bei unter 20 Euro stand“, betont Schalast. Mit Kursen von zuletzt um die 40 Euro wurde die Aktie des Lieferdienst-Konzerns rund doppelt so teuer gehandelt wie noch vor wenigen Monaten. Als bekannt wurde, dass Uber seinen Anteil aufgestockt hat, trieb dies den Kurs wieder deutlich nach oben.

Schalast wertet den Verkauf als wichtiges Signal für den gesamten Standort. „Das ist auch extrem wichtig für das gesamte deutsche Startup-Ökosystem: Die hiesigen Investoren müssen endlich wieder nennenswerte Exits realisieren, um das freiwerdende Kapital in neue, innovative Projekte stecken zu können. Aus dieser Perspektive ist der Deal ein absolut positives Signal.“

Dennoch hinterlässt die Rekordsumme in der europäischen Startup-Szene einen faden Beigeschmack und schürt eine alte Angst: Sind hiesige Gründungen am Ende doch nur billige Übernahmekandidaten für finanzstarke Käufer aus Übersee ?Heinemann zufolge ist der 13-Milliarden-Deal nur bedingt ein Beweis dafür, dass europäische Tech-Champions zwangsläufig im Silicon Valley landen. „Bei klassischen, unregulierten Plattform-Geschäften ist da sicherlich viel Wahres dran. Auf der anderen Seite gibt es im Lieferbereich mit Just Eat Takeaway noch immer starke Player, auch wenn deren Eigentümerstruktur eher südafrikanisch-europäisch geprägt ist.““

Er gibt aber auch zu bedenken: Auf dem globalen Plattform-Markt gewinnen am Ende meist die Riesen aus den USA oder China. Künftige europäische Erfolgsgeschichten erwartet er eher in anderen Branchen wie etwa im Deep-Tech-Bereich und in stark regulierten Märkten. „In Branchen wie dem Fintech-Sektor – man denke an Beispiele wie Revolut oder Trade Republic – haben europäische Player weitaus bessere Chancen, sich dauerhaft als eigenständige Champions zu behaupten.“

Quelle: ntv.de, mit dpa

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