Marktbericht
Der DAX ist am Morgen unter die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten gefallen. Auch ein Quartalsbericht von ASML deutlich über Markterwartungen konnte den deutschen Leitindex nicht beflügeln.
Der DAX hat am Morgen nachgegeben. In den ersten Handelsminuten sank der deutsche Leitindex um 0,9 Prozent auf 24.928 Punkte, womit er wieder unter die Marke von 25.000 Punkten rutschte. Tags zuvor war er mit 0,1 Prozent höher aus dem Handel gegangen und hatte sich so noch darüber halten können.
Dass der DAX zuletzt vier Tage in Folge über 25.000 Punkten geschlossen hat, wertete Thomas Altmann von QC Partners zwar als einen „Etappensieg der Bullen im Kampf um diese wichtige Marke“. Solange der Index allerdings weiter darum pendele, scheine die zukünftige Richtung offen.
Überschattet wird das Marktgeschehen weiterhin von geopolitischen Spannungen: Luftangriffe zwischen den USA und Iran im Kampf um die Kontrolle über die Straße von Hormus trieben die Ölpreise in die Höhe: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich um 1,4 Prozent auf 85,93 Dollar. Das US-Öl WTI notierte 1,1 Prozent fester bei 80,23 Dollar. Damit sind die Preise in dieser Woche durch die neue Eskalation der Kämpfe im Nahen Osten um mehr als zwölf Prozent gestiegen.
EZB-Rat Martin Kocher warnt angesichts dessen vor neuem Inflationsdruck: „Im Moment legen wir ein besonderes Augenmerk auf die indirekten Preiseffekte des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten und mögliche Zweitrundeneffekte. Wir sehen aktuell keine Zweitrundeneffekte, müssen unsere Geldpolitik jedoch auch an den Inflationserwartungen ausrichten“, sagte er der Börsen-Zeitung und betont: „Die Entwicklung ist von hoher Unsicherheit geprägt, da sich die Intensität des Konflikts immer wieder ändert.“
Ein erstes Highlight an den Märkten war heute der Quartalsbericht des niederländischen Schwergewichts ASML. Europas wertvollstes Börsenunternehmen hat, angetrieben von der hohen Nachfrage nach KI-Chips im zweiten Quartal, die Erwartungen übertroffen und seine Jahresziele erneut angehoben.
ASML rechnet nun für 2026 mit einem Umsatz von 43 bis 45 Milliarden Euro statt mit 36 bis bis 40 Milliarden. „Unsere Kunden beschleunigen ihre Pläne zum Kapazitätsausbau, was ASML eine bessere Planbarkeit der längerfristigen Nachfrage verschafft“, erklärte Konzernchef Christophe Fouquet.
ASML baut Maschinen zur Chip-Produktion, insofern sind die Zahlen ein wichtiger Frühindikator für die gesamte Branche. Das Unternehmen ist zudem der weltweit einzige Anbieter von Anlagen mit ultravioletter Lithografie (EUV), die zur Herstellung von KI-Halbleitern benötigt werden.
Zum Auftakt der US-Bilanzsaison überzeugten zudem mehrere Großbanken mit ihren Geschäftszahlen. Überraschend hohe Einnahmen aus Zinsen und Wertpapierhandel brachten den großen Geldhäusern der USA im zweiten Quartal unerwartet viel Gewinn. Das größte Institut JPMorgan Chase erzielte dank seiner Beteiligung am Kreditkartenanbieter Visa sogar den höchsten Quartalsgewinn der Geschichte.
Auch bei Goldman Sachs, Wells Fargo und Bank of America ging es überraschend stark aufwärts. Die Reaktion der Anleger war eindeutig: Die Aktien von Goldman Sachs sprangen um neun Prozent nach oben, auch die anderen Banken verbuchten Gewinne. Dagegen rutschten die Titel der Citigroup um 5,3 Prozent ab, da Sorgen über gestiegene Ausgaben den höheren Gewinn in den Schatten stellten.
Heute legen dann Morgan Stanley und der Vermögensverwalter BlackRock Zahlen vor. Zudem stehen die Ergebnisse des Konsumgüterkonzerns Johnson & Johnson an.
Die amerikanischen Verbraucherpreise, die weniger deutlich als erwartet gestiegen waren, wirkten auch an den US-Börsen positiv. Der Leitindex Dow Jones schloss mit einem minimalen Plus bei 52.508 Punkten. An den Finanzmärkten stieg die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen auf ihrer Juli-Sitzung unverändert lässt, auf 83,4 Prozent. Fed-Chef Kevin Warsh betonte allerdings erneut, dass die Notenbank eine erhöhte Inflation nicht tolerieren werde.
Zur Wochenmitte blicken Börsianer nun auf den US-Index für die Erzeugerpreise (PPI) im Juni. Die von den Produzenten erhobenen Preise gelten als Vorläufer für die weitere Entwicklung der Verbraucherpreise.
Der Zahlungsabwickler Stripe und der Finanzinvestor Advent International wollen offenbar PayPal übernehmen und haben dafür Anfang des Monats ein gemeinsames Angebot von 60,50 Dollar je Aktie vorgelegt. Das sagten Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Dies entspricht einem Aufschlag von rund 28 Prozent auf den PayPal-Schlusskurs.
An den US-Börsen prallten am Dienstag Hoffnungen und Sorgen direkt aufeinander. Eine Aktie stand dabei besonders im Fokus: IBM. Enttäuschende Geschäftszahlen und zurückhaltende Aussagen des Chefs Arvind Krishna ließen die IBM-Papiere um mehr als 25 Prozent einbrechen, was dem höchsten Tagesverlust aller Zeiten für die Aktien entsprach.
Der US-Fahrdienstvermittler und Lieferdienst Uber befindet sich in fortgeschrittenen Übernahmegesprächen mit dem deutschen Essenslieferanten Delivery Hero. Bloomberg-Informationen zufolge dreht es sich in den Gesprächen um einen Preis von rund 40 Euro je Aktie. Uber wolle noch diese Woche eine Einigung mit Delivery Hero erzielen.
