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Politik

Der Monatsanfangs-Effekt treibt wieder die Kurse

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 1, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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marktbericht

Stand: 01.06.2026 • 14:23 Uhr

Es ist ein statistisch gut belegtes Börsenphänomen: Am ersten Handelstag des Monats steigen häufig die Aktienkurse – so auch heute wieder. Das hat handfeste Gründe.

Detlev Landmesser

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, um mit Hermann Hesse zu sprechen. Dass Menschen in etwas neu Beginnendem meist etwas Besonderes sehen, ist auch an der Börse ein wohlbekanntes Phänomen. Zu Beginn eines neuen Kalenderabschnitts herrscht an den Märkten häufig Aufbruchsstimmung.

Im Schnitt signifikant höhere Gewinne

Die meisten Untersuchungen dazu gibt es zum US-Index S&P 500. Seit den 1950er-Jahren steigt der marktbreite Aktienindex am ersten Handelstag eines Monats im Schnitt um 0,18 Prozent. Das mag nicht nach viel klingen – ist aber etwa das Fünffache der Performance an einem gewöhnlichen Börsentag.

Beim DAX ergibt die langfristige Statistik mit einer Durchschnittsperformance von 0,15 bis 0,25 Prozent ganz ähnliche Resultate.

An der Börse spricht man vom „Monatsanfangs-Effekt“. Dieser hat neben der reinen Psychologie auch und vor allem handfeste Ursachen: Da die meisten Gehälter zum Monatsende bezahlt werden, haben Anlegerinnen und Anleger zu dieser Zeit oft die Mittel, Neues zu wagen. Dazu kommen automatisierte Kapitalzuflüsse durch Aktien- oder Fondssparpläne: Oft werden diese zum 1. des Monats ausgeführt, womit gerade für Standardwerte mehr Liquidität als üblich zur Verfügung steht.

Profis handeln nach dem TOM-Effekt

Dabei steht der Monatserste statistisch nicht alleine da. Der häufig diskutierte „Turn-of-the-Month-Effekt“ (TOM) bezieht in der Regel den letzten Handelstag des Vormonats und die ersten drei Handelstage des neuen Monats ein, an denen die Aktienkurse ebenfalls überdurchschnittlich abschneiden.

Börsenprofis richten oft kurzfristige Handelsstrategien an diesem Phänomen aus. Diese bestehen einfach darin, gegen Ende eines Monats Positionen aufzubauen und diese in den ersten Tagen des neuen Monats wieder abzustoßen.

Effekt trägt nicht immer

Dieses Vorgehen hat freilich den bei Saisonalitäten, also den statistisch belegten Verlaufsmustern an der Börse, üblichen Pferdefuß: Die Börsenkurse werden neben zeitbezogenen Börsenmustern noch von vielen anderen Einflüssen bestimmt. Das heißt, dass die Kurse natürlich nicht zwangsläufig an jedem Monatsersten steigen. Eine erfolgreiche Handelsstrategie muss also auch solche aktuellen Einflüsse auf die Börsentendenz berücksichtigen.

Zuletzt ist es beispielsweise schwieriger geworden, den gut belegten längerfristigen Saisonalitäten wie etwa „Sell in May“ oder der Jahresendrally zu folgen. Seit Amtsantritt von Donald Trump haben externe Schocks, die von überraschenden Einlassungen des US-Präsidenten ausgelöst wurden, die saisonalen Effekte häufig überlagert.

DAX legt zu Monatsbeginn zu

Der DAX fügt sich heute allerdings mustergültig in die langfristige Statistik ein. Bis zum frühen Nachmittag steigt der deutsche Leitindex um rund ein halbes Prozent. Weder vom Iran-Konflikt noch den Unternehmen gibt es wirklich marktbewegende Nachrichten.

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