Amtsinhaber Vucic gegen StudentenHohe Wahlbeteiligung in Serbien zeichnet sich ab
Bei der Parlamentswahl in Serbien verzeichnen die Wahllokale bereits früh einen hohen Andrang. Erst am Abend wird sich zeigen, ob sich Machthaber Vucic gegen die Studentenbewegung durchsetzen kann. Zahlreiche Indizien deuten allerdings auf Unregelmäßigkeiten hin.
Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Serbien zeichnet sich eine ausgesprochen hohe Wahlbeteiligung ab. Bis 13.00 Uhr gaben bereits 41,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, berichtete die unabhängige Wahlforschergruppe CRTA. Bei der letzten Parlamentswahl im Dezember 2023 waren es zum selben Zeitpunkt 26,6 Prozent der Wahlberechtigten gewesen.
Rund 6,4 Millionen Bürgerinnen und Bürger sind offiziellen Angaben zufolge dazu aufgerufen, die 250 Abgeordneten der Volksversammlung (Skupstina) zu wählen. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS) des Langzeitherrschers Aleksandar Vucic und der Liste „Die Studenten siegen“ der neuen Studentenbewegung voraus.
Das Ergebnis entscheidet darüber, ob Vucic seine teilweise autoritär ausgeübte Macht bewahren kann oder nicht. In wechselnden Funktionen bestimmt der 56-Jährige bereits seit 2012 die Politik des Landes. Kritiker werfen ihm Korruption und Verbindungen zur organisierten Kriminalität vor. Er war Ende September von seinem Amt als Staatspräsident zurückgetreten, um im Falle eines Wahlerfolgs seiner Partei Regierungschef zu werden.
Hinweise auf Stimmenkauf und Wählereinschüchterung
Die Wahlen finden in einer angespannten Atmosphäre statt. CRTA berichtete von zahlreichen Indizien auf Stimmenkauf und Wählereinschüchterung im ganzen Land. In 25 Prozent aller serbischen und in der Hälfte aller Belgrader Wahllokale stellten Wahlbeobachter fest, dass Stimmzettel fotografiert wurden, hielt CRTA fest.
Die hohe Beteiligung, die sich abzeichnet, lässt Experten zufolge vorerst keine Rückschlüsse auf das zu erwartende Ergebnis zu. Aus den reinen Beteiligungszahlen würde sich nicht ableiten lassen, in welchem Maße die jeweiligen Seiten ihre Wähler zu mobilisieren vermochten. Die Wahllokale schließen um 20.00 Uhr. Mit aussagekräftigen Teilergebnissen wird am späten Abend gerechnet.
