„Frust weggeschossen“
Unions „Systemabsturz“ fühlt sich für El Mala „einfach geil an“
Auf der einen Seite desaströs, auf der anderen furios: Der 1. FC Union Berlin stellt im DFB-Pokal-Spiel gegen den 1. FC Köln das Spielen ein und kassiert eine üble Klatsche. Kapitän Khedira findet deutliche Worte.
Rani Khedira nahm nach der bitteren Pokal-Pleite des 1. FC Union Berlin beim 1. FC Köln kein Blatt vor den Mund. „In der zweiten Halbzeit hat es einen Systemabsturz gegeben. Wir haben zu weit auseinandergestanden und zu viele Fehler gemacht“, sagte der Kapitän der Eisernen nach dem ernüchternden 0:5 (0:1) im Duell mit dem Bundesligarivalen. Khedira redete Klartext: „Das war eine Nichtleistung, für die wir uns bei den Fans entschuldigen müssen. Für die tut es uns verdammt leid.“
Ähnlich bewertete Gäste-Trainer Mauro Lustrinelli den erschreckend schwachen Auftritt der Berliner in der zweiten Halbzeit. „Wir sind gut ins Spiel reingekommen, deshalb hatte ich ein gutes Gefühl. Doch dann haben wir auf einmal die Kompaktheit und nach dem zweiten Gegentor völlig den Faden verloren“, kritisierte der Schweizer und stellte fest: „Am Schluss war jeder Schuss ein Tor.“
Vor allem Said El Mala nutzte das aus. Der Nationalspieler erzielte zwei Tore selbst (32./60.) und bereitete ein weiteres von Linton Maina vor (51.). Der eingewechselte Isak Johannesson (78.) und Sebastian Sebulonsen (88.) besorgten den Endstand.
El Mala hat sich „Frust weggeschossen“
Die auch in der Höhe verdiente Niederlage wollte Lustrinelli im laufenden Entwicklungsprozess seines Teams aber nicht überbewerten. „Das war ein Stolpern. So etwas kann passieren“, sagte der 50-Jährige und kündigte an: „Wir werden das in Ruhe besprechen und am Sonntag eine Reaktion zeigen.“ Dann bietet sich den Berlinern im Bundesligaduell gegen Köln vor heimischer Kulisse (15.30 Uhr/DAZN und im ntv.de-Liveticker) die Möglichkeit zur schnellen Revanche. „Der gleiche Gegner, aber wir müssen alle Dinge besser machen und zu unserer Stärke zurückfinden“, forderte Khedira deshalb.
Die deftige Pokal-Pleite wollte der 32 Jahre alte Routinier ebenfalls nicht als Rückschlag einstufen. „Man hat in den vergangenen Wochen gesehen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ich weiß nicht, ob man jetzt von einer Delle sprechen sollte“, beschied Khedira und versprach den Fans: „Die Mannschaft hat Charakter und wird sich wieder aufrichten, um es am Sonntag besser zu machen. Wir werden versuchen, unsere Stärken auf den Platz zu bekommen.“
Vor allem müsse man Nationalspieler El Mala, der zwei der fünf FC-Tore erzielte und eines vorbereitete, besser aus dem Spiel nehmen. „Wir müssen bei El Mala enger dran sein und dürfen den Ball in der Vorwärtsbewegung nicht verlieren, weil es dann gegen sein Tempo und seine Qualität schwer zu verteidigen ist“, sagte Khedira. Das weiß auch Lustrinelli: „Man hat gesehen, dass ein Spieler wie El Mala den Unterschied machen kann. Ich werde eine Lösung finden in den nächsten Tagen.“
El Mala aber genoss erst einmal die „Gänsehaut“, die er hatte, als er sich nach seiner Auswechslung in der 81. Minute feiern ließ. Nach Abpfiff stand er Arm in Arm mit Bruder Malek. „Wir haben uns den Frust weggeschossen, es fühlt sich einfach geil an.“ Die Atmosphäre sei „geisteskrank“ gewesen. „Es hat extrem Spaß gemacht, mit den Jungs zu kicken. Wir haben uns in jeden Zweikampf reingehauen, hatten Bock, Tore zu schießen“, sagte El Mala: „Irgendwann platzt der Knoten. Ich glaube, heute war der Tag.“ Sehr zum Leidwesen der Berliner.
Verwendete Quellen: ntv.de, ara/dpa/sid
