Es bleibt turbulent
Lennart Karl trifft gegen den Ärger – und provoziert
Der FC Bayern München besiegt Atlético Madrid in der Champions League. Eine der Geschichten des Abends schreibt Lennart Karl. Der trifft zur Führung – und zeigt dann, dass die vergangenen Tage nicht spurlos an ihm vorbeigehen.
Lennart Karl ist möglicherweise der beste deutsche Fußballer seines Jahrgangs: Der 18-Jährige gilt den deutschen Fans als große Hoffnung, beim FC Bayern gab er in der vergangenen Saison den Senkrechtstarter – doch nun sorgt der bisweilen brillante Offensivspieler für überraschend viele Verwerfungen in seinem Klub: Die ganz hohen Tiere arbeiten sich dieser Tage an dem zuletzt sportlich etwas durchhängenden Teenager ab – und an dessen Berater Michael Ballack, der als heutiger TV-Experte eine komplizierte Doppelrolle besetzt. Nun gibt es eine neue Episode: Karl, auf den zuletzt so viel einprasselt, schießt sein Team im Champions-League-Duell bei Atlético Madrid in Führung. Und feiert auf eine besondere Art.
In der 54. Minute des zähen Duells stibitzt Karl der Atlético-Abwehr listig den Ball und kämpft den Ball aus kurzer Distanz ins Netz. Anschließend jubelt der von Anfang an aufgebotene Nachwuchsstar zunächst mit seinen Teamkollegen – und führt anschließend beide Hände auf die Höhe seiner Ohren und imitiert pantomimisch ein Plappern. Wem die Geste galt? Fraglich. Die schärfste Kritik am jungen Profi kam zuletzt aus den eigenen Reihen.
Hoeneß und Eberl im Gleichklang
Zuerst verkündet Klub-Patron Uli Hoeneß, dass er Karl mal einnorden wolle. „Ich habe mir vorgenommen, ein ernstes Gespräch mit ihm zu führen. Er ist noch lange kein Superstar, junge Spieler brauchen Demut“, sagte Hoeneß der „Welt am Sonntag“ und kritisierte auch die ausufernden Social-Media-Aktivitäten des extrovertierten Teenagers. Nach Ansicht des 75-Jährigen haben die Lobeshymnen dem Senkrechtstarter der vergangenen Saison ein wenig den Kopf verdreht. „Junge Spieler brauchen auch Druck. Ich weiß nicht, ob es Lennart Karl guttut, wenn man ihn immer nur in den Arm nimmt“, sagte Hoeneß und befand: „Vergleiche mit Olise tun ihm offensichtlich nicht gut, da liegen noch Welten dazwischen.“
Anschließend moserte Sportvorstand Max Eberl dezent an Karls Situation herum: „Lenny muss auf dem Platz zeigen, dass er wieder herauskommt aus diesem Loch“, verkündete Eberl, es sei „eben heute so, dass der eine oder andere Fehltritt dabei ist. Das ist jetzt aber nicht schlimm und für mich auch nicht ausschlaggebend für die Leistung. Er soll sich auf den Fußball konzentrieren.“
Viel Gepolter von allen Seiten
Eine Aussage, mit der er Berater Ballack auf die Palme brachte. „Dass Max nun, nachdem Lennarts Leistungskurve wieder klar nach oben zeigt, ihm ein sportliches Loch attestiert, geschmückt mit Fehltritten, ist vom Zeitpunkt her unverständlich und inhaltlich zumindest mal zu hinterfragen“, sagte der ehemalige Bayern-Profi im Rahmen des Duells des Rekordmeisters gegen Borussia Dortmund (2:2) bei DAZN.
Eberl wiederum regierte nach dem BVB-Spiel mit Befremden auf Ballacks Äußerungen. Es sei erwartbar gewesen, dass Karls Entwicklung „auch mal eine Delle haben kann. Sie geht nicht nur gerade nach oben. Nichts anderes haben wir gesagt“, betonte er. Tatsächlich „beeindruckt mich“ ergänzte Eberl, „wie dieser junge Mensch das jetzt auch zur Seite schiebt. Das ist das, was ich im Grunde als FC Bayern gesagt habe.“ Deswegen habe er Ballacks Kritik „auch nicht ganz verstanden“.
Ballack konterte, dass Karls bisweilen dezent exzentrische Auftritte – beispielsweise mit knallpinkem Outfit und auf den Social-Media-Profilen seiner Freundin, der Influencerin Zoe Käppele – nicht mit dessen sportlicher Situation vermischt werden dürfe: „Und genau das macht der FC Bayern. Dass Uli Hoeneß diese Außendarstellung kritisiert, ist legitim. Aber dass er Lennart damit öffentlich zur Zielscheibe erklärt, ist auch klar.“
Viel Gepolter rund um den Teenager, der im Sommer als großer deutscher Hoffnungsträger zur WM gereist war und dann verletzt noch vor dem Turnierstart wieder in der Heimat landete. „Ich hoffe, dass Lennart sich nicht schon, bevor er das 20. Lebensjahr erreicht hat, total verbiegen lässt. Dabei hat er meine volle Unterstützung“, verkündete Ballack. Sportlich sendet Lennart Karl gegen Atlético ein starkes Signal – und legt mit einer Geste nach, die im Gespräch mit Uli Hoeneß möglicherweise noch zum Thema wird.
Verwendete Quellen: ntv.de, ter
