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Startseite»Politik»Grundwasser an vielen Küsten sinkt – ist das Trinkwasser bedroht?
Politik

Grundwasser an vielen Küsten sinkt – ist das Trinkwasser bedroht?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 3, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 03.05.2026 • 06:00 Uhr

Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung lebt in Küstenregionen. Doch gibt es dort immer weniger Trinkwasser: Während der Meeresspiegel steigt, sinkt der Grundwasserspiegel.

Eine Studie mit Daten von rund 480.000 Grundwasserbrunnen weltweit zeigt: In vielen Küstenregionen – etwa in den USA, Zentralamerika, im Mittelmeerraum, in Indien, Südafrika und Australien – sinkt der Grundwasserspiegel oft dauerhaft. In einigen Brunnen jährlich um bis zu 50 Zentimeter. Es wird oft zu viel Grundwasser entnommen, entweder für den Trinkwasserverbrauch oder für Industrie und Landwirtschaft.

Das ist ein Problem: Denn gleichzeitig steigt durch den Klimawandel der Meeresspiegel – und fällt der Grundwasserpegel darunter, kann Salzwasser eindringen und das Grundwasser versalzen. Dann taugt es weder als Trinkwasser noch für die Landwirtschaft.

Evakuierungsprojekt Jakarta

Das Problem zeigt sich besonders in großen Städten mit mehr als zehn Millionen Einwohnern – den sogenannten Megacities. Um deren riesige Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen, werden die Grundwasserreserven oft über Jahre hinweg stark angezapft, ohne dass genug neues Wasser nachkommt.

Ein bekanntes Beispiel sei etwa Indonesiens Hauptstadt Jakarta, sagt Robert Reinecke, Professor für Physische Geographie mit dem Schwerpunkt Erdsystemmodellierung. „Manche haben vielleicht mitbekommen, dass dort die Hauptstadt verlegt wird, weil Jakarta massive Wasserprobleme hat.“

Die indonesische Hauptstadt soll unter anderem wegen Überschwemmungsrisiken und Überbevölkerung in die neue Stadt Nusantara auf der Insel Borneo verlegt werden. Das Projekt kostet die Regierung umgerechnet rund 32 Milliarden Euro. Doch neben steigender Fluten spielt auch das Trinkwasser eine entscheidende Rolle.

Zu wenig Grundwasser bedroht Lebensgrundlage

Wenn Küstenregionen ihre Grundwasserreserven nicht schützen, könne Wasserknappheit schon lange vor sichtbaren Überschwemmungen zum Problem werden, meint Reinecke: „Tendenziell ist es so, dass Trinkwasserverfügbarkeit nun mal die Voraussetzung dafür ist, dass Menschen irgendwo leben können, Lebensmittel anbauen können und wir gesunde Ökosysteme haben.“ Das Thema Grundwasser im Zusammenhang mit Meeresspiegelanstieg sei wenigen Menschen bewusst, vermutet der Forscher.

Maßnahmen zur Sicherung von Grundwasser

Methoden, um Trinkwasserreserven zu schützen, gibt es längst. Der wichtigste Hebel ist dabei ganz simpel: Es darf nicht mehr Grundwasser entnommen werden, als sich wieder neu bilden kann. Hydrologe Nils Moosdorf von der Uni Kiel betont, wie entscheidend hier ein gutes Management ist. Es sei wichtig zu beobachten, wie viel Grundwasserleiter und Grundwasser aushalten. „Und dann auch entsprechend die Regeln umsetzt und sagt: ‚Hier dürft ihr maximal so viel pumpen und nicht mehr.'“

Einen einzelnen Hauptverursacher für den sinkenden Grundwasserpegel gibt es dabei nicht. Vielmehr sei es ein Zusammenspiel verschiedener Nutzer: private Haushalte, Städte, Unternehmen – und vor allem die Landwirtschaft, die große Mengen Wasser für die Bewässerung benötigt.

Entsalzungsanlagen als Option für Trinkwasser

In trockenen Gebieten wie den USA, Saudi Arabien oder Spanien werden Entsalzungsanlagen genutzt, um Meerwasser zu Trinkwasser aufzubereiten. Dieselbe Technologie könne auch für versalzenes Grundwasser verwendet werden, bringe aber auch Nachteile mit sich, sagt Moosfeld, der auch am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung arbeitet: „Das ist immer das Problem: Wenn ich das Wasser entsalze, dann beame ich das Salz nicht auf den Mond. Man gibt es dann normalerweise wieder in den Ozean – und da ist zu viel Salz lokal aber auch ein Problem.“

Gleichzeitig verbrauche das Verfahren auch viel Energie. „Eigentlich habe ich ein Interesse daran, das System so zu managen, dass es funktioniert. Das heißt auch gar nicht weniger Wasser entnehmen, sondern vielleicht lohnt es sich auch manchmal das Wasser woanders zu entnehmen“, sagt der Hydrologe. „Also ein bisschen weiter von der Küste weg oder nicht alles an einem Punkt, sondern an mehreren Punkten.“

Mehr Evakuierungen an den Küsten?

In Inselländern wie der pazifischen Inselgruppe Tuvalu gibt es bereits konkrete Überlegungen, angesichts des zunehmenden Überschwemmungsrisikos die Bevölkerung nach Australien zu evakuieren. Das Australien-Tuvalu-Falepili-Union-Treaty ermöglicht es jährlich 280 Inselbewohnern, nach Australien auszuwandern und dort zu leben, zu arbeiten oder zu studieren – ohne ihr Recht zu verlieren, nach Tuvalu zurückzukehren.

Bis 2050 könnten laut NASA große Teile der Inselgruppe im Meer versunken sein. „Diese Nationen werden tendenziell ihre Inseln verlassen müssen, weil sie kein Trinkwasser mehr haben, bevor sie überhaupt unter dem Meer verschwinden“, so Robert Reinecke, Forscher der Johannes-Kepler-Universität Mainz. Plakativ könne man sagen: „Sie werden verdursten, bevor sie ertrinken.“

Solche Entwicklungen werden in Zukunft voraussichtlich häufiger auftreten, warnt er. Das Wissen über geeignete Methoden zum Schutz der Grundwasserreserven sei jedoch bereits vorhanden.

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Dr. Heinrich Krämer
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