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Startseite»Politik»Bombenentschärfung in Potsdam: Evakuierungen in der Innenstadt
Politik

Bombenentschärfung in Potsdam: Evakuierungen in der Innenstadt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 16, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 16.06.2026 • 11:28 Uhr

Weite Teile der Potsdamer Innenstadt stehen still. Dort soll eine Weltkriegsbombe entschärft werden. Tausende Menschen sind von den Evakuierungen betroffen, auch der Hauptbahnhof ist gesperrt.

  • Bombe wird am Dienstag nahe dem Hauptbahnhof entschärft
  • Sperrkreis gilt seit 8:30 Uhr – darin leben rund 6.500 Menschen
  • Zahlreiche öffentliche Gebäude betroffen
  • Starke Verkehrseinschränkungen in der Innenstadt

Eine 250 Kilogramm schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wird am Dienstag in Potsdam entschärft. Dafür ist um den Fundort auf einer Baustelle in der Leipziger Straße ein Sperrkreis von rund 700 Metern Radius eingerichtet [potsdam.de] worden. Das Gebiet – darunter auch Teile der Innenstadt – darf seit 8:30 Uhr nicht mehr betreten werden.

Evakuierungstrupps würden nun schauen, ob sich noch Menschen im Sperrkreis befänden, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung.

Fünf Teilbereiche des Sperrkreises seien frei, teilte die Stadt um 10:25 Uhr auf ihrer Webseite mit. Ein Bereich ist demnach noch offen. „Damit darf der Sperrkreis jetzt auch von Straßen- und Regionalbahnen nicht mehr befahren werden“, hieß es weiter: „Wann der Sprengmeistermeister Mike Schwitzke und sein Team mit der Arbeit beginnen können, ist jedoch noch nicht absehbar.“

Der Spreekreis wird begrenzt durch die Schlossstraße, die Anna-Zielenziger Straße, den Alten Markt, den Versailler Platz, die Alte Fahrt, die Nuthe, die Babelsberger Straße, die Friedhofsgasse und die Wirtschaftswege rund um den Brauhausberg bis zum Templiner Eck. Etwa 6.500 Menschen wohnen in dem Gebiet. Die Polizei unterstützt bei der Absperrung der Straßen.

Hauptbahnhof liegt im Sperrkreis

Im Sperrkreis liegt auch der Hauptbahnhof. Tausende Pendler müssen sich daher auf Verkehrsbeeinträchtigungen einstellen. Während der Entschärfung wird der Zugverkehr komplett eingestellt. Betroffen sind die Züge des Regionalverkehrs RE1, RB20, RB21, RB22, RB23 und RB3. Der letzte RE1 hielt dort um 8:05 Uhr.

Die letzte S-Bahn (S7) aus Berlin kam um 8:12 Uhr am Potsdamer Hauptbahnhof an. Die S-Bahnen Richtung Berlin starten und enden seit 8:30 Uhr am S-Bahnhof Babelsberg. Ein Ersatzverkehr mit Bussen kann wegen der Lage des Sperrkreises nicht eingerichtet werden.

Auch die Tram-Linien 91, 92, 93 und 96 fahren nicht. Busse starten und enden am Platz der Einheit, am Rathaus Babelsberg und Zentrum Ost – auch sie dürfen nicht in den Sperrkreis fahren. Es sei ein „auf die Sperrung angepasstes Angebot“ geplant, hieß es.

Die Stadt rechnet darüber hinaus mit mehr Verkehr auf den Straßen – auch weil wichtige Zufahrtsstraßen im Süden der Stadt gesperrt sind. „Wir empfehlen eine weiträumige Umfahrung des gesamten Gebietes sowie mehr Zeit einzuplanen“, hieß es von der Stadtverwaltung. Die Umleitungen seien ausgeschildert. Autofahrer aus Richtung Süden werden über Saarmund und Bergholz-Rehbrücke nach Potsdam geleitet.

Schwitzke will Zündkette des Blindgängers unterbrechen

Das Sport- und Freizeitbad Blu, die Investitions- und Landesbank, Hotels, Pflegeheime, eine Schule und eine Kita liegen im Sperrkreis und haben Konzepte für die Evakuierung entwickelt. Auch der Landtag, die Staatskanzlei und mehrere Ministerien sind von den Sperrungen betroffen.

Das Museum Barberini und das Kunsthaus „Das Minsk“ liegen ebenfalls im Sperrkreis, haben am Dienstag aber ohnehin regulär geschlossen.

Die Bombe war bei einer systematischen Absuche gefunden worden. Die US-Bombe beinhalte etwa 100 Kilogramm Sprengstoff, sagte Schwitzke. Eine solche Bombe könne ein Mehrfamilienhaus in Trümmer legen.

Geplant sei, die Zündkette des Blindgängers zu unterbrechen, sagte der Sprengmeister. Das Ziel sei, den Zünder mit der Hand herauszudrehen und die Bombe dann abzutransportieren. Die Bombe ist ihm zufolge in einem schlechten Zustand und muss zuerst gereinigt werden.

Das sei ein Eingriff, wie er in Potsdam bereits 93 Mal durchgeführt wurde. „Das wird auch heute klappen – es gibt auch keinen Plan B“, so Schwitzke. Eine Sprengung komme nicht infrage. „Die Bombe befindet sich 1,50 Meter über dem Kellergewölbe des Eiskellers der ehemaligen Brauerei Potsdam.“ Wenn gesprengt werden würde, wäre es eine „Katastrophe“.

Er rechnet damit, dass die Entschärfung 30 Minuten bis zwei Stunden dauern werde, so der Sprengmeister weiter. Je schneller der Sperrkreis stehe, desto schneller könne er mit der eigentlichen Arbeit beginnen und desto schneller werde dann auch der Sperrkreis wieder aufgehoben. Wann genau das sein wird, ist aber unklar. Auch die Stadt nannte keinen Zeithorizont.

„Die Erfahrungen der vergangenen Einsätze haben gezeigt: Wenn wir alle mitwirken und aufeinander achten, können solche Maßnahmen sicher, zügig und erfolgreich umgesetzt werden“, teilte die Potsdamer Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos) mit.

Sporthalle als Aufenthaltsort

Als Aufenthaltsort während der Evakuierung steht für Betroffene den Angaben zufolge seit 8 Uhr die Sporthalle Humboldtring 17 zur Verfügung. Informationen rund um die Entschärfung und den Sperrkreis erteilen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landeshauptstadt ab sofort unter der Behördennummer 115.

Die Sperrung ist nicht die erste ihrer Art im Herzen von Potsdam. Im Januar 2019 wurde eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe US-amerikanischer Bauart aus dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe des Hauptbahnhofs gefunden. Damals waren rund 5.900 Menschen betroffen.

Es ist in der Gesamtzählung die 220. Fliegerbombe, die seit 1990 im Stadtgebiet der Landeshauptstadt Potsdam gefunden wurde.

Sendung: rbb24 Brandenburg Aktuell, 15.06.2026, 19:30 Uhr
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell, 15.06.2026, Roman Garthoff

Rundfunk Berlin-Brandenburg

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