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Politik

Mit dem „Familienrathaus“ gegen Bürokratie

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 15, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 15.07.2026 • 10:10 Uhr

Geburtsurkunde, Elterngeld, Kita-Anmeldung: Junge Familien erleben viel Bürokratie – und müssen dafür von Amt zu Amt. Wie es einfacher gehen kann, zeigt die Stadt Hamm in NRW mit dem „Familienrathaus“.

David Zajonz

„Wie viele Kinder hast du uns heute mitgebracht?“, fragt Amtsleiter Peter Kiffe seine Mitarbeiterin scherzhaft. Es sind elf Kinder, deren Dokumente Nadia Hassani diesmal im Gepäck hat. Hassani arbeitet für den Geburtenservice der nordrhein-westfälischen Stadt Hamm.

Sie hat gerade in zwei Krankenhäusern frisch gebackene Mütter besucht und Unterlagen für die Geburtsurkunden der Neugeborenen eingesammelt. Die Kinder sind nur wenige Tage alt, manchmal erst wenige Stunden.

„Familienrathaus“ als zentrale Anlaufstelle

Den Familien spare der Geburtenservice Zeit, sagt Hassani, weil sie nicht selbst zum Amt gehen müssen. Außerdem kämen die Eltern dadurch schnell an die Steuer-ID ihres Kindes, ergänzt Amtsleiter Kiffe. Diese werde gebraucht, um das Kindergeld zu beantragen.

Die Stadt Hamm will besonders familienfreundlich sein, der Geburtenservice ist ein Baustein dafür. Vor knapp drei Jahren hat die Stadt ein „Familienrathaus“ eingerichtet. Hier werden verschiedene Leistungen gebündelt – von der Eheschließung bis zur Kita-Anmeldung. Früher hätten Eltern dafür quer durch die Stadt fahren müssen.

Konzept von der Wirtschaftsförderung übernommen

Die Idee für das „Familienrathaus“ hatte Oberbürgermeister Marc Herter (SPD). Er hat sich das Konzept bei der städtischen Wirtschaftsförderung abgeschaut, wo zentrale Anlaufstellen für Unternehmen schon weit verbreitet sind. Diese werden als „One-Stop-Shop“ bezeichnet – ein Ort, an dem alle behördlichen Angelegenheiten erledigt werden können.

„Wenn man das doch Unternehmen schon so anbietet, warum bieten wir das nicht unseren eigenen Familien auch an?“, so der Oberbürgermeister. Inzwischen bekomme Hamm regelmäßig Besuch von anderen Stadtverwaltungen, die erfahren wollen, wie das „Familienrathaus“ arbeitet.

Ein Vorbild für andere Kommunen?

Die Einführung des „Familienrathauses“ wurde von der Ruhr-Universität Bochum wissenschaftlich begleitet. Verwaltungswissenschaftler Jörg Bogumil zieht ein positives Fazit. „Man kann auf jeden Fall sagen, dass es der Stadt Hamm gelingt, den Service für die Bürger deutlich zu verbessern“, so Bogumil. Das „Familienrathaus“ komme gut an und habe sich bewährt. Aus seiner Sicht wäre es sinnvoll, wenn andere Kommunen dem Vorbild folgen würden.

Das Grundproblem der öffentlichen Verwaltung könne aber auch die Stadt Hamm nicht lösen. Die Verfahren und die Antragsformulare seien schlicht zu kompliziert. Hier sieht Bogumil den Bund in der Verantwortung, der Bürokratie abbauen müsse.

Verwaltungsabläufe auf dem Prüfstand

In Hamm versucht die Stadt ihren Bürgerinnen und Bürgern mit Beratungsangeboten durch den Antragsdschungel zu helfen. Der Bund könne durchaus etwas von Hamm lernen, glaubt Oberbürgermeister Herter. Verwaltungsabläufe seien nicht in Stein gemeißelt, das habe seine Stadt gezeigt. Man dürfe und müsse alles auf den Prüfstand stellen.

Die Stadtverwaltung sieht sich aber noch nicht am Ziel. Derzeit beherberge das „Familienrathaus“ nur etwa ein Drittel aller Leistungen, die für Familien relevant sind. „Große Bereiche des Jugendamtes fehlen noch“, sagt Amtsleiter Peter Kiffe. Im derzeitigen Gebäude ist einfach nicht genug Platz. Durch einen Umzug in eine neue Liegenschaft soll das „Familienrathaus“ vervollständigt werden.

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