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Kein klarer Wahlsieger in Israel nach Prognosen – dennoch beansprucht sowohl das Netanjahu-Lager als auch das Bündnis um Ex-Militärchef Eisenkot die Regierungsbildung für sich. Zulegen können die arabischen Parteien. Alle Entwicklungen im Liveblog.
Nach Auszählung von gut 50 Prozent der Stimmen bei der Parlamentswahl in Israel hat der rechtsreligiöse Block von Premierminister Benjamin Netanjahu Medien zufolge seinen Vorsprung leicht ausgebaut. Eine klare Mehrheit erreicht er aber weiterhin nicht. Laut israelischen Medienberichten kommt Netanjahus Lager nach gegenwärtigem Stand auf 56 der 120 Sitze in der Knesset und liegt damit sieben Sitze vor dem gegnerischen Lager von Ex-Militärchef Gadi Eisenkot.
Netanjahus Likud-Partei wurde den Angaben zufolge stärkste Kraft mit 27 Parlamentssitzen. Dahinter liegt die Mitte-Partei Jaschar von Eisenkot, die demnach auf 21 Sitze kommt.
Nach dem knappen Ausgang der Parlamentswahl in Israel haben beide Blöcke die Regierungsbildung für sich beansprucht. Sowohl Premier Benjamin Netanjahu als auch der wichtigste Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot kündigten an, eine neue Regierung bilden zu wollen. Allerdings verfehlten beide Blöcke die dafür erforderliche Mehrheit von 61 Sitzen. Prognosen zufolge lagen sie gleichauf. Deutliche Zugewinne verzeichneten dagegen die beiden Listen der arabischen Staatsbürger – sie könnten nun zum Königsmacher werden.
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat vor einer Regierung mit arabischen Parteien gewarnt. „Wir dürfen keine Regierung bilden, die sich auf arabische, antizionistische Parteien stützt“, sagte der 77-Jährige in der Nacht. Er warf den arabischen Parteien vor, gegen die Existenz Israels zu sein, die palästinensische Terrororganisation Hamas als wohltätige Organisation zu bezeichnen und israelische Soldaten als Kriegsverbrecher zu verunglimpfen.
Die arabischen Parteien verbesserten ihr Ergebnis offenbar deutlich. Die islamisch-konservative Raam-Partei käme den Prognosen zufolge auf sieben Sitze, die linksgerichtete Vereinigte Liste auf zehn bis elf. Gemeinsam könnten sie ihren bisherigen Rekord von 15 Mandaten aus dem Jahr 2020 übertreffen. Die Parteien gehören nicht zu Eisenkots Block, könnten ihm aber zu einer Mehrheit verhelfen. Eisenkot hatte eine Regierungsbildung mit ihnen jedoch praktisch ausgeschlossen.
Ex-Militärchef Gadi Eisenkot will nach der Parlamentswahl in Israel rasch eine neue Regierung bilden. Das Land sei „auf dem Weg zu einer neuen Ära der Hoffnung“, sagte der Vorsitzende der Mitte-Partei Jaschar am Wahlabend vor Anhängern. Laut Prognosen führender Fernsehsender wurde seine Partei bei der Abstimmung zweitstärkste Kraft hinter der rechtskonservativen Likud-Partei von Premier Benjamin Netanjahu.
Der 66-jährige Eisenkot hat sich als stärkster Herausforderer Netanjahus positioniert. Der ehemalige Militärchef, der im Gaza-Krieg einen Sohn und zwei Neffen verlor, gilt innenpolitisch als moderat, vertritt in Sicherheitsfragen jedoch eine harte Linie. Er lehnt einen palästinensischen Staat ab und fordert die Zerstörung des militärischen Flügels der Hamas. Eisenkot ging vor vier Jahren in die Politik. Lesen Sie hier ein Porträt:
Die israelische Parlamentswahl gilt als richtungsweisend, wenn nicht sogar als Schicksalswahl. Das zeigt sich auch an der Wahlbeteiligung: Sie war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Lesen Sie hier mehr zur Stimmung im Land vor der Wahl:
