marktbericht
Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank kann Bankchef Sewing mit guten Nachrichten punkten. Nichts Geringeres als Europas Spitze peilt er an. Aber über allem bleibt eine große Unbekannte.
Erstmals seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 kommen die Aktionäre der Deutschen Bank zur Hauptversammlung heute wieder auf einer Präsenzveranstaltung zusammen. Bankchef Christian Sewing kann dabei gute Nachrichten präsentieren. Einem erfolgreichen Jahr 2025 folgte ein ebenfalls sehr erfolgreiches erstes Quartal 2026. Die Bank scheint auf einem guten Kurs zu alter Stärke – aber es gibt auch einen nachdenklichen Teil.
Dividende steigt deutlich
Zu den Erfolgsmeldungen der heutigen Veranstaltung gehört sicherlich, dass die Bank die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 deutlich auf 1,00 Euro anhebt. Im Vorjahr waren noch 0,68 Euro ausgeschüttet worden, eine Erhöhung also um fast 50 Prozent. Zudem läuft ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von einer Milliarde Euro. Ab 2026 soll die Ausschüttungsquote von 50 auf 60 Prozent des Konzerngewinns steigen.
Auch im ersten Quartal 2026 ist es gut gelaufen. Immerhin wurden vor Steuern rund drei Milliarden Euro verdient: Das kann sich sehen lassen. Sewing sieht das größte deutsche Geldhaus damit auf einem guten Weg und will die Bank an die europäische Spitze führen – er will die Rendite auf das Eigenkapital, eine zentrale Erfolgsgröße für Banken, auf 13 Prozent schrauben nach 12,7 Prozent im ersten Quartal.
Störgeräusche
Aber ein konfliktfreier Termin war und ist eine Hauptversammlung der Deutschen Bank selten – weder im Saal, noch vor der Tür. So auch heute.
Fondsgesellschaften mahnten angesichts geopolitischer Risiken eine strikte Kostendisziplin an und liefen Sturm gegen die geplante Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge. Der Niederländer Alexander Wynaendts, der das Kontrollgremium der Deutschen Bank seit vier Jahren führt, stellt sich bei dem Aktionärstreffen zur Wiederwahl. Im Fall seiner Bestätigung will ihn der Aufsichtsrat erneut zum Vorsitzenden wählen. Der Aufsichtsratsvorsitzende soll statt 950.000 Euro künftig 1,15 Millionen Euro erhalten.
Zudem wurde das Treffen von einem Tarifkonflikt bei der Tochter Postbank und einem Protest von Umweltaktivisten überschattet. Die Gewerkschaft ver.di weitete dazu die Warnstreiks bei der Postbank aus und rief für heute zu einer Demonstration am Frankfurter Messegelände auf.
Damoklesschwert Commerzbank
Über der Veranstaltung schwebt aber wie selten zuvor das Schicksal der Commerzbank. Denn der ewige Erzrivale, entstanden 2009 aus der Fusion der alten Commerzbank mit der alten Dresdner Bank, muss sich aktuell gegen Übernahmepläne der italienischen UniCredit wehren. Sie will gegen den Willen von Management, Belegschaft und Bundesregierung einen europäische Champion schaffen, um den großen US-Banken zu trotzen.
Eine alte Börsenweisheit ist, dass hohe Aktienkurse auch gegen feindliche Übernahme schützen. Das aktuelle Angebot der UniCredit ist aber nicht sehr attraktiv – und ob es noch aufgestockt wird, ist unklar. Dass die Commerzbank überhaupt im Schaufenster steht, hat zum Teil auch mit dem zersplitterten deutschen Bankenmarkt zu tun. Denn hierzulande müssen Privatbanken mit den öffentlich-rechtlichen Sparkassensektor und den Genossenschaftsbanken konkurrieren – wobei auch Direktbanken vor allem bei den privaten Kunden immer beliebter werden. Der hohe Wettbewerbsdruck schmälert die Renditen. Von Gewinnen wie im angelsächsischen Raum sind Deutschlands Banken jedenfalls weit entfernt – dabei wollte sich die Bank mit Häusern wie JPMorgan Chase oder Goldman Sachs immer messen.
Aktienkurs weit unter Rekordhoch
Bei der Deutschen Bank ist es bis zu den Rekordkursen von 2007 bei über 80 Euro noch ein weiter Weg. Aktuell werden nur rund 28 Euro bezahlt. Damit bleibt auch Deutschlands größte Privatbank anfällig – auch wenn sie als einzige nennenswert im lukrativen Investmentbanking tätig ist. Vor allem im Devisenhandel und beim Handel mit Festverzinslichen Wertpapieren gehört sie zur Weltspitze, ohne dass sich dies im Vergleich mit den großen US-Häusern im Kurs wirklich niedergeschlagen hätte – und an Schnäppchenpreisen à la Commerzbank dürften die Aktionäre wenig interessiert sein.
DAX im Minus
Das Wiederaufflammen der Kämpfe am Persischen Golf drückt derweil den DAX wieder in Richtung 25.000 Punkte. Auch der Ölpreis legt wieder zu. Am Markt herrscht Ernüchterung, nachdem es zuletzt schon nach einer Einigung der Kriegsparteien ausgesehen hatte.
