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Startseite»Politik»Eine Branche im Umbruch: Europas Autozulieferer in Nöten
Politik

Eine Branche im Umbruch: Europas Autozulieferer in Nöten

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 29, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 29.05.2026 • 08:37 Uhr

Weltweit laufen Autofabriken wieder auf Touren, doch bei vielen Zulieferern kommt davon wenig an. Zugleich verschieben sich die Machtverhältnisse: Chinesische Hersteller holen auf.

Claudia Wehrle

Jahrzehntelang galt die deutsche Autozulieferer-Industrie als eine der wichtigsten Branchen. Sie war ein Umsatzbringer. Doch zuletzt kamen immer wieder schlechte Nachrichten. Von Gewinneinbrüchen ist die Rede. ZF aus Friedrichshafen schreibt tiefrote Zahlen, Bosch ebenso. Der Zulieferer Mahle mit Sitz in Stuttgart musste bereits mehrere Produktionsstandorte schließen. Und das sind nur ein paar Beispiele von vielen.

Alexander Timmer von der Beratungsgesellschaft Berylls by AlixPartners spricht von einer „angespannten Lage“. Die Probleme seien herausfordernd und viele Beschäftigte in der Branche entsprechend nervös.

Eine Branche im Umbruch

Dies allein auf Fehlentscheidungen einzelner Manager zurückzuführen, wäre zu kurz gegriffen. Denn die gesamte Autobranche steckt in tiefgreifenden Umstrukturierungsprozessen. Es geht weg vom Bau von Verbrennerautos hin zu Fahrzeugen mit Elektroantrieb. Hinzu kommt die zunehmende Digitalisierung in einzelnen Fahrzeugen, und es wird mehr Künstliche Intelligenz eingesetzt.

Das bedeutet, dass viele Produkte, mit denen Zulieferer bislang gute Geschäfte gemacht haben, nicht mehr oder zumindest nicht mehr in dem Maße wie bisher gebraucht werden.

Autoexperte Jürgen Pieper warnt schon lange vor dem großen Abhängigkeitsverhältnis, in dem viele Zulieferer stecken. „Zulieferer können wesentlich schlechter planen. Ihre eigenen Pläne sind immer abhängig von dem, was der Hersteller macht.“ Und das könne in Krisenzeiten zu diesen drastischen Einbrüchen führen.

Viele Beschäftigte verlieren ihren Job

Die Beratungsgesellschaft EY hat einmal ausgerechnet, dass im Jahr 2025 der Umsatz der in Deutschland angesiedelten Zulieferer gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent geschrumpft ist – und damit viermal so stark wie der Umsatz der Hersteller.

Auch die Zahl der Beschäftigten ist deutlich zurückgegangen. Innerhalb von sechs Jahren ist bei den Zulieferern in Deutschland fast jede vierte Stelle verschwunden – und der Abwärtstrend hat sich zuletzt weiter beschleunigt.

Mittelständler besonders betroffen

Vor allem für viele Mittelständler könnten die kommenden Jahre schwierig werden. Unternehmensberater Timmer denkt vor allem an Konzerne mit 500 Millionen oder zwei, drei Milliarden Umsatz, die eine hohe Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor haben. „Da wird es eine Konsolidierungswelle geben. Da steht vielleicht ein Ausverkauf des Mittelstands der Zulieferer-Industrie in Aussicht.“

Frank Schwope spricht von „disruptiven Zeiten, vom zerstörerischen Wandel“. Schwope ist Lehrbeauftragter für Automotive & Mobility Management an der Fachhochschule des Mittelstands (FMH) in Berlin. „Es werden sicherlich die ein oder anderen Sparten zerschlagen“, sagt er. Sie seien überflüssig, würden aufgelöst. „So einen Umbruch wie zurzeit hat man in der Automobilbranche nie gesehen.“

Die Chinesen kommen

Was auch auffällt: Es drängen neue Wettbewerber auf den Markt. Sie kommen vielleicht nicht aus der unmittelbaren Nachbarschaft, sondern aus Brasilien, Mexiko oder Thailand und vor allem aus China. „Wenn wir vielleicht zwanzig Jahre zurückschauen, da war der Marktanteil chinesischer Hersteller zwei, drei oder vier Prozent. Momentan liegen wir bei 60 Prozent“, so Timmer.

Von den erstarkenden chinesischen Herstellern profitierten großteils auch chinesische Zulieferer. „Und gleichermaßen steigt der chinesische Zulieferer-Anteil.“ In den kommenden Jahren dürften die chinesischen Zulieferer ihre Position an der gesamten Wertschöpfungskette ausbauen. Das geschieht von Batterien und Halbleitern über Software bis hin zu kompletten Systemlösungen.

Eine neue Gründerzeit

Branchenexperte Christoph Stürmer ist dennoch zuversichtlich. Er glaubt an eine neue Gründerzeit für die Automobilindustrie. „Aber die Gründer kommen möglicherweise nicht aus der Automobilindustrie selbst.“

Es kann die IT sein, die neue „Hidden Champions“ hervorbringt, also Nischen-Weltmarktführer. Auch Elektrokonzerne könnten mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Wenn Zukunftsvisionen wie das autonome Fahren Wirklichkeit werden, dann dürfte das noch einmal tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen.

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