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Karten zeigen ungekanntes Ausmaß: Waldbrände in Spanien und Frankreich: Früher, größer, stärker

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 28, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Karten zeigen ungekanntes AusmaßWaldbrände in Spanien und Frankreich: Früher, größer, stärker

Bei Avila, westlich von Madrid, hat ein einzelnes Großfeuer bereits mehr als 40.000 Hektar zerstört. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

In Frankreich und Spanien wüten verheerende Waldbrände. Neu ist das Phänomen keineswegs – ungewöhnlich sind aber Zeitpunkt und Stärke der Brände in beiden Ländern. Karten und Diagramme zeigen das enorme Ausmaß auch im Vergleich zu den Vorjahren. 

Tausende Einsatzkräfte in Spanien und Frankreich kämpfen seit Tagen gegen die verheerenden Waldbrände in den beiden Mittelmeerländern. Nach Angaben des Europäischen Waldbrand-Informationssystems (EFFIS) ist in Frankreich mit mehr als 90.000 Hektar in diesem Jahr bereits mehr Wald verbrannt als im gesamten Jahr 2025. Auf die Durchschnittswerte der vergangenen Jahre seit Beginn der Messung 2006 bezogen, ist die verbrannte Fläche fünfmal größer. 

Die Lage in Spanien ist noch dramatischer: In diesem Jahr sind bisher mehr als 200.000 Hektar und damit mehr als doppelt so viel Fläche verbrannt wie sonst im jährlichen Durchschnitt seit 2006. Im Vergleich zum selben Zeitpunkt 2025 ist die verbrannte Fläche etwa sechsmal größer.

Zudem breiten sich die Feuer in beiden Ländern früher und schneller aus als in den vergangenen Jahren: Die Waldbrandsaison fing in den vergangenen Jahren erst im August an, dem heißesten Monat des Jahres. Nun wurden die langjährigen Durchschnittswerte bereits Ende Juli weit übertroffen, in Frankreich sogar die seit 2006 gemessenen Maximalwerte bis zum Monat Juli.

In Frankreich befindet sich der aktuell größte Brandherd bei Bordeaux. Trockenheit und Pinienwälder sorgten dafür, dass binnen kürzester Zeit 42.000 Hektar Land verbrannt sind und etwa 220.000 Anwohner und Urlauber aus der Umgebung der Weinstadt im Südwesten des Landes evakuiert werden mussten.  

Insgesamt 2750 Feuerwehrleute, 18 Löschflugzeuge, 1500 Soldaten sowie 1440 Polizeikräfte waren ununterbrochen im Einsatz. Sie schlugen gezielt Schneisen in den Wald, um die weitere Ausbreitung zu verhindern. Inzwischen konnte das Feuer zumindest eingedämmt werden.

Auch ein weiterer Großbrand 40 Kilometer weiter südlich in Biscarrosse konnte dank unermüdlicher Einsatzkräfte kontrolliert werden, sodass 15.000 Anwohner schrittweise zurückkehren können. Die Rauchentwicklung in der Region ist jedoch noch so stark, dass die französische Regierung etwa 1,5 Millionen FFP2-Masken in die Region geschickt hat und an Ältere und Schwangere verteilen lässt.

Entwarnung gibt es von den Behörden nicht: Die nächste Hitzewelle, Wind und Trockenheit bergen die Gefahr, dass die Feuer jederzeit wieder aufflammen können. Im Nachbarland Spanien verkündete Innenminister Fernando Grande-Marlaska bereits: „Ab Mittwoch werden die Wettervorhersagen für die Löscharbeiten deutlich ungünstiger, aber wir bleiben zuversichtlich“.

Nachdem der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez am vergangenen Wochenende wegen der Großbrände in Zentralspanien den Notstand ausgerufen hatte, entsandten Griechenland, Italien und Portugal zusätzliche Löschflugzeuge, Ausrüstung und Soldaten. Die meisten Einsatzkräfte kämpfen westlich der Hauptstadt bei Avila gegen die Flammen. Dort herrscht das größte Einzelfeuer, das bereits knapp 50.000 Hektar Land verbrannt hat. Etwas weiter östlich davon brennen zwei weitere Großfeuer, wie die Karte zeigt. Mehr als 100.000 Menschen aus der Region mussten ihre Häuser vorübergehend verlassen. Aufgrund einer bisher nur leichten Eindämmung der Feuer konnten erst wenige wieder zurückkehren.

Hinzu kommt ein Großfeuer mit einer betroffenen Fläche von mehr als 30.000 Hektar nordöstlich von Madrid. Zwei andere Großbrände nördlich von Madrid sind seit einigen Tagen gelöscht. Allein im Juli sind in den Regionen rund um die spanische Hauptstadt laut EFFIS-Daten mehr als 100.000 Hektar Wald verbrannt. 

Die Feuerwehr kämpft gegen die Zeit, da der Wetterdienst Aemet ab Mittwoch eine weitere Hitzewelle prognostiziert. Bis Sonntag können Temperaturen von bis zu 42 Grad sowie eine sinkende Luftfeuchtigkeit die Arbeiten deutlich erschweren. 

Ebenso dramatisch sieht es auch in der östlichen Provinz Castellon aus, oberhalb der Großstadt Valencia. Dort sind die Löscharbeiten durch Munition aus dem Spanischen Bürgerkrieg erschwert. Diese explodieren, wenn die Flammen sie erreichen, sagte der regionale Feuerwehrchef Chevi Bolumar dem Sender TVE.

Ein wichtiger Faktor für die so frühe und heftige Feuersaison in Frankreich und Spanien sind laut Experten ausgerechnet die starken Niederschläge im Januar und Februar. Was zunächst widersprüchlich klingen mag, erklärt Klimawissenschaftlerin Julia Miller vom schweizerischen WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF so: „Nach feuchten Wintern gibt es in Südwesteuropa beste Wachstumsbedingungen für die Pflanzen.“ Durch die beiden Hitzewellen in diesem Jahr sei aber die „Vegetation ausgetrocknet“ – und deshalb ein perfekter Nährboden für die großflächige Ausbreitung von Bränden, wie sie beide Länder aktuell erleiden.

Quelle: ntv.de, gri/cwo/dpa/rts/AFP

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