Die chinesische Wirtschaft hat im zweiten Quartal an Dynamik verloren. Das Bruttoinlandsprodukt blieb hinter den Erwartungen zurück. Der schwache Konsum und die Krise am Immobilienmarkt belasten die Konjunktur.
Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal schwächer gewachsen als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von April bis Juni um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu, wie das nationale Statistikamt in Peking mitteilte.
Analysten hatten im Schnitt mit einem Plus von 4,5 Prozent gerechnet. Im ersten Quartal hatte das Wachstum noch bei 5,0 Prozent gelegen. Es ist das schwächste Quartalswachstum seit Ende 2022.
Exporte und Industrie bleiben wichtige Stützen
Für das erste Halbjahr ergibt sich damit ein Wirtschaftswachstum von 4,7 Prozent. Die chinesische Regierung peilt für das Gesamtjahr ein Plus zwischen 4,5 und 5,0 Prozent an.
Die aktuellen Daten zeigen eine zunehmend gespaltene Entwicklung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Während Industrie und Außenhandel weiter robust wachsen, bleibt die Binnennachfrage schwach.
Hohe Nachfrage nach Halbleitern und Computern
Die Industrieproduktion stieg im ersten Halbjahr um 5,4 Prozent und entwickelte sich damit stärker als erwartet. Rückenwind erhält die Industrie vor allem durch die hohe Nachfrage aus dem Ausland nach Halbleitern, Computern und Fahrzeugen.
Bereits am Vortag hatte die chinesische Zollbehörde einen deutlichen Anstieg der Exporte gemeldet: Sie legten im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um 27 Prozent zu.
Der Exportboom dürfte zugleich die Handelskonflikte mit Europa und den USA weiter verschärfen. In der EU wird seit Längerem über den Umgang mit steigenden Importen aus China und staatlich geförderten Überkapazitäten diskutiert.
Schwacher Konsum und Immobilienkrise belasten
Im chinesischen Inland bleibt die Lage dagegen angespannt. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im ersten Halbjahr lediglich um 1,3 Prozent. Auch die Investitionen gingen zurück.
Besonders deutlich zeigt sich die Schwäche auf dem Immobilienmarkt: Die Investitionen in den Sektor brachen im ersten Halbjahr um 18 Prozent ein. Der Wert verkaufter Neubauten sank um 13,6 Prozent. Der anhaltende Abschwung belastet das Vertrauen vieler Verbraucher und dämpft die Konsumbereitschaft.
Regierung setzt auf neue Wachstumsimpulse
Das Statistikamt machte vor allem äußere Faktoren für die schwächere Entwicklung verantwortlich. Vize-Kommissar Mao Shengyong nannte etwa die Konfliktlage im Nahen Osten und ein langsameres Wachstum der Weltwirtschaft.
Ministerpräsident Li Qiang hatte zu Wochenbeginn bei einem Treffen mit Experten und Unternehmern eine stärkere Unterstützung der Wirtschaft und weitere Maßnahmen zur Belebung der Binnennachfrage gefordert. Dazu will die Regierung in Peking etwa Zukunftsbranchen wie Künstliche Intelligenz fördern.
Nach Angaben des Statistikamts trugen IT- und Unternehmensdienstleistungen bereits im ersten Halbjahr rund ein Viertel zum Wirtschaftswachstum bei. Zudem stieg die Produktion von Computerchips deutlich an. China hofft, dass neue Technologien die Konjunktur langfristig stärken und die Schwäche der Binnennachfrage teilweise ausgleichen können.
