„Bedrohung für Deutschland“Bildet China russische Soldaten aus? Berlin bittet Botschafter zum Gespräch
Peking soll Berichten zufolge russische Soldaten in China ausbilden. Federführend sei dafür die chinesische Volksbefreiungsarmee. Die Berichte alarmieren das Auswärtige Amt. Berlin ist besorgt und bringt einen deutlichen diplomatischen Protest vor.
Das Auswärtige Amt in Berlin hat den chinesischen Botschafter Deng Hongbo zu einem „dringlichen Gespräch“ in das Ministerium gebeten, in dem es um Berichte über die angebliche Ausbildung russischer Soldaten in China ging. Die Berichte über die „Unterstützung für Russland durch staatliche Akteure in China“ seien „besorgniserregend“, war aus dem Auswärtigen Amt zu hören.
„Alles, was Russland in die Lage versetzt, seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine weiterzuführen, ist auch eine Bedrohung für unsere Sicherheit“, hieß es aus dem Ministerium von Außenminister Johann Wadephul. Schließlich sei Russland „die größte Bedrohung unserer euro-atlantischen Sicherheit“. Daher betreffe „Chinas entscheidende und wachsende Unterstützung für Russlands brutalen Angriffskrieg“ auch „unsere Sicherheit“. Man habe der chinesischen Seite erneut sehr deutlich gemacht, wie groß die Sorge sei, dass China Russland dabei unterstütze.
Die Bitte um ein „dringliches Gespräch“ ist ein Mittel des deutlichen diplomatischen Protests. Sie ist nicht identisch mit der formellen Einbestellung eines Botschafters, die eine deutlich schärfere diplomatische Eskalationsstufe bedeutet. Der „Spiegel“ hatte zuerst über das Gespräch im Auswärtigen Amt am Donnerstag berichtet.
Die Bundesregierung und die EU werfen China seit Jahren vor, Russland im Angriffskrieg gegen die Ukraine zu unterstützen. Die Regierung in Peking hat dies stets zurückgewiesen. Etliche chinesische Firmen, denen die Lieferung kriegsrelevanter Teile nach Russland nachgewiesen wurde, stehen auf westlichen Sanktionslisten. Auch im 20. EU-Sanktionspaket wurden erneut chinesische Personen und Unternehmen sanktioniert, die Russland aus Sicht der EU im Angriffskrieg unterstützen. Insgesamt sind bereits mehr als 100 Personen und Unternehmen aus China im Rahmen der EU-Russland-Sanktionen gelistet.
Merz äußerte Besorgnis in China
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bei seinem Besuch in China im Februar bereits deutlich gemacht, wie stark ihn Chinas Unterstützung für Russland besorgt. Im Mai hatte dann die „Welt“ berichtet, dass China insgeheim russisches Militärpersonal für den Krieg in der Ukraine ausbilde. Ende 2025 habe die chinesische Volksbefreiungsarmee verdeckt Ausbildungsprogramme für mehrere hundert russische Soldaten an insgesamt sechs Militärstandorten in China angeboten, schrieb die Zeitung unter Berufung auf als geheim eingestufte Dokumente europäischer Nachrichtendienste.
Weiter hieß es in dem Bericht, nach Abschluss der operativ-taktischen Ausbildung seien ab Anfang 2026 Dutzende der russischen Soldaten an Kampfeinsätzen in der Ukraine beteiligt gewesen, einige von ihnen in führenden Funktionen. Unter den in China ausgebildeten Teilnehmern waren demnach auch Mitglieder der russischen Elite-Drohneneinheit „Rubicon“, die den Kriegsverlauf in ukrainischen Frontregionen oft maßgeblich beeinflusse.
In den vergangenen Monaten hat sich der westliche Druck verstärkt auf Drittstaaten gerichtet, die Russland unterstützen. Die Sanktionen der USA und der EU sind etwa im Energiebereich ausgeweitet worden.
