Der ehemalige BND-Chef Hanning muss in Untersuchungshaft. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs habe den Haftbefehl in Vollzug gesetzt, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Hanning steht unter Spionageverdacht.
Einen Tag nach seiner Festnahme ist der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, in Untersuchungshaft genommen worden. Der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof setzte den Haftbefehl in Vollzug, wie eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft sagte.
Der 80-Jährige steht unter Verdacht, von seinem früheren Büroleiter geheime BND-Erkenntnisse gekauft und teils weitergegeben zu haben – zu einer Zeit, in der Hanning selbst nicht mehr beim BND war. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor.
Weitergabe an ausländischen Dienst?
In einem Fall soll Hanning geheime Informationen genutzt haben, um für den Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates eine Analyse zu erstellen. „Ob das Produkt den Adressaten erreichte, ließ sich bislang nicht feststellen“, erklärte die Bundesanwaltschaft. Um welches Land es geht, blieb offen.
Einem Bericht des Spiegel zufolge solle es um Aserbaidschan gehen. Die Regierung in Baku dementierte die Anschuldigungen. Diese „Desinformation“ solle den deutsch-aserbaidschanischen Beziehungen schaden.
Hannings früherer Büroleiter beim BND, Manfred D., sitzt schon wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung in U-Haft. Kurz zuvor hatten Beamte des Bundeskriminalamts die beiden am Dienstag festgenommen – Hanning in Nordrhein-Westfalen, D. in Bayern.
Geheimnisse gewinnbringend verkauft?
Hanning war von Dezember 1998 bis Ende November 2005 BND-Präsident. Vermutlich etwa fünf Jahre später sollen die beiden vereinbart haben, dass der Ex-Büroleiter dem fünf Jahre zuvor aus dem Amt geschiedenen Hanning gegen Bezahlung wertvolle BND-Erkenntnisse besorgen solle. Diese Informationen soll Hanning gewinnbringend bei seiner Beratertätigkeit verwertet haben.
Hanning arbeitete zuletzt als Sicherheitsberater. Diese Tätigkeit brachte die Ermittler wohl auf seine Spur. Das Landeskriminalamt (LKA) Hamburg durchsuchte vergangenen September sein Haus und seine Büros. Es war auf der Suche nach Beweismitteln im Entführungsfall Block.
Die Staatsanwaltschaft Hamburg beschuldigt die Steak-House-Erbin Christina Block, Ende 2023 wegen eines Sorgerechtsstreits die Entführung ihrer zwei jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben. Hanning soll laut Ermittlern in einen früheren Entführungsversuch der Kinder verwickelt sein, was er bestreitet.
