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Startseite»Nachrichten»Rechts- oder Linkshänder: Ist die Vorliebe für eine Seite angeboren oder erworben?
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Rechts- oder Linkshänder: Ist die Vorliebe für eine Seite angeboren oder erworben?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 17, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Rechts- oder LinkshänderIst die Vorliebe für eine Seite angeboren oder erworben?

Der Anteil der Linkshänder wird oftmals mit zehn Prozent der Gesamtbevölkerung angegeben. (Foto: IMAGO/Südtirolfoto)

Seit Jahrzehnten gibt es die wissenschaftliche Annahme, dass die Vorliebe für die Nutzung einer Hand beispielsweise beim Schreiben angeboren ist. Doch nach ausgeklügelten Experimenten zieht ein Forschungsteam diese Hypothese in Zweifel.

Ob jemand Links- oder Rechtshänder ist, könnte am Training dieser Hand als an einem angeborenen motorischen Vorteil in einer der beiden Gehirnhälften liegen. Das haben Forschende der University of California und der Johns Hopkins University herausgefunden. Die Ergebnisse der Studie stellen die langjährige wissenschaftliche Annahme infrage, dass eine Gehirnhälfte eine natürliche Dominanz für Aufgaben wie Schreiben, Werfen oder Werkzeuggebrauch besitzt.

„Die Dominanz einer Extremität wird oft als Beweis dafür angesehen, dass die dominante Gehirnhälfte von Natur aus besser zur motorischen Kontrolle fähig ist“, schreiben die Forschenden in einem Beitrag, der in der Fachzeitschrift „Proceeding of he National Academy of Sciences“ veröffentlicht wurde. Doch diese Hypothese stellt das Forschungsteam um den Neurologen Ahmet Arac nun in Frage. Vor allem lebenslange Übung entscheide darüber, ob jemand Links- oder Rechtshänder sei.

Greifübungen und Schreiben mit Ellenbogen

Für ihre Untersuchung kreierten die Forscher zwei verschiedene Experimente. In dem ersten Test wurden die Studienteilnehmenden, die alle Rechtshänder sind, dazu aufgefordert, einfach zuzugreifen, danach kam das Greifen mit einem knapp zwei Kilogramm schweren Handgelenkgewicht und danach das Greifen mit einem leichten Stock, der am Unterarm befestigt war. So sollte der Gebrauch von Werkzeug simuliert werden. Bei allen Aufgaben wurden die Bewegungen der gesunden Erwachsenen mit sogenannten Motion-Capture-Kameras verfolgt, um die Bewegungen im 3D-Format auswerten zu können.

Dabei zeigte sich: Bei den einfachen Greifbewegungen und wenn ein Gewicht hinzugefügt wurde, um die Bewegung physisch schwieriger zu gestalten, schnitten der dominante und der nicht-dominante Arm etwa gleich gut ab. Sobald jedoch der Stock zur Werkzeugsimulation hinzugefügt wurde, war der sonst dominante Arm dem nicht-dominanten Arm überlegen.

In den anschließenden Experimenten bekamen die Studienteilnehmenden die Aufgaben, sowohl mit rechts als auch mit links Buchstaben und Zahlen zuerst mit einem Stift von Hand und dann mit einem Stift, der an ihrem Ellbogen befestigt war, zu schreiben. Diese eigenwillige Art zu schreiben, hatte keiner der insgesamt elf Probanden vorher versucht. Die Studienteilnehmenden sollten im nächsten Schritt üben, so zu schreiben.

Danach werteten die Forscher das Schriftbild mit moderner Technik aus. Es zeigte sich: Wenn die Teilnehmer mit dem Ellbogen statt mit der Hand schrieben, verschwand der übliche Vorteil der dominanten Seite vollständig, denn mit beiden Ellbogen wurde anfangs gleich schlecht geschrieben. Nach der Übungsphase jedoch veränderte sich das Schriftbild für beide Seiten gleichermaßen. Beide Seiten wurden nach dem Üben sogar besser als die dominante Seite zuvor.

Übung macht den Rechts-/Linkshänder

„Der dominante Arm ist nicht deshalb leistungsfähiger, weil eine Gehirnhälfte Bewegungen einfach besser steuern kann“, wird Arac in einer Uni-Mitteilung zitiert. Es liege vielmehr daran, dass wir ein Leben lang die spezifischen, komplexen Bewegungen übten, die für das Schreiben und den Gebrauch von Werkzeugen wichtig seien. Außerdem zeigte sich, wie anpassungsfähig das Gehirn ist.

Die Ergebnisse der Untersuchung könnten vor allem für Therapeuten von Schlaganfall-Betroffenen und anderen einseitig eingeschränkten Patienten von großem Nutzen sein, fassen die Forscher zusammen. Dieses Trainingsexperiment bestärke die Ansicht, dass die „Fähigkeit zur Präzision“ keine feste, sondern eine erworbene Eigenschaft eines Körperteils sei, die durch Übungserfahrung bestimmt werde. Zusammengenommen führten die Ergebnisse der Ellbogenstudie, des Trainingsexperiments und der Forschung zu Fußkünstlern zu einem Schluss: Die Fähigkeiten eines Körperteils hängen maßgeblich von seinen bisherigen Tätigkeiten ab.

Quelle: ntv.de, jaz

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