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Betrugsmaschen

Die nächste Pandemie? Corona 2.0?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 12, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Ein Virus, Quarantäne, Impfstoffentwicklung und ein bekannter Corona-Arzt: Genau diese Mischung sorgt derzeit wieder für hohe Reichweite auf Social Media.

Diese Behauptung kursiert derzeit sowohl als Textbeitrag als auch als Video auf verschiedenen Social-Media-Plattformen.

Die nächste Pandemie? Corona 2.0?
Laut Angaben des RKI ist das Hantavirus nur schwer von Mensch zu Mensch übertragbar. Trotzdem empfiehlt die Behörde für bestimmte Kontaktpersonen eine Quarantäne von bis zu sechs Wochen. Auch in Frankreich wurden inzwischen weitreichende Maßnahmen angekündigt.
Angesichts dieser Entwicklungen warnt der US-amerikanische Arzt Dr. Pierre Kory: „Sie bereiten uns auf die nächste Pandemie vor.“
Tatsächlich befinden sich bereits zahlreiche Impfstoffe gegen Hantaviren in Entwicklung, darunter sowohl mRNA- als auch DNA-basierte Präparate.
Nein, die aktuellen Hantavirus-Maßnahmen belegen keinen geheimen Pandemieplan. Das RKI empfiehlt Quarantäne nur für bestimmte Kontaktpersonen nach möglicher Andes-Hantavirus-Exposition. Und dass an Impfstoffen geforscht wird, ist bei gefährlichen Infektionskrankheiten normal — auch dann, wenn nie eine Pandemie entsteht.

Das RKI spricht von Kontaktpersonen

Das Robert Koch-Institut empfiehlt tatsächlich bis zu sechs Wochen Quarantäne. Die Handreichung betrifft aber asymptomatische Kontaktpersonen im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrt-assoziierten Andes-Hantavirus-Ereignis. Gemeint sind etwa Kabinenkontakte, Sexualkontakte oder medizinisches Personal ohne passende Schutzausrüstung. (rki.de)

Die Empfehlung basiert auf der möglichen Inkubationszeit und darauf, dass beim Andes-Hantavirus seltene Mensch-zu-Mensch-Übertragungen beschrieben wurden.

Aus „Kontaktpersonen eines konkreten Ausbruchs“ wird online jedoch schnell:

„Die nächste globale Pandemie startet.“

Genau dort beginnt die Verzerrung.

Frankreich reagiert auf einen konkreten Ausbruch

Auch andere europäische Behörden beobachten das Ereignis rund um die MV Hondius. Die European Centre for Disease Prevention and Control koordinierte gemeinsam mit Mitgliedstaaten Maßnahmen zu Kontaktverfolgung, Quarantäne und medizinischer Beobachtung. (ecdc.europa.eu)

Das klingt streng, ist aber kein Hinweis auf allgemeine Lockdowns oder flächendeckende Einschränkungen.

Die WHO bewertet das globale Risiko weiterhin als niedrig. (who.int)

Impfstoffentwicklung ist kein Beweis

Besonders häufig wird derzeit behauptet:

„Es gibt schon mRNA- und DNA-Impfstoffe — also war alles geplant.“

Das ist kein belastbarer Schluss.

Für viele gefährliche Viren existieren Forschungsprogramme, Prototypen oder experimentelle Impfstoffplattformen. Das gilt für:

  • Ebola
  • Nipah
  • Marburg
  • Hantaviren
  • Vogelgrippe
  • Coronaviren

Forschung bedeutet nicht automatisch:

  • geplanter Ausbruch
  • geheime Agenda
  • bevorstehende Pandemie

Gerade nach COVID-19 wurden mRNA- und DNA-Plattformen weltweit massiv ausgebaut, weil sie schneller angepasst werden können als klassische Verfahren.

Das erklärt die Forschung – nicht eine Verschwörung.

Pierre Kory ist kein neutraler Beobachter

Der häufig zitierte US-Arzt Pierre Kory wurde während der Corona-Pandemie vor allem durch die Bewerbung von Ivermectin bekannt. Viele seiner Aussagen zu COVID-19, Impfungen und Therapien wurden von Fachgesellschaften und Behörden kritisiert oder widersprochen.

Wenn Kory sagt:

„Sie bereiten uns auf die nächste Pandemie vor“

dann ist das keine medizinische Beweisführung. Es ist eine Interpretation.

Online wird diese Aussage oft wie eine Warnung eines Insiders verbreitet. Tatsächlich handelt es sich um eine persönliche Einschätzung ohne Beleg für einen geplanten Pandemieablauf.

Das Muster erinnert an Corona

Die Behauptung funktioniert deshalb so gut, weil sie bekannte Trigger kombiniert:

  • WHO
  • RKI
  • Quarantäne
  • Impfstoff
  • mRNA
  • Frankreich
  • Pandemie

Viele Menschen verbinden diese Begriffe sofort mit den Jahren 2020 bis 2022.

Dadurch entsteht emotional schnell das Gefühl:

„Jetzt passiert es wieder.“

Das Problem dabei: Einzelne reale Fakten werden zu einer großen Erzählung zusammengesetzt, für die am Ende die Belege fehlen.

Was tatsächlich vorliegt

Es gibt:

  • einen realen Hantavirus-Ausbruch,
  • reale Vorsichtsmaßnahmen,
  • reale Impfstoffforschung,
  • reale Behördenempfehlungen.

Nicht belegt ist:

  • eine geplante Pandemie,
  • ein „Corona 2.0“-Programm,
  • vorbereitete Lockdowns,
  • eine geheime Impfagenda.

Die Behauptung entsteht aus der Verbindung echter Einzelinformationen mit spekulativen Schlussfolgerungen.

FAQ zum Thema: Hantavirus und „Corona 2.0“

Bereitet das RKI wegen Hantavirus eine neue Pandemie vor?

Nein. Das RKI veröffentlichte eine Handreichung für Kontaktpersonen nach möglicher Andes-Hantavirus-Exposition. Das ist Ausbruchsmanagement, kein Pandemieplan.

Warum empfiehlt das RKI sechs Wochen Quarantäne?

Weil die Inkubationszeit mehrere Wochen betragen kann. Die Empfehlung betrifft bestimmte Hochrisiko-Kontakte eines konkreten Ausbruchsgeschehens.

Gibt es wirklich Hantavirus-Impfstoffe in Entwicklung?

Ja. Für verschiedene Hantavirus-Arten laufen Forschungsprojekte zu Impfstoffen, darunter auch mRNA- und DNA-Plattformen. Forschung allein ist aber kein Beweis für eine geplante Pandemie.

Wer ist Pierre Kory?

Pierre Kory ist ein US-Arzt, der während der Corona-Pandemie vor allem durch die Bewerbung von Ivermectin bekannt wurde. Viele seiner Aussagen wurden wissenschaftlich kritisiert. Das American Board of Internal Medicine (ABIM) entzog Kory 2023 eine medizinische Zertifizierung

Warum verbreiten sich solche Behauptungen schnell?

Weil sie bekannte Corona-Trigger nutzen. Begriffe wie mRNA, WHO, Quarantäne und Pandemie lösen bei vielen Menschen sofort emotionale Erinnerungen aus.

Was an den aktuellen Hantavirus-Erzählungen besonders auffällt: Viele dieser Inhalte arbeiten weniger mit echten Belegen als mit emotionaler Erinnerung an die Corona-Zeit.

Die Mechanik dahinter ist oft dieselbe:

Menschen, die bereits verunsichert sind oder schlechte Erfahrungen aus der Pandemiezeit mitgenommen haben, werden erneut in Alarmstimmung versetzt. Die Erzähler präsentieren sich dabei häufig als angeblich „vernünftige Mitte“. Sie sagen sinngemäß:

„Ich war ja damals sogar für die Maßnahmen.“
oder:
„Ich habe mich sogar impfen lassen.“

Genau dadurch wirken sie auf viele glaubwürdiger. Sie inszenieren sich nicht als radikale Gegner, sondern als Menschen, die „jetzt endlich aufgewacht“ seien. Das erzeugt Nähe und Vertrauen.

Danach folgt meist der eigentliche narrative Aufbau:

  • WHO,
  • RKI,
  • Medien,
  • öffentlich-rechtlicher Rundfunk,
  • Regierungen

würden angeblich gemeinsam Angst erzeugen oder eine neue Pandemie vorbereiten.

Dabei passiert oft eine Umkehrung der Realität:
Während Behörden und Medien versuchen, einen konkreten Ausbruch medizinisch einzuordnen, wird daraus online ein großes Kontroll- oder Manipulationsnarrativ konstruiert.

Auffällig ist auch die Form der Verbreitung.

Viele dieser Inhalte erscheinen:

  • im Stil seriöser Nachrichtensendungen,
  • mit Studiooptik,
  • Bauchbinden,
  • Nachrichtensprechern,
  • Breaking-News-Grafiken,
  • Expertenkulissen,
  • oder unter dem Deckmantel von „Satire“.

Gerade KI-generierte oder künstlich produzierte Clips imitieren bewusst vertraute Fernseh- und Nachrichtenformate. Das Ziel ist nicht zwingend, perfekte Fakten zu liefern. Das Ziel ist, ein Gefühl von Glaubwürdigkeit zu erzeugen.

Und genau dort liegt derzeit eines der größten Probleme:
Nicht jede falsche Behauptung wirkt deshalb überzeugend, weil sie logisch ist — sondern weil sie aussieht wie etwas, das man aus vertrauenswürdigen Medien kennt.

Du hast diesen Fall jetzt geprüft gesehen.
Aber täglich fallen Tausende auf solche Maschen herein – oft Menschen, die du kennst.
Wir prüfen jeden Tag neue Fälle. Damit weniger Leute darauf reinfallen.

Was passiert, wenn solche Inhalte nicht erkannt werden?

💸BetrugMenschen verlieren Geld – oft ohne es sofort zu merken.

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Seit über 15 Jahren. Unabhängig. Ehrenamtlich.

Tom Wannenmacher bei Mimikama, engagiert in der Aufklärung.

Tom Wannenmacher

Tom Wannenmacher ist Gründer und Chefredakteur von Mimikama, Österreichs führender Faktencheck-Organisation. Seit 2011 kämpft er gegen Desinformation und Internetbetrug.

Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)

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