Bericht des VerfassungsschutzesGroßer Teil der AfD-Mitglieder soll rechtsextrem sein
Der Verfassungsschutz zählt derzeit fast 60.000 Rechtsextremisten in Deutschland. Ein erheblicher Teil von ihnen soll Mitglied in der AfD sein. Wenig neue Erkenntnisse gibt es anscheinend zu mutmaßlichen Tätern aus der linksextremen Szene, die Anschläge auf die Stromversorgung verübt haben sollen.
Der Verfassungsschutz sieht bundesweit mehr Menschen mit extremistischen Einstellungen, vor allem im rechten Spektrum. Wie aus dem Jahresbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) hervorgeht, rechnete der Inlandsgeheimdienst im vergangenen Jahr 58.700 Menschen dem rechtsextremistischen Personenpotenzial zu – 8.450 mehr als im Jahr zuvor.
Dieser Zuwachs hängt größtenteils mit dem Mitgliederzuwachs der AfD zusammen, die vom BfV aktuell als Verdachtsfall beobachtet wird. Die Partei hatte im Oktober erklärt, sie habe nunmehr 70.000 Mitglieder. Von diesen seien etwa 28.000 Rechtsextremisten, schätzt der Verfassungsschutz.
Als besonders beunruhigend wird der Trend zur Verjüngung, Vernetzung und der Orientierung auf Taten der rechtsextremen Szene beschrieben. Als Beispiele werden der Rechtsterrorismus der Gruppe „Letzte Verteidigungs Welle“ und die virtuelle Vernetzung im „Brenton Fanclub“ genannt. Die Szene der „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ umfasse bundesweit rund 26.000 Menschen, von denen etwa 2600 gewaltorientiert seien.
Der Rechtsextremismus bleibe dabei die größte Bedrohung für die Demokratie, heißt es im Bericht. Als weitere zentrale Herausforderungen gelten Islamismus sowie Spionage, Sabotage und Desinformation durch Staaten wie Russland. Der Antisemitismus wirke dabei als verbindendes Merkmal über verschiedene extremistische Szenen hinweg. Dem linksextremistischen Spektrum ordnete das Bundesamt 2025 bundesweit 42.200 Menschen zu, nach rund 38.000 im Vorjahr.
Nichts Konkretes zur „Vulkangruppe“
Die linksextremistische Szene gilt in Fachkreisen als besonders schwer zu durchdringen. Wenig Erhellendes findet sich in dem Bericht beispielsweise in Bezug auf die Täterinnen und Täter, die hinter verschiedenen Anschlägen auf die Stromversorgung und die Bahninfrastruktur vermutet werden. So heißt es dort etwa: „Es lässt sich annehmen, dass sich hinter den ‚Vulkangruppen‘ ein Netzwerk verbirgt.“ Dabei dürfte es sich um unterschiedliche Strukturen handeln, die den Namen „Vulkangruppe“ als eine Art „Label“ nutzten. „Verbindungen zwischen den einzelnen Strukturen sind nicht auszuschließen.“ Ideologisch ließen sich die Vulkangruppen dem gewaltorientierten anarchistischen Spektrum zuordnen.
Islamismus und der islamistische Terrorismus stellen dem Bericht zufolge unverändert eine erhebliche Gefahr dar. Die Bedrohung gehe zunehmend von jungen, allein handelnden und online radikalisierten Tätern aus. Im November 2025 hatten die Sicherheitsbehörden die Vereinigung „Muslim Interaktiv“ verboten. Der andauernde Nahostkonflikt, der durch den Irankrieg noch verschärft worden sei, wirke sich weiterhin auf Deutschland aus und führe zu einer Zunahme antisemitischer Hetze.
