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Politik

Energie in Russland: Wie die Benzinkrise Putin unter Druck setzt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 29, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 29.06.2026 • 20:54 Uhr

Der Benzinmangel in Russland frustriert die Autofahrer. Im Kreml berieten Minister und Energiechefs mit Präsident Putin. Der versuchte, die Öffentlichkeit zu beruhigen.

Björn Blaschke

In den zurückliegenden Tagen wurde es immer klarer: Russland steckt in einer Energiekrise. Vor vielen Tankstellen in der Russischen Föderation bilden sich seit Tagen Schlangen, auch im Großraum von Moskau. Viele Wartende sind frustriert.

Autofahrer, die die Nachrichtenagentur Reuters interviewte, sagten, es sei „alles sehr schlimm“ und „nichts Gutes dabei“ und beschwerten sich darüber, dass sie „nur 20 Liter pro Person“ erhalten und also nicht volltanken könnten. Dann müssten sie sich wieder hinten anstellen.

Fast zehn Millionen Barrel am Tag – so viel Öl förderte Russland täglich im vergangenen Jahr. Das machte den Staat zum drittgrößten Ölproduzenten der Welt. Viel wurde davon als Rohöl ins Ausland verkauft; einen Teil verarbeiteten die heimischen Raffinerien, zum Beispiel zu Benzin.

Aber seit Monaten nun schon nimmt das ukrainische Militär russische Öl-Produktionsstätten ins Visier; greift Raffinerien, Pipelines, Pump- und Verladestationen an. Es sind Gegenschläge in dem Krieg, den Russland vollumfänglich vor mehr als vier Jahren startete.

Die ukrainischen Attacken dürften auch die Benzinknappheit in der Russischen Föderation ausgelöst haben.

Putin versucht zu beruhigen

Am Wochenende nun hielt Kremlchef Wladimir Putin eine Sitzung ab, zur, wie es hieß, „Sicherung der inländischen Kraftstoffversorgung“. An dem Treffen nahmen unter anderem die Minister für Verteidigung und Finanzen teil, Moskaus Bürgermeister und die Chefs von Energieunternehmen. Das sieht nach Krisenmodus aus.

Aber Putin spielte den Benzinmangel herunter – in einem Interview mit Pawel Zaroubin vom Sender Rossija 1, der seit Januar als „Propagandist“ auf der Sanktionsliste der EU steht.

Zaroubin fragte Putin, für wie schwerwiegend er die Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur halte. Putin antwortete, sie bereiteten „natürlich Probleme, das ist offensichtlich“, man sehe derzeit „ein gewisses Defizit, aber kein kritisches“.

Putins Antwort

Und trotzdem soll Russland jetzt Benzin importieren, wie auch Kerosin. Vorläufig jedenfalls, denn: Putin drängt darauf, dass die Schäden, die ukrainische Angriffe verursacht haben, schnell behoben werden.

Und er erklärte, die Auswirkungen ukrainischer Angriffe müssten klein gehalten werden. Die „erste Aufgabe“ bestehe darin, „die Produktion der besten Luftverteidigungssysteme schnell und deutlich zu steigern. Die Frage ist, wie schnell die Produktion erhöht und an die Truppen zum Schutz kritischer Infrastruktureinrichtungen geliefert werden kann.“

Putin will sich nicht durch den Benzinmangel unter Druck setzen lassen, er will auch nicht den Krieg angesichts der offensichtlichen Mängel beenden; er will weiterkämpfen lassen. Oder mit anderen Worten: Er geht nicht gegen die Krankheit vor, sondern gegen ihre Symptome.

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