Positiven Prognosen zum TrotzReiche: Wirtschaftswachstum steht auf wackligen Beinen
Die Bundesregierung dürfte ihre Wachstumserwartung deutlich anheben. Für Wirtschaftsministerin Reiche ist das jedoch kein Grund zur Entwarnung: Vor entscheidenden Wochen der Koalition verweist sie auf ungelöste Probleme.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betont trotz einer erwarteten höheren Konjunkturprognose der Bundesregierung die Notwendigkeit von Strukturreformen. Die CDU-Politikerin sagte im Bundestag, das Wachstum stehe noch auf wackligen Beinen. „Die Lage bleibt fragil.“ Deutschland werde von externen Krisen wie dem Iran-Konflikt belastet. „Aber wir haben vor allem auch Hausaufgaben zu machen.“
Es müssten Fesseln gelöst werden, sagte Reiche. Sie nannte flexiblere Arbeitszeiten, eine Stabilisierung der Sozialabgaben, weniger Bürokratie und wettbewerbsfähige Energiepreise. Die schwarz-rote Koalition steht vor wegweisenden Wochen. Maßnahmen zum Arbeitsmarkt und bei der Rentenreform sind umstritten.
Reiche stellt am morgigen Donnerstag die Herbstprojektion der Bundesregierung vor. Erwartet wird, dass die Regierung wie zuvor führende Wirtschaftsforschungsinstitute für das laufende Jahr nun mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent rechnet. Reiche sagte, Treiber des Wachstums seien stärkere Exporte und staatliche Ausgaben zur Modernisierung der Infrastruktur.
Im Frühjahr hatte die Bundesregierung infolge des Iran-Kriegs mit Preissprüngen bei Öl und Gas ihre Konjunkturprognose gesenkt auf ein Wachstum von 0,5 Prozent.
Wie die Weltwirtschaft sich weiter entwickelt und wo es Probleme geben könnte, dazu will sich der Internationalem Währungsfonds am Dienstag ausführlicher äußern. An diesem Tag legt der Fonds seine neue Konjunkturprognose vor. Der IWF hatte im Juli für das laufende Jahr ein globales Wachstum von 3,0 Prozent vorhergesagt, für 2027 wird ein Anstieg von 3,4 Prozent erwartet. Für Deutschland rechnet der IWF in diesem Jahr mit einem Plus von 0,7 Prozent, 2027 dürfte die Wirtschaft dann um 1,0 Prozent wachsen.
