Bisher gibt es nur den Vorschlag der CSU: Ilse Aigner soll Bundespräsidentin werden. Doch in der CDU gibt es den Wunsch nach einem Namen aus den eigenen Reihen. Nun wird der von Ines Claus genannt. Hätte sie Chancen?
Der Vorschlag ist auch für einige in der CDU überraschend: Ines Claus wird derzeit als mögliche Nachfolgerin für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gehandelt. Die 49-jährige Politikerin ist derzeit Fraktionsvorsitzende der CDU im hessischen Landtag.
Claus betonte gegenüber der ARD: „Wir führen gerade eine Profildebatte und haben viele wichtige Aspekte identifiziert.“ Jetzt gelte es, ein geordnetes Verfahren einzuhalten. Innerhalb der Partei, also mit den Ministerpräsidenten, den Führungsgremien der CDU und der CSU und natürlich mit dem Koalitionspartner SPD. Zur Nennung als mögliche Bundespräsidenten-Kandidatin sagte Claus:
Es ist für mich eine große Ehre, in diesem Zusammenhang genannt zu werden.
Söder macht sich für Aigner stark
Als größte Fraktion im Bundestag beansprucht die Union bei der nächsten Bundespräsidentenwahl das Vorschlagsrecht. Bisher hatte es mit der bayerischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner nur einen Vorschlag der CSU gegeben. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte sich auf dem CSU-Parteitag vergangenes Wochenende noch einmal für Aigner stark gemacht.
Bundeskanzler und CDU-Parteichef Friedrich Merz hat sich bislang nicht geäußert. Merz befindet sich derzeit auf Asien-Reise. Die Frage der Kandidatin oder des Kandidaten für das Bundespräsidentenamt soll am 9. November in den CDU-Parteigremien besprochen werden.
Klöckner, Prien, Kramp-Karrenbauer
Die CSU-Politikerin Aigner hat als Bundes- und Landesministerin viel politische Erfahrung gesammelt, als Landtagspräsidentin bekleidet sie zudem bereits ein überparteiliches Amt. Die gelernte Elektrotechnikerin gilt als zupackend und volksnah. Auch in der SPD hatten einige bereits Zustimmung für ihre mögliche Kandidatur signalisiert.
Doch zuletzt hatten sich Stimmen aus der CDU gemehrt, die eine Kandidatin aus den Reihen der eigenen Partei forderten. In diesem Zusammenhang nannte Unionsfraktionschef Thorsten Frei bei Welt TV Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien oder die ehemalige CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die heute die Konrad-Adenauer-Stiftung leitet, als geeignete Kandidatinnen aus den Reihen der CDU.
Kramp-Karrenbauer und Prien sollen für eine mögliche Kandidatur allerdings wenig Rückhalt in der CDU genießen. Julia Klöckner könnte dagegen beim Koalitionspartner SPD auf Widerstand stoßen.
Doch ein männlicher Kandidat?
Auch das hat den Blick möglicherweise auf die bisher einer breiten Öffentlichkeit eher unbekannte Ines Claus gelenkt. Sie ist, neben Wiebke Winter aus Bremen, eine von nur zwei weiblichen CDU-Fraktionsvorsitzenden in den Ländern. Claus ist Juristin. Innerhalb der CDU-Führung gilt das bei einigen als Voraussetzung, um das höchste Staatsamt in politisch schwierigen Zeiten angemessen führen zu können.
Andere sehen in diesem Anspruch eher den Versuch, Aigner oder mögliche andere Kandidatinnen auszuschließen. Zudem heißt es aus CDU-Kreisen, es sei durchaus denkbar, statt einer Frau einen männlichen Kandidaten aufzustellen. Allerdings drängt langsam die Zeit. Am 30. Januar 2027 soll die Bundesversammlung das neue Staatsoberhaupt wählen.

