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Politik

Die Transformation hin zu grünem Stahl stockt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 19, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 19.05.2026 • 06:22 Uhr

Die deutsche Stahlindustrie hat Milliarden in die Klima-Transformation gesteckt. Doch grüner Stahl findet kaum Abnehmer – und die Politik liefert bislang keine Antworten.

Bei der Stahl-Holding Saar befindet sich in Dillingen eine der größten Baustellen in Europa – mit bald bis zu 2.000 Bauarbeitern und 32 Kränen. An den beiden Standorten des Stahlherstellers werden insgesamt fünf Milliarden Euro verbaut. 2,6 Milliarden gab es als Fördergelder vom Bund und dem Land. Ab dem Jahr 2029 soll in neuen Anlagen grüner Stahl produziert werden. Statt im Hochofen mit Kohle und Koks soll dann eine Produktion mit Erdgas und später Wasserstoff beginnen.

Andere Unternehmen, andere Strategien

Für den klimafreundlicheren Stahl braucht es enorm viel Strom, der aus Erneuerbaren Energien stammen muss. Das Unternehmen hatte deswegen auch auf den subventionierten Industriestrompreis der Bundesregierung gesetzt. Doch der bringe nichts, heißt es, denn es würden andere Hilfen gegen gerechnet.

Der internationale Konzern ArcelorMittal hat Milliarden an Fördergeldern für den Umbau der deutschen Stahlwerke ausgeschlagen. Begründung: Trotz der Förderung lohne sich der Umbau nicht. Auch der größte deutsche Stahlhersteller, die Thyssenkrupp AG, ist deutlich zurückhaltender beim Umbau. Das Unternehmen sucht zudem einen Käufer für die Stahlsparte.

Die Salzgitter AG ist der drittgrößte Stahlhersteller in Deutschland und am weitesten mit dem Umbau der Produktion vorangeschritten. Die Niedersachsen wollen weiterhin schon im kommenden Jahr mit der Produktion von grünem Stahl begonnen. Allerdings hat der Vorstand von Salzgitter beschlossen, den kompletten Umstieg erst im Jahr 2035 vorzunehmen – zwei Jahre später als ursprünglich geplant. Auch Salzgitter kritisiert die Regelungen für den Industriestrompreis.

Hoher Druck, wenig Nachfrage

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl sieht alle Hersteller vor großen Herausforderungen. Es herrsche ein unfairer Importdruck, vor allem aus Fernost. Außerdem seien die Energiekosten in Deutschland zu hoch, und es gebe noch keine funktionierenden Absatzmärkte für emissionsarmen Stahl „Made in Germany“ – denn große Unternehmen sind bislang nicht verpflichtet, ihn einzusetzen.

Der Präsident der Helmholtz-Forschungsgemeinschaft, Martin Keller, hat 30 Jahre in den USA gelebt und kennt die Stahlbranche dort wie hier. Er hält den Umbau in Deutschland für absolut notwendig. Es wäre ein großer Fehler, wenn diese Industrie abwanderte. Deutschland dürfe sich nicht abhängig machen von anderen Ländern.

Bundesregierung tritt zusätzlich auf die Bremse

Wichtig für die Stahlhersteller ist auch das CO2-Zertifikate-System der EU. Noch erhalten Unternehmen für den Ausstoß von CO2 kostenlose Zertifikate. Doch sie müssen künftig immer mehr Zertifikate teuer einkaufen. Die Bundesregierung macht aber viel Druck auf die EU-Kommission. Das Ziel: die Zertifikate länger kostenlos an die Industrie zu verteilen. Die EU-Kommission hat nun vorgeschlagen, das System abzuschwächen.

Neue Schutzmaßnahmen der EU geplant

Am heutigen 19. Mai wird das EU-Parlament zudem über neue Schutzmaßnahmen abstimmen, etwa niedrige Einfuhrquoten für zollfreien Stahl und höhere Zölle für alle weiteren Stahlimporte. Die Maßnahmen schließen konventionell hergestellten Stahl mit ein, allerdings dürfte auch der teurer produzierte grüne Stahl von den Schutzzöllen profitieren.

Die neue Gesetzgebung soll helfen, die EU und ihre Stahlbranche vor der weltweiten Überproduktion von Stahl zu schützen. Die Einigung zwischen EU-Parlament und den 27 Mitgliedsstaaten fiel bereits im April, die Abstimmung gilt als Formsache. Die derzeitigen, seit 2018 im Rahmen der Welthandelsorganisation geltenden Schutzmaßnahmen werden am 30. Juni 2026 auslaufen. Die neue EU-Gesetzgebung muss spätestens ab dem 1. Juli in Kraft treten.

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