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Startseite»Politik»Andy Burnham wird Labour-Chef: Zwischen Hoffen und Zweifeln
Politik

Andy Burnham wird Labour-Chef: Zwischen Hoffen und Zweifeln

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 17, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 17.07.2026 • 08:07 Uhr

Andy Burnham, Ex-Bürgermeister von Manchester, wird heute neuer Labour-Chef – und am Montag Premier. In der boomenden Stadt verbinden viele mit ihm Hoffnung. Doch es gibt auch Bedenken.

Mareike Aden

Es ist Bingo-Abend im Stubshaw Cross Community Club im Westen von Manchester, etwa 40 Autominuten vom Stadtzentrum entfernt. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Fotos von Arbeitern aus den Kohleminen, die es in der gesamten Umgebung bis Ende der 1980er-Jahre gab.

Früher trafen sich Arbeiter hier, um gemeinsam Sport zu treiben und anschließend ein paar Pints zu trinken. Auch heute noch ist das hauseigene Pub das Herzstück des Clubs. Damals wie heute stehen die meisten Besucherinnen und Besucher der sozialdemokratischen Labour-Partei nahe.

„König aus dem Norden“

Als Andy Burnham vor Kurzem eine Nachwahl gewinnen musste, um auf seinem Weg in die 10 Downing Street überhaupt erst ins Parlament von Westminster einzuziehen, hatte er mit seinem Team in den Räumen des Clubs sein Hauptquartier. Er nahm das Angebot von Club-Chef Adam Arstall an.

„Andy ist so bodenständig“, sagt Arstall, während er neben dem Zapfhahn steht. „Er spricht mit jedem auf Augenhöhe. Er ist charismatisch, und man hat den Eindruck: Was er sagt, das macht er.“

Der Community Club gehört zum Wahlkreis Makerfield, in dem Burnham bei der Nachwahl im Juni schließlich deutlich gegen Reform UK gewann, die rechtspopulistische Konkurrenz der Labour-Partei. Nach diesem Sieg wuchs der parteiinterne Druck auf Keir Starmer, der sich daraufhin zurückzog.

Der Weg war frei für den „König aus dem Norden“ – Burnhams Spitzname, seit er während der Corona-Pandemie für mehr Rechte und Unterstützung für seine Region kämpfte.

Die Bingo-Spieler und Club-Besucher kennen den Labour-Politiker Burnham vor allem als langjährigen Bürgermeister von Manchester. Dass er nun Parteichef von Labour wird und am Montag als Premierminister in die 10 Downing Street einzieht, freut sie.

Sue Duffy, die die Bingozahlen aufruft, beginnt zu lächeln, wenn sie über Burnham spricht. „Ich habe so viel Hoffnung für die Zukunft und hoffe, dass er auch mehr Kraft in den Norden des Landes bringt. Das brauchen wir.“ Am Nebentisch sagt Maureen Smith, dass sie Burnham zunächst lieber als Bürgermeister behalten hätte: „Als Bürgermeister hat er so viel Gutes getan.“

„Manchesterism“ als politische Vision

Burnhams rund neun Jahre als Bürgermeister von Manchester gelten als Erfolgsgeschichte. Die Stadt boomt, das Wirtschaftswachstum ist fast doppelt so hoch wie im Rest des Landes. Überall in der Stadt werden ehemalige Fabrikgebäude saniert und in Büro- und Wohnraum umgewandelt – häufig in Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor.

Solche Kooperationen sind Teil dessen, was viele als „Manchesterism“ bezeichnen – darunter auch Burnham selbst. „Es ist ein Ansatz, der nicht allein auf Burnham zurückgeht, den er aber weiter zum Erfolg geführt hat“, sagt Sarah Longlands, Vorsitzende des Centre for Local Economies, eines gemeinnützigen Thinktanks für lokale Wirtschaftsentwicklung mit Sitz in Manchester.

Der Immobilienentwickler Tim Heatley ist ein enger Vertrauter Burnhams. Das Unternehmen Capital and Centric, das er mitgegründet hat, hat Dutzende Objekte in Kooperation mit der Stadt saniert. Das eigene Hauptquartier befindet sich in einer ehemaligen Baumwollfabrik. „Neptune Mill“ steht noch immer auf dem roten Backstein.

„Wirtschaftsfreundlicher Sozialismus“

Heatley beschreibt „Manchesterism“ als einen „wirtschaftsfreundlichen Sozialismus, einen pragmatischen Ansatz, bei dem Unternehmen und Staat gemeinsam von Investitionen profitieren. Das Ziel ist es, sowohl eine positive soziale Wirkung zu erzielen als auch Gewinne für die Investoren zu schaffen.“

Heatley hat gemeinsam mit Burnham Projekte gegen Obdachlosigkeit in Manchester angestoßen. Nach großen zwischenzeitlichen Erfolgen und viel Aufmerksamkeit stiegen die Zahlen zuletzt wieder – und die Projekte gegen Obdachlosigkeit gehen weiter.

Gelobt wird Burnham auch für das gute und im landesweiten Vergleich günstige Verkehrsnetz von Manchester – keine Selbstverständlichkeit jenseits von London. Die gelben Busse sind im Stadtbild allgegenwärtig. Burnhams Versprechen: Als Premierminister wolle er dafür sorgen, dass die Regionen mehr politische Mitsprache, mehr Aufmerksamkeit und mehr Wohlstand erhalten.

Die Lebensverhältnisse in den wirtschaftlich schwächeren Regionen des Nordens sollten verbessert und die Unterschiede zum wohlhabenderen Süden verringert werden. Auch das versteht er als Teil des „Manchesterism“.

Pragmatismus oder emotionale Politik?

„Manchesterism ist auch ein widersprüchliches Konzept“, sagt Longlands. „Einerseits will man mehr Kontrolle der öffentlichen Hand über Transportdienste oder Wasser. Andererseits will man Kapital aus dem privaten Sektor anziehen.“ Der Wohlstand müsse noch breiter und besser verteilt werden.

Auch Joshi Herrmann, Gründer des lokalen Online-Mediums „The Mill“, hat noch viele Fragen. Er verfolgt Burnhams Karriere seit Jahren. „Es ist schwer, seine wirkliche politische Überzeugung zu erkennen. Ist es diese sehr pragmatische Art von „Manchesterism“? Oder verfolgt er eher ein linkes Programm, zum Beispiel mit der Rückführung der Wasserwirtschaft in die öffentliche Hand?“

Letzteres, so Herrmann, sei ein eher neues Element in Burnhams Politik. „Am besten versteht man Burnham als jemanden, der günstige politische Momente nutzt für eine emotionale Politik rund um einzelne Themen.“

Eine Downing Street im Norden?

Eines von Burnhams derzeitigen Lieblingsthemen: eine Außenstelle des Regierungssitzes in der 10 Downing Street in Manchester. Um den ärmeren Regionen im Norden des Landes mehr Gewicht zu geben – als Ausgleich zum mächtigen London.

Schon bald sollen die ersten Regierungsmitarbeiter in den Norden kommen, auch wenn sie zunächst in ein Übergangsquartier einziehen werden. Während Politikexperten in der Hauptstadt von einem PR-Gag sprechen, halten viele in Manchester dies für eine gute, längst überfällige Idee.

Auch im Stubshaw Cross Community Club am Stadtrand finden viele die Idee einer nördlichen Downing Street großartig. „So kommen die Regierungsleute auch mal raus aus London und sehen, wie es bei uns im Norden aussieht“, ruft eine Bingospielerin. Eine andere fügt hinzu: „Endlich wird mal einer aus dem Norden Premierminister.“

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