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„Die Tortur hat ein Ende“: Spanien und Gibraltar heben Grenzkontrollen auf

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 15, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Die Tortur hat ein Ende“Spanien und Gibraltar heben Grenzkontrollen auf

Hunderte Menschen versammeln sich für den historischen Moment an der Grenze. Pendler mussten häufig lange Wartezeiten in Kauf nehmen. (Foto: REUTERS)

Der symbolträchtige Metallzaun wird abgebaut: Seit Mitternacht können Personen und Waren die Grenze zwischen Spanien und Gibraltar ohne Kontrollen passieren. Davon profitieren vor allem Tausende Pendler. Den Weg dafür geebnet hat ausgerechnet der Brexit.

Nach mehr als einem Jahrhundert hat die Grenzbarriere zwischen Spanien und Gibraltar ausgedient. Seit Mitternacht gibt es keine Grenzkontrollen mehr zwischen dem EU-Land und dem britischen Überseegebiet. Der Abbau des im Jahr 1908 errichteten, symbolträchtigen und etwa einen Kilometer langen Metallzaunes soll schon diese Woche beginnen.

Der spanische Außenminister José Manuel Albares sprach von einem „historischen“ Ereignis. Erstmals nach drei Jahrhunderten würden sich beide Seiten „die Hände reichen“, sagte der Minister der linken Regierung mit Blick auf die Inbesitznahme Gibraltars durch Großbritannien im Jahr 1704. Kurz nach Mitternacht überquerten Dutzende Passanten und Fahrzeuge zum ersten Mal ohne Kontrollen die Grenze. Hunderte Menschen hatten sich für den historischen Moment mit spanischen Flaggen an der Grenze versammelt. „Europa ist zurück“, sagte Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo.

Möglich wurde der Schritt durch das im Februar vereinbarte Abkommen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien, das nun in Kraft trat. Ab sofort sollen Personen und Waren den Landübergang ohne die bisherigen Kontrollen passieren können. Gibraltar soll dafür eng an den Schengen-Raum und an neue Zollregelungen mit der EU angebunden werden. Passkontrollen wird es nur auf dem Flughafen und dem Hafen Gibraltars geben.

Von den Änderungen profitieren vor allem die mehr als 15.000 Grenzpendler, die täglich zwischen der strukturschwachen spanischen Stadt La Línea de la Concepción in der andalusischen Provinz Cádiz und Gibraltar unterwegs sind, um vor allem dort zu arbeiten. Sie mussten häufig, vor allem in der Hauptverkehrszeit, lange Wartezeiten an der Grenze in Kauf nehmen. Das Abkommen soll zudem die wirtschaftliche Zusammenarbeit in der Region erleichtern.

Bis zu sieben Stunden Wartezeit

Die spanische Arzthelferin Consuelo, die die Grenze seit 30 Jahren passiert und in Gibraltar arbeitet, ist sehr glücklich: „Ich musste schon mal drei, vier Stunden warten, an manchen Tagen sogar länger, bis zu sieben Stunden. Die Tortur hat endlich ein Ende“, erzählte sie im TV-Sender RTVE.

Paradoxerweise ebnete ausgerechnet der Brexit den Weg für das Abkommen. Obwohl sich beim Referendum 2016 rund 96 Prozent der 34.000 Einwohner Gibraltars für einen Verbleib in der EU ausgesprochen hatten, musste das britische Überseegebiet die Union gemeinsam mit Großbritannien verlassen.

Nach jahrelangen Verhandlungen verständigten sich die Beteiligten schließlich auf einen Kompromiss, der den Grenzverkehr erleichtert, ohne aber den Souveränitätsstreit zu lösen. Spanien betrachtet Gibraltar am Südzipfel des Landes weiterhin als „Kolonie“ und als illegal besetztes Gebiet.

„Das Abkommen sichert langfristig den Personen- und Warenverkehr über die Grenze, während es die Souveränität des Vereinigten Königreichs und Gibraltars verfassungsrechtliche Position schützt“, sagte eine Sprecherin des britischen Premierministers Keir Starmer.

Grenze 1969 vom Diktator Francisco Franco geschlossen

Britische Medien bezeichneten den Schritt als größte Änderung von Gibraltars Status, seit es zu einem Teil Großbritanniens wurde. Es sei ironisch, dass ausgerechnet der Brexit dazu geführt habe, schrieb das Portal „Politico“.

Der Streit führte immer wieder zu Spannungen zwischen Madrid und London. 1969 wurde die Grenze vom Diktator Francisco Franco sogar geschlossen. Erst 1982 wurde sie für Fußgänger und drei Jahre später, ein Jahrzehnt nach dem Tod des spanischen Gewaltherrschers, auch für Fahrzeuge wiedereröffnet.

Das nur 6,5 Quadratkilometer große Gebiet – etwa so groß wie die ostfriesische Insel Baltrum – ist bekannt für seine freilebenden Berberaffen und den Felsen Rock of Gibraltar – und seit mehr als drei Jahrhunderten ein Zankapfel zwischen Madrid und London. Es wurde 1704 vom Großbritannien in Besitz genommen und 1713 von Spanien im Rahmen des „Friedens von Utrecht“ abgetreten.

Quelle: ntv.de, are/dpa/AFP

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