Condor sucht neue EigentümerEasyjet handelt höheres Übernahmeangebot aus
Zwei Fluggesellschaften steuern auf einen Eigentümerwechsel zu. Easyjet bekommt nach zwei unbefriedigenden Übernahmeangeboten nun eine offenbar lukrative Offerte des US-Investors Castlelake. Condor schaut sich im arabischen Raum um.
Der britische Billigflieger Easyjet hat sich nach eigenen Angaben mit dem US-Investor Castlelake grundsätzlich auf eine milliardenschwere Übernahme geeinigt. Nach wochenlangem Ringen stockte Castlelake seine Offerte abermals auf und bietet nun 6,90 Pfund je Easyjet-Aktie, wie die Fluggesellschaft mitteilte. Darüber hätten beide Seiten eine Grundsatzvereinbarung erzielt. Das Angebot bewerte das Unternehmen mit 5,23 Milliarden Pfund.
Castlelake hatte im Juni zunächst 6,25 Pfund und dann 6,50 Pfund je Aktie geboten, war damit aber bei Easyjet auf Ablehnung gestoßen. Um Castlelake zu einer Aufstockung zu bewegen, hatte EasyJet dem Interessenten Zugang zu Geschäftsinformationen gewährt. Dies war an der Börse als positives Signal gewertet worden.
Easyjet wurde 1995 von dem britisch-zypriotischen Unternehmer Stelios Haji-Ioannou gegründet. Castlelake ist ein bedeutender Investor in der Luftfahrtbranche, der Vermögenswerte von rund 38 Milliarden Dollar verwaltet.
Bund steigt aus: Condor auf Eigentümersuche
Auch der deutsche Ferienflieger Condor stellt sich auf einen Wechsel der Eigentümerstruktur ein. Condor-Chef Peter Gerber nannte dem „Stern“ Emirates, Etihad, Qatar Airways oder Turkish Airways als denkbare Interessenten. „Das sind ebenfalls starke Anbieter, die sich nach den Erfahrungen mit den USA im Irankrieg vielleicht weniger abhängig vom Heimatmarkt machen wollen und auch offen für Partner aus anderen Regionen sein könnten“, sagte der Condor-Chef. „Zudem gibt es mit Turkish Airways einen Anbieter, der stark am Wachstum in Europa interessiert ist.“
Im Herbst kann der Finanzinvestor und Condor-Mehrheitseigner Attestor die vom Bund gehaltenen 49 Prozent übernehmen. Der Staat hatte Condor 2019 infolge der Insolvenz des damaligen Mutterkonzerns Thomas Cook gerettet und dann in der Corona-Pandemie gestützt und war deswegen zum Miteigentümer geworden. Attestor hatte im vergangenen Jahr eine Prüfung strategischer Optionen für Condor eingeleitet. Der Haupteigner bevorzuge einen Partner aus der Luftfahrtbranche, hatte Gerber erklärt. Der deutsche Marktführer Lufthansa gilt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht als möglicher Käufer.
Condor hatte im vergangenen Geschäftsjahr dank hoher Nachfrage und einer größeren Flotte von fast 70 Flugzeugen operativ einen Rekordgewinn erzielt. Vor Steuern und Zinsen stieg das Betriebsergebnis (Ebit) um ein Viertel auf 151 Millionen Euro. Mit einem Wachstum der Passagierzahl um 13 Prozent auf 9,6 Millionen erzielte die Fluggesellschaft 2,35 Milliarden Euro Umsatz, ein Plus von elf Prozent.
