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Startseite»Betrugsmaschen»Fake-Advertorials erkennen: 5 Maschen + Schutz-Tipps
Betrugsmaschen

Fake-Advertorials erkennen: 5 Maschen + Schutz-Tipps

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 1, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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Du klickst auf einen Artikel mit ORF- oder BILD-Logo. Eine bekannte Schauspielerin oder ein TV-Moderator erzählt darin angeblich, welches Investment ihn reich gemacht habe. Das Layout sieht vertraut aus, die Überschrift klingt nach Eilmeldung, der Text nach Interview. Erst beim zweiten Blick fällt auf: Die Adresse der Website gehört gar nicht zu ORF oder BILD. Und die Person hat so etwas nie gesagt. Was wie Journalismus aussieht, ist in Wahrheit Werbung – oder genauer: eine täuschend gemachte Werbeseite in fremder Optik.

Genau das ist das Problem bei Fake-Advertorials. Sie nutzen das Vertrauen, das viele Menschen echten Nachrichtenmarken entgegenbringen, und leiten es auf dubiose Produkte, Trading-Plattformen oder Wundermittel um. Betroffen sind Logos und Namen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum – von ORF, OE24, Krone und Standard bis zu BILD, ZDF, n-tv oder SRF.

Was ist ein Advertorial – und wann wird es problematisch?

„Advertorial“ ist ein Kunstwort aus „Advertisement“ und „Editorial“. Gemeint ist Werbung, die in Aufbau und Ton an einen redaktionellen Beitrag erinnert. Das ist nicht automatisch unzulässig. Entscheidend ist die Kennzeichnung. In Deutschland verlangt der Pressekodex eine klare Trennung zwischen Werbung und Redaktion. In Österreich ist sie im Mediengesetz verankert. In der Schweiz verweist die Lauterkeitskommission auf vergleichbare Regeln. Werbung muss in allen drei Ländern als solche erkennbar sein.

Ein echtes Advertorial ist deshalb sichtbar als „Anzeige“ oder „Werbung“ markiert. Ein Fake-Advertorial geht weiter. Es tut nicht nur so, als wäre es ein Artikel, sondern imitiert oft gleich die ganze Umgebung einer bekannten Medienmarke – etwa mit Logos, Typografie, Studiofotos oder Namen von Nachrichtenseiten wie ORF, BILD, OE24, Krone oder ZDF. Bei Anlagebetrug ist genau das seit Jahren ein wiederkehrendes Muster, vor dem Verbraucherschutz und Aufsichtsbehörden in Deutschland (BaFin), Österreich (FMA) und der Schweiz (FINMA) wiederholt warnen.

Nicht jedes Advertorial ist ein Fake. Entscheidend ist, ob Werbung offen gekennzeichnet ist – oder sich als Journalismus tarnt.

Fake-Advertorial erkennen: Diese Warnzeichen sind typisch

Viele dieser Seiten folgen einem einfachen Prinzip: Sie leihen sich Glaubwürdigkeit aus. Damit du nicht nur auf das Logo schaust, sondern auf das Gesamtbild, helfen ein paar feste Marker.

  • Prominente äußern sich ungewöhnlich konkret zu Geld, Krypto, Abnehmmitteln oder Wundermitteln.
  • Das Logo einer bekannten Nachrichtenseite ist sichtbar, aber die URL gehört nicht zur Marke.
  • Es fehlen Datum, Autor, Impressum oder Links zu anderen echten Artikeln der Seite.
  • Der Text arbeitet mit Druck – etwa „nur heute“, „vor Löschung sichern“ oder „jetzt Geheimtrick ansehen“.
  • Ein Klick führt nicht zur angeblichen Quelle, sondern direkt zu einem externen Anbieter oder Formular.

Gerade die Kombination ist wichtig. Eine einzelne Auffälligkeit kann noch Schlamperei sein. Wenn aber prominente Namen, geklaute Medienoptik, künstlicher Zeitdruck und ein externer Verkaufslink zusammenkommen, ist Vorsicht angebracht. Ermittler und Verbraucherschützer beschreiben genau diese Mischung bei gefälschten Investment- und Krypto-Seiten.

5 typische Fake-Advertorial-Maschen

Höhle-der-Löwen-Investment-Fakes

Eine der bekanntesten Varianten behauptet, ein Produkt sei in einer TV-Show wie „Die Höhle der Löwen“ oder „2 Minuten 2 Millionen“ vorgestellt worden oder habe dort „Investoren sprachlos gemacht“. Oft geht es um Krypto, Trading-Bots oder schnelle Rendite. Die Show dient dabei nur als Kulisse. Polizei und Medienberichte beschreiben seit Jahren, dass solche Seiten Logos, Studiobilder und bekannte Namen nutzen, obwohl es keine echte Verbindung gibt.

Promi-Verschwörung um Wundermittel

Hier lautet die Dramaturgie oft: Eine bekannte Person habe „endlich die Wahrheit gesagt“, Ärzte seien „entsetzt“ oder die Pharmaindustrie wolle etwas „unterdrücken“. Solche Texte ahmen journalistische Enthüllungen nach, dienen aber meist nur dazu, Nahrungsergänzung, Abnehmprodukte oder Anti-Aging-Mittel zu verkaufen. Typisch sind erfundene Zitate, reißerische Gesundheitsversprechen und fehlende überprüfbare Quellen.

Politiker-Skandal-Fakes

Bei dieser Variante wird ein politischer Name benutzt, um Empörung und Klickdruck auszulösen. Angebliche Aussagen, geheime Einnahmen oder plötzlich enthüllte Deals sollen den Eindruck erwecken, hier werde ein Skandal aufgedeckt. In Österreich tauchten Fakes mit Bundespräsident Van der Bellen oder bekannten Parteichefs auf, in Deutschland etwa mit Sahra Wagenknecht. Tatsächlich führt der Klick häufig zu Investmentformularen oder Datensammelseiten. Solche geklonten Nachrichtenumfelder sind auch aus größeren Desinformationskampagnen bekannt.

Bitcoin-Plattform mit Promi-Empfehlung

Das ist derzeit eine der sichtbarsten Formen. Aufsichtsbehörden und Polizei warnen wiederholt vor gefälschter Promi-Werbung für Kryptowerte und andere Investments. In Österreich tauchten in den letzten Jahren Fakes mit Armin Wolf (ORF), Armin Assinger oder anderen TV-Gesichtern auf, in Deutschland etwa mit Yvonne Catterfeld, Christoph Waltz oder Robert Geiss. Imitierte Nachrichtenseiten missbrauchen bekannte Gesichter und Medienlogos, um Vertrauen aufzubauen. Ziel ist fast immer derselbe Funnel: Klick, Formular, Anruf durch vermeintliche Berater, weitere Einzahlungen.

Anti-Aging-Pille im TV-Studio-Look

Hier soll nicht nur ein Artikel, sondern gleich eine ganze Fernsehwelt simuliert werden. Screenshots von Talkshows, Studiohintergründe, Bauchbinden und Moderatorennamen erzeugen den Eindruck, ein Produkt sei gerade in einer Sendung besprochen worden. Tatsächlich ist die Bildsprache nur Kulisse. Genau dieser Medienmix aus Fake-Artikel, Fake-Studio und Verkaufsseite macht die Masche so anschlussfähig.

Das Logo soll Prüfen verhindern. Die URL verrät oft mehr als das ganze Layout.

Warum gerade Prominente missbraucht werden

Prominente liefern etwas, das Betrüger selbst nicht besitzen: geliehenes Vertrauen. Ein bekanntes Gesicht wirkt wie eine Abkürzung. Viele Nutzer prüfen dann nicht mehr so genau, weil Bekanntheit mit Glaubwürdigkeit verwechselt wird. Dazu kommt der Wiedererkennungseffekt. Wer einen Namen schon oft gesehen hat, hält die Aussage eher für plausibel – selbst dann, wenn sie ungewöhnlich konkret wirkt.

Für Täter ist das effizient. Ein erfundener Experte zieht weniger als eine bekannte Schauspielerin, ein TV-Moderator oder ein Politikername. Deshalb tauchen immer wieder dieselben Muster auf: prominente Gesichter, angebliche Interviews, plötzliche Enthüllungen, sensationelle Gewinne.

Manche Betroffene wehren sich öffentlich. Lena Meyer-Landrut etwa bezeichnete gefälschte Bitcoin-Werbung mit ihrem Namen klar als Betrug und kündigte rechtliche Schritte an. Auch österreichische TV-Gesichter wie Armin Wolf oder Armin Assinger haben sich öffentlich von missbräuchlichen Investment-Werbungen distanziert. Das zeigt: Wer in solchen Seiten auftaucht, ist oft nicht Werbepartner, sondern selbst Opfer eines Identitätsmissbrauchs.

Was du konkret tun kannst

  • Prüfe die URL statt nur das Logo.
  • Rufe die angebliche Originalquelle direkt selbst auf.
  • Suche nach dem Promi-Namen zusammen mit „Werbung“, „Fake“ oder „Betrug“.
  • Prüfe bei Investments die Warnlisten der Aufsichtsbehörden – BaFin in Deutschland, FMA in Österreich, FINMA in der Schweiz.
  • Nutze eine Bilder-Rückwärtssuche bei auffälligen Screenshots.
  • Klicke bei Verdacht nicht weiter und melde die Anzeige oder Seite.

Gerade bei Geldanlagen lohnt sich ein nüchterner Ablauf: nicht auf der Werbeseite bleiben, keine Telefonnummer hinterlassen, keine Fernwartungssoftware installieren und keine Einzahlungen „zum Testen“ vornehmen. Die ersten Schritte im Betrugsfunnel wirken oft klein. Genau das ist beabsichtigt. Wer einmal Daten abgegeben hat, landet schnell bei Callcentern, Nachfass-Anrufen und weiterem Druck.

Wie sich die Masche gerade verändert

Fake-Advertorials werden professioneller. Statt nur Logos zu kopieren, kombinieren Täter heute geklonte Nachrichtenseiten, bezahlte Plattformanzeigen, manipulierte Videos und KI-generierte Stimmen. Dadurch sieht die Täuschung nicht mehr nur wie ein schlechter Spam-Link aus, sondern wie ein sauber gebauter Medienbeitrag. Genau das macht diese Form der Werbung so gefährlich: Sie verkauft nicht nur ein Produkt, sondern inszeniert gleich die Glaubwürdigkeit dazu.

Worin sich Fake-Advertorials von anderen Betrugsformen unterscheiden

Ein Fake-Advertorial ist nicht einfach nur eine plumpe Anzeige. Es ist eine Mischform aus Werbebotschaft, Markenmissbrauch und journalistischer Tarnung. Damit überschneidet sich das Thema mit Promi-Fakes und mit Investmentbetrug. Der Unterschied ist die Verpackung: Nicht der Anruf oder das Formular steht am Anfang, sondern der scheinbare Artikel. Die Täuschung beginnt also dort, wo du eigentlich Information erwartest.

Wer diese Verpackung erkennt, hat schon viel gewonnen. Denn der erste Schutzschritt ist nicht Technik, sondern Mustererkennung.

Mehr zum Oberthema findest du im Pillar-Leitfaden Fake-Advertorials erkennen. Zur Einordnung im Themenfeld geht es hier zu Medien & Manipulation.

Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)

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